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PACT Pharmaceuticals – Signalwege und RNA-Interferenz

PACT Pharmaceuticals, das Gründungskonzept des Teams von Professor Dr. Michael Boutros am Deutschen Krebsforschungszentrum, wurde in der Zwischenprämierung des bundesweiten Businessplan-Wettbewerbs Science4Life im März 2010 als eines der zehn besten unter etwa 200 eingereichten Geschäftskonzepten ausgezeichnet. PACT entwickelt neuartige Krebs-Therapeutika, die an den bei der Tumorentstehung beteiligten Signalwegen angreifen.

Prof. Dr. Michael Boutros © ZBIO

PACT Pharmaceuticals ist ein geplanter Spin-Out der Abteilung „Signalwege und Funktionelle Genomik" des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, das neuartige Wirkstoffe für eine effizientere und schonendere Krebstherapie entwickelt. Diese Wirkstoffe greifen an den Signalnetzwerken an, die während der Tumorentstehung und in Tumorstammzellen aktiv sind. Durch den Einsatz einer innovativen Technologieplattform, basierend auf kombinierten RNAi- und Wirkstoffscreenings, werden neue, nebenwirkungsarme Therapeutika identifiziert und medizinalchemisch optimiert.

Das Gründungsteam besteht neben Prof. Dr. Michael Boutros, der mit seinem Konzept schon 2006 bei der ersten Ausschreibung des GO-Bio-Wettbewerbs des Bundesforschungsministeriums erfolgreich gewesen war, aus seiner Mitarbeiterin Dr. Sandra Steinbrink und Dr. Friedrich Georg Hansske.

Die promovierte Biologin Sandra Steinbrink hat die PACT Kerntechnologien in der Abteilung von Prof. Boutros mitentwickelt und transferiert ihr Wissen als Projektleiterin in die PACT Pharmaceuticals. Der Medizinalchemiker Hansske bringt einschlägige Industrie-Erfahrungen ein, die sich auf seine früheren Tätigkeiten bei Boehringer Mannheim sowie als Firmengründer und CEO der BioLeads GmbH und der nachfolgenden Firmen gründen.

Ein interdisziplinäres Team aus Chemikern, Ingenieuren und Technikern setzt die Identifizierung und Entwicklung der Wirkstoffe um. Die Produkte werden zunächst präklinisch validierte Substanzen sein, die auslizenziert oder in Kooperation mit Partnern weiterentwickelt werden.

Signalwege und Funktionelle Genomik

Prof. Boutros leitet die Abteilung Signalwege und Funktionelle Genomik am DKFZ und ist zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Zell- und Molekularbiologie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg (ZBIO). Der 2008 gegründete Lehrstuhl ist eine Kooperationseinheit mit dem DKFZ und befindet sich am interdisziplinären Centrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim (CBTM).

Systematische RNA Interferenz © Boutros, DKFZ

Wissenschaftliche Grundlagen des Geschäftskonzeptes der PACT Pharmaceuticals sind die Forschungen von Boutros und seinen Mitarbeitern über zelluläre Signaltransduktion und ihre Rolle bei der Entwicklung und Differenzierung von Organismen und durch Fehlsteuerung bei der Entstehung von Krankheiten. Die Wissenschaftler entwickeln und verwenden Hochdurchsatz-Screening-Verfahren, um das menschliche Genom und die Genome von Modellorganismen systematisch mit genomischen, zellbiologischen und genetischen Methoden nach neuen Funktionen durchzumustern. Ein Schwerpunkt liegt auf automatisierten RNA-Interferenz-Methoden (RNAi-Screens), die es ermöglichen, Gene auszuschalten und daraus auf ihre normalen und krankheitsspezifischen Funktionen zu schließen. Ziel ist, neue Targets für krebsrelevante Prozesse zu identifizieren. 

Ein Beispiel für die Forschungsarbeiten in der Abteilung Signalwege und Funktionelle Genomik ist das EU-geförderte Kollaborationsprojekt CancerPathways (www.cancerpathways.eu), das zusammen mit sieben weiteren Partnern in Europa durchgeführt wird. Ziel des CancerPathways Konsortium ist, neue Angriffsziele und Wirkstoffe für die therapeutische Anwendung zu identifizieren. 

Ein Beispiel: Der Wnt-Signalweg

Zelluläre Signalübertragung ist auf vielen Gebieten von entscheidender Bedeutung, so zum Beispiel bei der Regulation von Stammzellen, bei Defekten des angeborenen Immunsystems und bei der Entstehung von Krebs.

Krebs beim Menschen wird oft durch Mutationen in Signalfaktoren ausgelöst. So ist beim menschlichen Dickdarmkrebs sehr häufig das APC-Gen mutiert, das für die Regulation des Wnt-Signalweges von großer Bedeutung ist. Das von APC („Adenomatous polyposis coli“), einem Tumorsuppressor-Gen, kodierte Protein spielt bei der Degradation von beta-Catenin eine entscheidende Rolle. Mutationen, die den APC-Tumorsuppressor inaktivieren oder beta-Catenin aktivieren, findet man in etwa 90 Prozent aller Kolorektalkarzinome. Aber auch bei vielen anderen Krebsformen wie zum Beispiel Leberkrebs gibt es Wnt-aktivierende Mutationen.

Wie der Wnt-Signalweg bei Entwicklungsprozessen und der Krankheitsentstehung reguliert wird, ist ein Hauptthema des Teams von Michael Boutros. Ein Schwerpunkt liegt auf der Identifizierung neuartiger Komponenten und Untersuchungen spezifischer Prozesse für die Wnt-Liganden. Durch neue Verfahren im Bereich Hochdurchsatz RNAi-Screening wurden menschliche Krebszelllinien durchmustert, um neue Targets und Wirkstoffe zu identifizieren. Diese Arbeiten an dem Wnt und anderen Signalwegen bilden die wissenschaftliche Grundlage von PACT.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/pact-pharmaceuticals-signalwege-und-rna-interferenz/