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Innovationen gegen antibiotikaresistente Bakterien: Neue Targets, Wirkstoffe und Werkzeuge

Art
Förderprogramm
Einreichungsfrist
Förderung durch
BMBF
Reichweite
Deutschland

Der Mangel an neuen antimikrobiellen Wirkstoffen und die Zunahme von Infektionen durch multiresistente Bakterien erfordern eine verstärkte internationale Zusammenarbeit, die der Unterstützung mit erheblichen finanziellen Investi­tionen bedarf. Neue Wirkstoffe und therapeutische Ansätze sind dringend erforderlich, um bakterielle Infektionen zu kontrollieren.

Das wichtigste Ziel der sechsten gemeinsamen Bekanntmachung der Joint Programming Initiative on Antimicrobial Resistance (JPIAMR) ist es, die Ressourcen, Infrastrukturen und Forschungsanstrengungen vieler Länder zusammenzubringen, um neue Targets zu identifizieren und zu validieren, neue Therapien zu entwickeln und neue Werkzeuge für innovative Behandlungen einschließlich neuer Antibiotika bereitzustellen. Multinationale Zusammenarbeit in der Forschung soll gestärkt werden und zusätzlichen Nutzen für die Entwicklung neuer Therapien bringen. Dabei soll auf bestehenden nationalen Forschungsansätzen aufgebaut werden. Im September 2017 veröffentlichte die WHO eine globale Prioritätsliste antibiotikaresistenter Bakterien mit dem Ziel, Forschung zu neuen Therapien zu fokussieren.

Innerhalb dieser Fördermaßnahme wird eine begrenzte Anzahl kooperativer und interdisziplinärer Forschungsprojekte mit klinischer Relevanz gefördert, von denen ein Beitrag zur Bekämpfung der Antibiotikaresistenz in einer oder mehrerer der Bakteriengruppen der oben genannten WHO-Liste erwartet werden kann. Forschung zu allen dort genannten Bakteriengruppen kann gefördert werden.

Die Bekanntmachung richtet sich an klinisch und experimentell orientierte Arbeitsgruppen aus universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und/oder industriellen Partnern, die in der Regel in Verbünden zusammenarbeiten. Eine Zusammensetzung der Verbünde aus Partnern von Wissenschaft und Wirtschaft ist erwünscht, aber nicht obligatorisch.

Es werden nur Forschungsvorhaben im Rahmen transnationaler Forschungsverbünde gefördert, die aus mindestens drei bei den in der Förderrichtlinie genannten Förderorganisationen antragsberechtigten Gruppen aus drei unterschiedlichen Ländern bestehen. Von der Kooperation wird ein Synergieeffekt erwartet. Daher muss aus den Projektanträgen der zusätzliche Nutzen der transnationalen Zusammenarbeit klar hervorgehen (z. B. die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Know-how bzw. innovativer Technologien). Projekte, die die Notwendigkeit zur Kooperation nicht erkennen lassen, können nicht berücksichtigt werden.

Transnationale kooperative Forschungsanträge müssen zumindest eines der folgenden Themengebiete zum Gegenstand haben, die in ihrer Relevanz für die Förderinitiative gleichwertig sind:

Neue Targets:

  • Entdeckung neuer bakterieller Targets oder Resistenzmechanismen (beispielsweise neue Enzym- oder Effluxpumpeninhibitoren), einschließlich Untersuchungen zum Verständnis und zur Überwindung der Kontrollmechanismen bei der Resistenzentstehung.

Neue Therapien:

  • Studien zur Entdeckung neuer Wirkstoffe (einschließlich neuer Antibiotika und Alternativen);
  • Strategien zur Verhinderung oder Verminderung des Resistenzerwerbs wie beispielsweise Multitarget-Moleküle und Therapeutika, die das Immunsystem stärken, die Kolonisierung oder Biofilmentwicklung verhindern oder die Virulenz verringern;
  • Entdeckung neuer Therapien zur Überwindung bekannter Resistenzmechanismen und/oder zur Wiederherstellung der Sensitivität gegenüber konventionellen Antibiotika.

Neue Werkzeuge/Tests:

  • Strategien und/oder innovative Werkzeuge oder Tests zur Verbesserung, Verstärkung oder Erleichterung der Identifizierung oder Validierung von neuen effektiven Wirkstoffen oder Therapien;
  • Strategien und/oder innovative Werkzeuge zur Optimierung von Medikamenteneinsatz, Medikamentendosierung und neuen Medikamenten;
  • Erforschung bakterieller Gene, beispielsweise Expression latenter Gencluster.

Antragsberechtigt sind deutsche staatliche und nicht staatliche Hochschulen und außeruniversitäre Forschungs­einrichtungen sowie Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft mit FuE-Kapazität, wie z. B. kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Das Förderverfahren ist zweistufig angelegt.

In der ersten Verfahrensstufe sind dem Joint Call Secretariat für die gemeinsame Bekanntmachung, das bei der "L’Agence Nationale de la Recherche (ANR)" in Paris angesiedelt ist, bis spätestens 7. März 2018 zunächst Projektskizzen in schriftlicher und/oder elektronischer Form vorzulegen.

Glossar

  • Ein Antibiotikum ist ein Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), das in geringen Konzentrationen andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum hemmt.
  • Antibiotika-Resistenz ist die Fähigkeit von Mikroorganismen, durch Synthese von bestimmten Stoffen die Wirkung von Antibiotika aufzuheben (z. B. das Enzym Penicillinase spaltet Penicillin und macht es damit unwirksam).
  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Enzyme sind Katalysatoren in der lebenden Zelle. Sie ermöglichen den Ablauf der chemischen Reaktionen des Stoffwechsels bei Körpertemperatur.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Allgemein ist mit Virulenz die Fähigkeit eines Krankheitserregers gemeint, seinen Wirt zu infizieren. Bei Bakteriophagen bezeichnet man damit die Eigenschaft, seinen Wirt nach Infektion zu lysieren.
  • Validierung oder Validation ist der Prozess der Prüfung einer These oder eines Lösungsansatzes in Bezug auf das zu lösende Problem.
  • Die Expression ist die Biosynthese eines Genprodukts (= Umsetzung der genetischen Information in Proteine). Sie erfolgt in der Regel als Transkription von DNA zu mRNA und anschließender Translation von mRNA zu Protein.
  • Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem von Lebewesen, das Gefahren durch Krankheitserreger abwenden soll. Es schützt vor körperfremden Substanzen und vernichtet anormale (entartete) Körperzellen. Dies wird durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Organe, Zelltypen und chemischer Moleküle vermittelt.
  • Ein Biofilm ist eine dünne Schleimschicht, die aus Mikroorganismen besteht und sich auf Oberflächen bildet, die in Kontakt mit Wasser stehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Zahnbelag.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/datenbank/foerderung/innovationen-gegen-antibiotikaresistente-bakterien-neue-targets-wirkstoffe-und-werkzeuge/