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Investoren gesucht: Crowdfunding soll den E-Rollator mobil machen

Wenn E-Bikes die Fortbewegung einfacher machen, warum kann man dieses Konzept nicht auch auf Rollatoren übertragen, dachten sich drei junge Firmengründer aus Stuttgart und entwickelten den ello – einen E-Rollator, mit dem Steigungen oder Bordsteinkanten mühelos ohne großen Kraftaufwand überwunden werden können. Nachdem eine erste Kleinserie schon komplett ausverkauft ist, sollen nun mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform „Seedmatch“ Investoren für die erste Großserie des elektrischen Rollators gewonnen werden, die ab April anlaufen soll.

Benjamin Rudolph, Max Keßler und Matthias Geertsema wollen ab sofort möglichst viele Anleger dazu bewegen, Geld in ein Produkt zu investieren, mit dem man nach ihren eigenen Angaben lieber nicht gesehen werden möchte, und das man sich niemals freiwillig kaufen würde, weil es wie nahezu kein anderes Produkt für das Alter steht: einen Rollator. Aber keinen herkömmlichen Rollator, sondern den ello – einen elektrischen Rollator, den die drei Firmengründer auf Basis eines gängigen Geräts in den letzten Jahren entwickelt haben. Dieser macht es dem Besitzer möglich, Bergaufschieben, Bordsteinkanten, Treppenstufen und Buseinstiege oder den Transport von Einkäufen wesentlich einfacher als bisher bewältigen zu können.

Ein Rollator, der bergauf geht, sollte es werden

Benjamin Rudolph, Max Keßler und Matthias Geertsema haben gemeinsam das Start-up-Unternehmen eMovements gegründet. Nun haben sie mit dem ello ihr erstes Produkt auf den Markt gebracht. © eMovements

Auf die Idee, einen solchen Rollator zu bauen, kam Ingenieur Keßler vor einigen Jahren im Gespräch mit einem Freund, dessen Großmutter auf der Schwäbischen Alb aufgrund der vielen Steigungen zunehmend Probleme hatte, die täglichen Besorgungen zu machen – ganz zu schweigen von Spaziergängen oder sozialen Begegnungen. Was bei Fahrrädern funktioniert, die als E-Bikes Steigungen ohne großen Kraftaufwand überwinden, dachte er, müsste doch auch mit Rollatoren zu machen sein. Er begann, in einer Diplomarbeit an der Universität Stuttgart einen E-Rollator zu bauen.

Nur wenig später kamen dann Betriebswirt (MBA) Rudolph und der Ingenieur Geertsema dazu. 2014 gründeten die damaligen Studenten das Start-up-Unternehmen eMovements und entwickelten den elektrischen Rollator ello. „In den letzten Jahren haben wir viele Prototypen gebaut“, berichtet Rudolph. „Darunter mindestens fünf vollwertige, bis wir Ende 2017 endlich ein marktreifes Modell hatten, das wir in einer Kleinserie gebaut und auf den Markt gebracht haben, um zu sehen, wie das Produkt ankommt.“ Und es kommt mehr als gut an: Die komplette Vorserie ist bereits ausverkauft – und das trotz des stolzen Preises von 2.890,- Euro. „Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen erhalten“, sagt Rudolph. „Aber wir haben das Produkt in den letzten Jahren schon extrem überarbeitet. Am Anfang hatten wir es beispielsweise noch mit Tablet und Joystick ausgestattet – das war jedoch mehr als kompliziert und nicht praktikabel. Jetzt ist aber unserer Meinung nach der Kundennutzen sehr groß, und wir sehen momentan nichts, was wir noch optimieren könnten.“ Für ihr Unternehmen und den ello haben die drei Firmengründer schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten, beispielsweise den Arrow Innovators Award 2017.

Der E-Rollator gibt Sicherheit

Der ello ermöglicht dem Nutzer wieder einen ganz anderen Bewegungsradius – er kann viele Hindernisse ohne großen Kraftaufwand meistern. © eMovements

Für den ello mussten die jungen Ingenieure wie sie sagen „den Rollator nicht neu erfinden“, sondern haben lediglich einen herkömmlichen Rollator mit elektrischen Komponenten, der entsprechenden Sensorik und leichtläufigen Antrieben versehen. Dies erlaubt es dem Benutzer, den Rollator sehr einfach und kraftsparend bergauf und bergab zu schieben: „Der ello fährt unabhängig vom Gelände immer in Gehgeschwindigkeit und lässt sich in neun Geschwindigkeitsstufen regulieren“, erklärt Rudolph. „Das muss man aber ganz bewusst machen, er bleibt sofort stehen, wenn der Nutzer den Finger vom Daumensensor nimmt, und blockiert gleich, wenn er beginnt wegzurollen – etwa, wenn ein Sturz droht. Und bergab drosselt eine automatische Bremse das Tempo, sodass der Nutzer nicht selbst bremsen muss und gibt so ein sicheres Gefühl.“ Kleine Hindernisse wie Bordsteinkanten, Treppen oder die Stufen im Bus können mit dem elektrischen Antrieb und einer besonderen Kippfunktion deutlich einfacher überwunden werden.

Der ello ist einfach und intuitiv zu bedienen und lässt sich ohne Akku in ausgeschaltetem Zustand wie ein herkömmlicher Rollator verwenden. © eMovements

Eine weitere sinnvolle Funktion des E-Rollators ist die Beleuchtung, durch die der Nutzer in der Dunkelheit von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen und erkannt werden kann. Zudem ist noch ein SOS-System integriert, mit dem im Notfall Angehörige oder ein Pflegedienst alarmiert werden können. Überhaupt wurde darauf geachtet, dass der ello mit seinen sehr großen Tasten einfach und intuitiv zu bedienen ist.

Ein Konkurrenzprodukt gäbe es noch nicht wirklich, so eMovements-Geschäftsführer Rudolph: „Es gibt zwar schon einen elektrischen Rollator auf dem Markt. Dieser unterscheidet sich aber in einigen wichtigen Punkten von ello, welcher auf einem bewährten Grundmodell aufbaut. Das andere Modell ist im Vergleich zu ello auch schwerer und weist ein völlig anderes Design auf. Schade, denn wir hätten uns eigentlich gefreut, wenn man uns schon die Arbeit abgenommen hätte, den E-Rollator bekannt zu machen“, sagt Rudolph.

Crowdfunding soll Vermarktung möglich machen

Im April soll nun die Herstellung der Großserie – 50 Stück pro Monat – starten. Über 30 ellos sind schon vorbestellt. „Das Material für die ersten zwei Monate ist bereits finanziert“, sagt Rudolph. „Aber leider die Vermarktung noch nicht, und die Endkunden können wir nur mit dem entsprechenden Marketing erreichen.“ Deshalb sind die Gründer momentan dabei, Geld von Investoren einzuwerben. Am 22.02.2018 wurde hierfür eine Crowdfunding-Kampagne auf „Seedmatch“ gestartet mit dem Ziel, 500.000 Euro Kapital für das Start-up-Unternehmen einzusammeln. Die bisherige Resonanz ist gut, die Fundingschwelle in Höhe von 100.000 Euro wurde bereits am 23.02.2018 erreicht. „Und die 200.000 Euro hatten wir dann schon innerhalb der ersten fünf Tage geknackt“, berichtet der Geschäftsführer begeistert. „Wir sind jetzt recht zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen.“ „Seedmatch“ gilt als Marktführer unter den Crowdfunding-Plattformen und soll es Kleinanlegern ermöglichen, in vielversprechende, neue Unternehmen mit Beträgen zwischen 250 Euro bis maximal 10.000 Euro investieren zu können.

Der ello soll das Tempo® unter den E-Rollatoren werden

Ziel der Gründer ist es, mit dem Unternehmen bald schwarze Zahlen schreiben zu können: „Wir wollen natürlich so schnell als möglich auf eigenen Beinen stehen“, sagt Rudolph. „Das ist unser Hauptziel. Und bekannt soll der ello werden – wir wollen ihn möglichst zum Tempo® unter den elektrischen Rollatoren machen.“ Einen potenziellen Bedarf von 5.000 ellos pro Jahr hat man sich bei eMovements ausgerechnet. „Aber wir wollen zunächst einmal langsam mit 600 E-Rollatoren pro Jahr starten“, so der Geschäftsführer. „Wir machen ja die komplette Montage selbst, und das Maximale, was wir momentan in unseren Räumlichkeiten bewältigen können, ohne umziehen zu müssen, sind ca. 2.000 Stück pro Jahr.“

15 Mitarbeiter hat das Start-up im Moment schon. „Bis Sommer reicht das erst einmal“, meint Rudolph. „Aber je nachdem, wie es läuft, brauchen wir dann noch mehr Leute für die Montage.“ Geeignete neue Mitarbeiter zu finden, sollte kein Problem sein, denn die Erfinder haben einen guten Draht zur Universität Stuttgart, wo der ello einst das Laufen gelernt hat.

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