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Erster Schülerkongress in Tübingen weckt Interesse an Forschung

Rund hundert Schüler und Schülerinnen erhielten am 8. November 2011 einen tiefen Einblick in den Alltag mikrobiologischer Forschung an der Universität Tübingen. Der Schülerkongress „Mikro + Bio ? = Logisch!“ wurde vom Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin der Universität organisiert und fand zum ersten Mal statt. Während vormittags zahlreiche Wissenschaftler der Universität Tübingen Vorträge über ihre jeweiligen Forschungsgebiete hielten, konnten die Schüler und Schülerinnen nachmittags in diversen Workshops selbst aktiv werden.

Zur Veranstaltung waren Kursstufenschüler aus Reutlingen, Tübingen, Nagold und Rottenburg eingeladen, wobei aufgrund beschränkter Laborplätze pro Schule nur fünf Schüler oder Schülerinnen teilnehmen konnten. Der Schülerkongress wurde vom BMBF-geförderten Verbundprojekt GenBioCom und dem SFB 766 organisiert. „Durch den Einblick in den Forscheralltag soll die Begeisterung und die Neugier der Schüler und Schülerinnen für die Welt der Forschung geweckt werden,“ stellte Dr. Marlene Röttgen die Beweggründe der Initiatoren vor.

Prof. Dr. Stephanie Grond bei ihrem Vortrag. © Dr. Tilmann Weber, Uni Tübingen

Viele Fragen rund um die mikrobiologische Forschung beantworteten die diversen Wissenschaftler in Kurzvorträgen über ihre aktuelle Arbeit an der Universität Tübingen. So kam beispielsweise Prof. Dr. Gerd Döring über seinen Berufswunsch „dem Menschen zu helfen“ letztendlich zur Mukoviszidose-Forschung. An Mukoviszidose erkrankte Patienten haben häufig mit Infektionen ihrer Lungenschleimhäute mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa zu kämpfen. Bei der Suche nach möglichen Infektionsquellen wurden schon früh die Siphons von Waschbecken in den Krankenzimmern der Kliniken entdeckt. Aus Kostengründen wurden aber erst in letzter Zeit tatsächlich Maßnahmen ergriffen, diese Infektionsquelle zu beseitigen. „Ein später Erfolg zwar, aber immerhin“, so Professor Döring. Prof. Dr. Andreas Peschel, der den Menschen als Ökosystem für Mikroorganismen vorstellte, sprach von seiner Begeisterung für die spannende Forschungsarbeit. „In unserem Beruf wird man zwar nicht sehr reich, dazu muss man eher BWL oder Jura studieren, aber man hat den Vorteil, dass man was ganz Spannendes macht.“

Was tun Mikrobenjäger heute?

Prof. Dr. Stephanie Grond erzählte nicht nur über ihre Arbeit rund um die Suche nach neuen Wirkstoffen aus der Natur. Sie stellte auch ihren eigenen beruflichen Werdegang vor, der über Umwege zur Professur führte. So wollte sie eigentlich immer Lehrerin für Biologie und Chemie werden und ließ sich erst nach Referendariat und Auslandsaufenthalt von ihren Professoren zum Bleiben an der Universität überreden. Zahlreiche Anekdoten aus dem Forscheralltag machten ihren Vortrag überaus lebendig. So erzählte sie beispielsweise von einem neu entdeckten Naturstoff, der einen schönen Glanzkäfereffekt hervorrief. Da kam der Gedanke auf, diesen eventuell für Glanzlacke bei Autos einzusetzen und die neue Verbindung wurde deshalb der BASF zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt. Diese meldeten sich bei Professor Grond zurück und meinten, hier müsse wohl ein Irrtum vorliegen und es sei ihnen ein Pestizid geschickt worden, denn alle Tierchen seien von den Gewächshauswänden gefallen. Erst dann wusste die Forschergruppe um Professor Grond, wie giftig ihre neu entdeckte Substanz war.

Die Arbeitsgruppe des Geomikrobiologen Prof. Dr. Andreas Kappler dagegen beschäftigt sich mit der Frage, wie mit Hilfe von Mikroorganismen das Problem der Arsenverunreinigung von Grund- und Trinkwasser in verschiedenen Regionen der Welt gelöst werden kann. Aus Geldmangel müssen Millionen Menschen solch ein giftiges Wasser zur Bewässerung ihrer Äcker, aber auch zum Kochen verwenden. Auch hier wurde die Motivation der Forscher deutlich, den Menschen mit ihrer Arbeit zu helfen, auch wenn die Forschung teilweise noch sehr auf der Grundlagenseite angesiedelt ist.

Veranstaltung durchweg positiv bewertet

Schüler bei der Arbeit in den Workshops. © Dr. Tilmann Weber, Uni Tübingen

Abgerundet wurde dieser profunde Einblick in den Forscheralltag durch die Mitarbeit in den diversen Workshops am Nachmittag. Hier konnten sich die Schüler und Schülerinnen an Fragestellungen rund um die Mikrobiologie, Organische Chemie und Geomikrobiologie praktisch erproben. Auch die mitangereisten Lehrer waren überzeugt, dass sich die Veranstaltung gelohnt hat. So wie Peter Braig, Lehrer für Biologie und Geographie am Wildermuth-Gymnasium in Tübingen. „Für meine Schüler bringt die Veranstaltung auf jeden Fall etwas. Auch wenn von den speziellen Vortragsinhalten die Details wieder bald vergessen sein werden, so werden sie den Forscheralltag und die Biographien der Wissenschaftler weiter in Erinnerung behalten.“ Die Motivation für Prof. Dr. Grond sich bei dieser Veranstaltung zu engagieren lag auf der Hand. „Von meinem persönlichen Werdegang her interessiert mich das Thema Schule und Universität sehr. Ich habe schon an der Universität Göttingen bei der dortigen Kinder-Uni mitgemacht und auch hier biete ich in meiner eigenen Arbeitsgruppe einmal im Jahr für einen Kindergarten und eine zweite Klasse einer Grundschule einen Tag im Labor an. Dies macht mir sehr viel Spaß.“

Die Veranstaltung soll im zweijährigen Turnus fortgeführt werden, so dass jeweils neue Kursstufenteilnehmer die Möglichkeit erhalten, einmal selbst die Welt der Forschung hautnah zu erleben.

Glossar

  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Als Ökosystem wird das Zusammenleben zwischen den Lebewesen in ihrer Umwelt bezeichnet.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
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