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biokyb life science AG – die Spannung sinkt, die Haare bleiben

Es ist eine haarige Sache, mit der sich die biokyb life science AG aus Korb beschäftigt: Das Unternehmen hat eine Therapie entwickelt, die eine bestimmte Form von erblich bedingtem Haarausfall verzögern und sogar stoppen kann. Es handelt sich um die Alopecia contentionalis, den Spannungshaarausfall. Eine wesentliche Ursache davon sind starke Muskelverspannungen am Kopf.

Auch Armin Maurer musste schon Haare lassen. Der Vorstand der biokyb life science AG aus Korb bei Stuttgart stellte eines Tages fest, dass auch er zu den rund 14 Millionen Männern in Deutschland zählt, deren Haupthaare nach und nach weichen. Übrig bleiben kahle Kopfhaut und ein mehr als ungutes Gefühl. „Ich wollte mich damals mit den üblichen schulmedizinischen Erklärungen nicht abfinden, sondern der Sache auf den Grund gehen“, sagt Maurer.

Inzwischen weiß er, dass er unter Spannungshaarausfall und einer sogenannten Trichodynie litt, ein Phänomen, das rund 15 Millionen Menschen hierzulande plagt und dessen Ursachen bislang unklar waren. „Bei Trichondynie sind die Muskeln im oberen Schädelbereich extrem verspannt, sie übersäuern, die Kopfhaut brennt und fühlt sich gereizt an“, erklärt Maurer. Auf die Verspannungen der Kopfhaut folgte Alopecia contentionalis (AC), der sogenannte Spannungshaarausfall, der auch Maurers Haarpracht in Mitleidenschaft zog. Leider gab es dafür keine Behandlungsmöglichkeit.

Biokyb-Vorstand Armin Maurer: "Wir verfolgen einen ursachenorientierten Forschungsansatz." © BIOPRO/Bächtle

Der Diplom-Kaufmann, der viele Jahre in einem großen IT-Unternehmen arbeitete, begann selbst nachzuforschen und setzte sich mit Forschern und Fachärzten in Verbindung – sie analysierten erstmals den gesamten Themenkomplex Stress, verspannte Kopfhautmuskulatur, Kopfhautbrennen, Durchblutung, Haarausfall.

So weit die Vorgeschichte. Maurers Engagement gegen den Haarverlust blieb nicht ohne Folgen, er gründete die biokyb life science AG. Sein Ziel: eine ursachenorientierte Therapie, die sehr gezielt bei bestimmten, eingrenzbaren Formen von Haarverlust wirkt.

Die Ursachen von erblich bedingtem Haarausfall sind nicht immer eindeutig. Einen gewissen Einfluss hat das Testosteronderivat Dihydrotestosteron (DHT). Liegt eine zu hohe Konzentration an DHT vor, verhornen die Haarfollikel, die Haare fallen aus und werden nicht mehr ersetzt. Medikamente können die Umwandlung von Testosteron zu DHT mindern und der Verhornung teilweise entgegenwirken. Dauerhafter und kosmetisch sichtbarer Erfolg ist den Patienten jedoch kaum beschieden.

Hilfe, Heilung, Humbug

Den vielen mutmaßlichen Gründen für Haarausfall stehen mindestens ebenso viele mutmaßliche Hilfs- und Heilmittel gegenüber. Offenbar ist auch viel Humbug darunter. 2003 hat die Stiftung Warentest 21 Mittel gegen Haarausfall getestet. Die Produkte waren teils frei verkäuflich, teils verschreibungspflichtig. Lediglich zwei, beide verschreibungspflichtige Arzneimittel, erlangten das Testurteil „bedingt geeignet“. Alle anderen waren nach Ansicht der Tester „wenig geeignet“ – die schlechteste zu vergebende Beurteilung. „Für Betroffene, insbesondere für Frauen, ist diese Situation völlig unbefriedigend“, sagt Maurer. „Wir verfolgen bei biokyb einen ursachenorientierten, kybernetischen Forschungsansatz, speziell für die Anamnese und Behandlung von Spannungshaarausfall.“

Die Durchblutung wieder herstellen

Biokyb hat die Verspannung der oberen Schädelmuskulatur bei Stress, die darauf folgende Durchblutungsstörungen in der Kopfhaut und die Versorgungssituation der Haarmatrixzellen in den Mittelpunkt ihres Therapieansatzes gestellt. Die Haarmatrixzellen, die für das Haarwachstum im Wesentlichen verantwortlich sind, zählen zu den teilungsaktivsten Zellen im Körper. Entsprechend groß ist ihr Bedarf an Blut, Sauerstoff und Nährstoffen. Die Kopfhaut ist daher etwa zehnmal so stark durchblutet wie andere Hautareale. Durchblutungsstörungen in der Kopfhaut können sich direkt auf die Aktivität der Haarmatrixzellen auswirken. An diesem Punkt schlägt die biokyb-Forschung die Brücke zwischen Stress, Haarausfall und Trichodynie: „Bei Patienten mit Trichodynie ist in der Regel auch die Durchblutung der Kopfhaut durch die ständige Verspannung der Kopfmuskulatur vermindert, weil die Muskulatur die Schädeldecke gegen die versorgenden Blutgefäße drückt. Der Blutstrom bei Patienten mit Spannungshaarausfall ist in der Kopfhaut um bis zu 60 Prozent reduziert“, erklärt Maurer. Dadurch sinkt auch der Sauerstoffpartialdruck in den betroffenen Bereichen um bis zu 40 Prozent.

Entspannung

Fachärztin Dr. Andrea Fornoff: "Entscheidend ist, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen." © BIOPRO/Bächtle

Die biokyb life science AG hat in enger Kooperation mit Fachärzten nach Wegen gesucht, die Verspannungen in der Kopfhautmuskulatur zu mindern und die Alopecia contentionalis zu behandeln. Das größte Potenzial für eine dauerhafte Muskelentspannung wurde dem Botulinumtoxin A eingeräumt, einem bakteriellen Gift, das vom Bakterium Clostridium botulinum produziert wird. In der Schönheits-Chirurgie ist es seit nunmehr drei Jahrzehnten ein bekanntes und sehr erfolgreich eingesetztes Mittel. Es hemmt die Reizübertragung vom Nerv zum Muskel und kann, lokal appliziert, gezielt Muskeln entspannen.

Bei einer Alopecia contentionalis tritt nach einer Behandlung mit Botulinumtoxin A binnen vier bis 14 Tagen eine spürbare Entspannung der Kopfhautmuskulatur und der Kopfhaut ein. Nach etwa vier Wochen, so die Untersuchungsergebnisse von biokyb, wirkt sich die Druckentlastung der Blutgefäße positiv auf die Haarbildung aus. „Etwa drei Anwendungen, im Abstand von etwa je einem halben Jahr sind erforderlich, um eine nachhaltige Entspannung der Kopfhaut zu erzielen“, betont Maurer.

Der positive Effekt auf das Haarwachstum stellt sich fast ebenso schnell ein wie die Entspannung der Kopfhaut. Dr. Andrea Fornoff, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie nennt Zahlen aus der Praxis: „Bereits nach zirka sechs Wochen verlangsamt sich der Haarausfall. Über 95 Prozent der Patienten berichten von einem deutlichen Nachlassen der Verspannungen an der Kopfhaut, bei rund 70 Prozent kommt es zum Verlangsamen oder Stoppen des Haarausfalls, bei etwa 50 Prozent verbessert sich der Haarwuchs.“

Wesentliche Aufgabe: Typisierung

Ein direkter Zusammenhang zwischen der Durchblutung der Kopfhaut und dem Haarausfall ist bei vielen Patienten offensichtlich vorhanden. Jedoch spielen auch die Testosteron- und DHT-Spiegel im Blut eine Rolle, ebenso die vererbbare Sensibilität der Haarfollikel gegenüber DHT. Daher ist die AC-Therapie von biokyb nicht pauschal anzuwenden. Vielmehr gilt es für die Patienten, eine Untersuchung und Indikationsstellung beim Facharzt durchführen zu lassen. Erster Schritt bei der Analyse von Spannungshaarausfall ist laut biokyb die Messung der Muskelspannung im oberen Schädelbereich. Der Normalwert liegt bei bis zu sechs Mikrovolt, bei Patienten mit Alopecia contentionalis werden für gewöhnlich zirka 60 Mikrovolt gemessen, Spitzenwerte erreichen bis zu 300 Mikrovolt.

Diese Differenzen zeigen, dass die Muskelspannung am Kopf ein Maß dafür sein kann, die Ursache von Haarausfall zu charakterisieren. Maurer und sein Team wollen Spannungshaarausfall künftig noch besser typisieren können. „Unsere Ziele sind, Patienten, die für die AC-Therapie in Frage kommen, noch besser zu charakterisieren, und die AC-Therapie gegen Haarausfall in Deutschland noch weiter bekannt zu machen“, verweist Maurer auf die nächsten Aufgaben. Aktuell bieten bundesweit etwa 20 Fachärzte und Kliniken das biokyb-Verfahren an, im Lauf des Jahres sollen weitere 20 hinzukommen.

Etwa 600 Patienten wurden in Deutschland schon behandelt. Trotz der guten Erfolge dämpft Fachärztin Dr. Fornhoff die zum Teil häufig überzogenen Erwartungen vieler Menschen: „Entscheidend ist, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Wenn seit 30 Jahren eine Vollglatze besteht, sind die Haarfollikel abgestorben und nicht mehr reaktivierbar.“ Armin Maurer war noch rechtzeitig dran. Ihm blieb der dauerhafte Haarverlust dank seiner AC-Therapie erspart.

Glossar

  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Toxizität ist ein anderes Wort für Giftigkeit.
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