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Molekülfischer und virale Postboten auf BioRegio-Meeting

Die Anfänge ähneln einander: Forscher beantragen für ihr Vorhaben Geld aus öffentlichen Fördertöpfen, entwickeln ihre Idee weiter und versuchen daraus ein Geschäft zu machen. Auf Einladung der BioRegion Ulm stellten ein Förderer, ein angehender Unternehmensgründer und Jung-Unternehmer vor, wie Forschung den Sprung auf den Markt schaffen kann.

Vorstandschef der BioRegionUlm, Prof. Uwe Bücheler © Pytlik

Das 14. BioRegio-Meeting fand jüngst im Forum der Sparkasse in der Ulmer Neuen Mitte statt, nicht ohne Grund, denn das Kreditinstitut ist seit diesem Jahr Mitglied des BioRegion Ulm e.V. Uwe Bücheler, Vorsitzender der BioRegion Ulm, informierte die 60 Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung über Aktivitäten des Clusters „BioPharMaXX“. Der Ulmer Antrag war im Vorjahr einer der zwölf Sieger des landesweiten Wettbewerbs und wird seit September 2009 mit europäischen und Landes-Mitteln beim „Netzwerken“ unterstützt.

Mittlerweile, so Bücheler, im Brotberuf für das biopharmazeutische Geschäft bei Boehringer Ingelheim am Standort Biberach verantwortlich, sei es gelungen einige Plattformen zu etablieren, sowohl für die akademische Welt wie für kleine, mittlere Unternehmen und große Unternehmen. Ein Beirat, so Bücheler weiter, gibt die Richtung der Clusterinitiative vor. Der Lounge, wie der Beirat auch genannt wird, gehören Rentschler Biotechnologie, Vetter Pharma, Boehringer Ingelheim, Uniklinikum und Universität Ulm und die Industrie- und Handelskammer Ulm an. Auf gute Resonanz gestoßen sei die Netzwerkreihe, die mehrere Veranstaltungen zur „Aseptik und Hygiene in Life Science“ bei verschiedenen Firmen vorsieht. In sogenannten Roundtable-Gesprächen werde beispielsweise auch eruiert, inwieweit sich die Förderprogramme für KMU aus der Region eignen.

Wie fördert das BMBF Biotech-Projekte?

Dr. Burkhard Neuß vom BMBF-Projektträger in Jülich © Pytlik

Mit 30 bis 35 Mio. Euro im Jahr unterstützt das Berliner Forschungsministerium (BMBF) anwendungsnahe und risikoreiche Entwicklungs- und Forschungsvorhaben kleiner und mittlerer Biotech-Unternehmen. Acht Förderprogramme laufen unter dem Dach des Bundesforschungsministeriums. Burkhard Neuß, beim BMBF-Projektträger im Forschungszentrum Jülich für die Biotech-Förderung zuständig, erläuterte und erklärte, wie und wann ein Antrag Aussicht auf Erfolg haben könnte.

Grundsätzlich, schickte Neuß voraus, seien die Kriterien für die Förderwürdigkeit eines Projektes vergleichbar mit denjenigen einer Firma. Mit Fördersummen von 100.000 bis etwa zwei Mio. Euro maximal fördert die Schavan-Behörde über das Programm „KMU-innovativ“ Projekte, die das Potenzial der branchenübergreifenden Querschnittstechnologie stärken. Auch Kooperationen und Allianzen von Biotechnologie-Firmen will das Programm fördern. Mit den Mitteln soll jungen Firmen geholfen werden, ihre Technologiebasis zu verbreitern, den Technologietransfer aus der Forschung zu beschleunigen.

Varionostic, Ulmer Spezialist für DNA-Methylierung

Uwe Gerstenmaier, Geschäftsführer der Varionostic GmbH. © Pytlik

Beinahe fünf Jahre ist es her, dass der Ulmer Chemiker Uwe Gerstenmaier die Ulmer Universität am Oberen Eselsberg verließ und zum Unternehmer wurde. Sein im Ulmer Westen ansässiges Unternehmen Varionostic GmbH zählt fünf Mitarbeiter und fischt für Kunden aus der onkologischen Forschung und Industrie aus dem menschlichen Erbgut spezielle Molekülgruppen, die Gene „ausschalten“ und mit Erkrankungen wie Krebs in Verbindung stehen.

Der Ulmer Dienstleister arbeitet vor allem mit den Instituten für Pathologie und Rechtsmedizin des Ulmer Uniklinikums zusammen. Varionostic ist auf dem Feld der heute hoch gehandelten Epigenetik aktiv, erforscht und entwickelt Tumormarker und Nachweissysteme für DNA-Methylierungen. Das Portfolio umfasst maßgeschneiderte wie vorentwickelte Assays sowie fertige Nachweissysteme. Gerstenmaier berichtete über seine Erfahrungen mit Förderprogrammen aus dem Bundeswirtschaftsministerium wie Pro Inno („geringere Förderquote, aber weniger Verwaltungsaufwand“) und über neue Vorhaben wie bioaktive pflanzliche Lebensmittel.

Genetische Post richtig zustellen

Die ersten Schritte zur Unternehmensgründung hat der Ulmer Biochemiker Florian Kreppel bereits getan. Sein Verfahren hat er sich für die USA jüngst schützen lassen, der Patentschutz für EU und Deutschland folgt. 2012 will er mit Mitarbeitern der Sektion Gentherapie seiner Alma mater den Rücken kehren und eine Kapitalgesellschaft gründen. Bislang, zeigt sich der angehende Gründer zufrieden, läuft alles nach Plan und das Vorhaben liegt im zeitlichen Rahmen.

Kreppels Team gehörte zu den sechs Auserwählten der dritten Antragsrunde von GO-Bio. Mit diesem Programm fördert das BMBF gründungsbereite Forschergruppen in den Lebenswissenschaften, um technisch anspruchsvolle Ideen zu einer tragfähigen Unternehmensgründung reifen zu lassen. Das siegreiche Projekt trägt das Akronym „Denovo“ und steht für „Development of a novel genetic vaccine platform“. Die Plattformtechnologie verbessert, so Kreppel, die bei genetischen Impfungen benötigten Transportvehikel (auch „Genfähren“ oder Vektoren) für das Erreger-Erbgut.

Die kombinierte genetisch-chemische Modifikation von Adenoviruskapsiden erlaubt erhebliche Veränderungen des In-vivo-Tropismus der Vektoren in Abhängigkeit von der Substanz, die chemisch gekoppelt wird. Hier ist die Steigerung der Transduktionseffizienz (via GFP) mit verschiedenen Substanzen (PEG: Polyethylenglycol, Dextran: ein Kohlenhydrat, BSA: bovines Serum Albumin) nach intravenöser Injektion gezeigt. Mit derselben Technologie lässt sich der Lebertropismus auch ausschalten (s. Prill et. al. Mol Ther 2010). © Kreppel, Uni Ulm

Bislang scheiterten genetische Impfstoffe für HIV, Malaria oder Hepatitis C daran, dass sie ihr Ziel, bestimmte Immunzellen, verfehlten. Kreppel hat einen viralen Transporter chemisch-genetisch so verändert, dass dieser seine genetische Post (Erbgutschnipsel des Erregers) zielgenau zustellt. Gängige Vektoren funktionierten, so Kreppel, sehr unspezifisch, ihre Zielgenauigkeit sei mit der einer Flaschenpost zu vergleichen.
Das Zustellungsproblem verspricht Kreppels Technologie zu lösen: Sie bringt die von Genfähren verpackten genetischen Schnipsel an und in die richtigen Zellen, wo sie die Erregerbestandteile (de novo) herstellen und die Immunantwort auslösen.
Diese Zellen sind professionelle antigenpräsentierende oder dendritische Zellen, auch Makrophagen, nicht aber Muskel- oder Gefäßzellen. Kreppels Team verwendet unterschiedliche Transporter, weshalb der Begriff Plattformtechnologie angebracht ist. Im Fall der genetischen Impfstoffe handelt es sich um entschärfte Adenoviren. Einsetzbar seien aber auch synthetische Polymere wie Polykationen.

Läuft alles nach Plan und wird 2012 ausgegründet, soll das Geschäft auf zwei Säulen ruhen. Zum einen sollen Einnahmen aus der Vergabe von Lizenzen für die Technologie-Plattform fließen. Langfristig will Kreppel auch die präklinische Entwicklung eigener Produktkandidaten in Angriff nehmen.

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