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SYGNIS Pharma - die "Neue": Entwicklung und Vermarktung von Molekulardiagnostika

Das börsennotierte Heidelberger Biotechnologie-Unternehmen SYGNIS Pharma AG hat seine bisherigen Tätigkeiten auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung von Therapeutika gegen Erkrankungen des Nervensystems beendet. Es fokussiert sich fortan auf die Entwicklung und Vermarktung neuartiger molekularbiologischer Technologien. Zum Beispiel auf den Gebieten der DNA-Amplifikation und -Sequenzierung und des Screenings von Wirkstoffkandidaten.

Anfang Dezember 2012 gab die SYGNIS Pharma AG in Heidelberg bekannt, dass die Übernahme von X-Pol Biotech, einem Tochterunternehmen der spanischen Biotech-Gruppe GENETRIX, abgeschlossen sei. Damit ist die 2008 gegründete, in Madrid ansässige X-Pol, die sich auf die Entwicklung von Enzymen und Technologien für den Markt der DNA-Amplifikation und -Sequenzierung konzentriert hatte, eine 100%ige Tochtergesellschaft der SYGNIS geworden. Mit diesem Erwerb ist auch eine tiefgreifende Neuausrichtung der SYGNIS verbunden. Hatte bislang die Erforschung und Entwicklung innovativer Therapien zur Behandlung von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems im Zentrum der Geschäftstätigkeit des im Prime Standard der Deutschen Börse gelisteten Heidelberger Unternehmens gestanden, so liegt der zukünftige Schwerpunkt im Bereich der Molekulardiagnostik.

SYGNIS hatte sich in der Vergangenheit auf die Entwicklung seines Wirkstoffkandidaten AX200 zur Behandlung des akuten Schlaganfalls konzentriert. Die durch vielversprechende Ergebnisse der präklinischen Studien und der klinischen AXIS-IIa-Studie genährten Hoffnungen und Erwartungen wurden aber bitter enttäuscht, als im Dezember 2011 das Ergebnis der AXIS-2-Studie bekanntgegeben wurde. Danach zeigte die Gabe von AX200 keine Verbesserung der Schlaganfall-Symptome im Vergleich zu den mit Placebo behandelten Patienten. Damit war eine Vermarktung von AX200 auf dem Gebiet des akuten Schlaganfalls nicht mehr möglich. Der Vorstand beschloss daher, die weitere Entwicklung des Wirkstoffs einzustellen und neue Inhalte und Projekte durch gezielte M&A (Mergers and Acquisitions)-Maßnahmen in die Gesellschaft zu bringen.

Isotherme Amplifikation von Nukleinsäuren

Pilar de la Huerta, Vorstandsvorsitzende der SYGNIS Pharma AG © SYGNIS

Die Neuausrichtung erfolgt durch den Zusammenschluss mit dem molekulardiagnostisch tätigen Unternehmen X-Pol Biotech, das über eine neue hochinnovative Technologie für die DNA-Amplifikation - die Vervielfältigung von Erbinformation in vitro - verfügt. Im Juli 2012 hatte X-Pol für sein am weitesten fortgeschrittenes kommerzielles Produkt „QualiPhi®“ eine exklusive, global wirksame Lizenzvereinbarung mit Qiagen geschlossen, dem großen internationalen Anbieter von molekularbiologischen Technologien und Reagenzien. QualiPhi® ist eine aus dem Bakteriophagen phi29 entwickelte chimäre DNA-Polymerase, die eine tausend- bis zehntausendfach höhere Effizienz zur Amplifikation von DNA besitzt als bisher auf dem Markt befindliche Produkte.

Es ist damit zu rechnen, dass der Bedarf an DNA-Sequenzierungen weiter stark wachsen wird – nicht zuletzt wegen des steigenden Bedarfs durch die personalisierte Medizin. Für die nächsten Jahre werden auf dem Markt an „isothermen Polymerasen“ für die Amplifikation ganzer Genome Wachstumsraten von 25 Prozent erwartet; in aktuellen Schätzungen wurde allein für ihren globalen Marktanteil ein Wert von bis zu 70 Millionen Euro angegeben (bei einem Marktvolumen für DNA-Amplifikation insgesamt von etwa 250 Millionen Euro). Mit der Übernahme von X-Pol hat SYGNIS damit eine marktreife Technologie erworben, mit der durch die Auslizenzierung an ein global agierendes, renommiertes Unternehmen bereits kurzfristig erste Umsatzerlöse erzielt werden können.

Grundlegende Umstrukturierungen

Die Neuausrichtung der SYGNIS Pharma AG bedingte eine tiefgreifende Umstrukturierung des Heidelberger Unternehmens. Durch die Einbringung sämtlicher Gesellschaftsanteile der X-Pol wurde das Grundkapital der SYGNIS um mehr als das Vierfache erhöht, wodurch die bisherigen Gesellschafter der X-Pol 77,5 Prozent der SYGNIS-Aktien erhielten. Das Unternehmens wird jetzt von Pilar de la Huerta, bisherige CEO von GENETRIX, als Vorstandsvorsitzender geleitet; ihr zur Seite stehen Peter Willinger als alter und neuer Finanzvorstand von SYGNIS sowie Dr. Armin Schneider als Senior Vice President Research. Den Aufsichtsratsvorsitz hat Dr. Cristina Garmendia Mendizábal von Prof. Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach übernommen, der als Stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat verbleibt.

SYGNIS hatte in den vergangenen Jahren die Erforschung des KIBRA-Stoffwechselweges vorangetrieben, um für Demenzkrankheiten neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. KIBRA („kidney and brain expressed protein“) ist ein Protein, das mit der Lernfähigkeit und Gedächtnisleistung assoziiert ist. Mit Hilfe eines proprietären Testverfahrens von SYGNIS wurden aus umfangreichen Molekülbibliotheken etwa hundert KIBRA-steigernde Substanzen identifiziert und charakterisiert, die attraktive Kandidaten für die Medikamentenentwicklung zur Behandlung von Demenzkrankheiten darstellen. Mit der Anpassung an die neue Geschäftstätigkeit wurde das KIBRA-Entwicklungsprojekt eingestellt, wie SYGNIS am 20.12.2012 mitteilte. Die Suche nach einem Partner, der an der weiteren Entwicklung der KIBRA-Modulatoren interessiert ist, wird fortgesetzt. Mit der Stilllegung des Projektes wurde die Belegschaft um zehn Beschäftigte reduziert, um die Finanzmittel auf die Entwicklung und Vermarktung der neuartigen molekularbiologischen Technologien zu konzentrieren. Am Standort Heidelberg sind künftig noch 13 Mitarbeiter beschäftigt.

Firmengebäude Sygnis Pharma AG © Sygnis

Wie das Unternehmen am 15. Januar 2013 berichtete, hat SYGNIS in Europa und den USA für eine vielseitig einsetzbare, effiziente Technologie zum Screening und zur Charakterisierung von Wirkstoffkandidaten Patentschutz erhalten. Die Patente schützen ein neuartiges Verfahren zur Detektion von Protein-Protein-Interaktionen, die zur Identifizierung neuer therapeutischer Targets eingesetzt werden und dazu beitragen können, neue maßgeschneiderte Wirkstoffe für die personalisierte Medizin zu entwickeln. Die Vorstandsvorsitzende von SYGNIS, Pilar de la Huerta, erklärte dazu: „Diese Technologie soll an einen Vertriebspartner auslizenziert werden. Dadurch erwarten wir erste Umsätze während des laufenden Geschäftsjahres 2013.“ Diese Patenterteilungen stellen neben der bereits erfolgreichen Verpartnerung der QualiPhi®-Polymerase einen weiteren Eckpfeiler für die Neuausrichtung des Unternehmens dar. Damit will sich die neue SYGNIS als Technologieanbieter im Wachstumsmarkt DNA-Tools und maßgeschneiderte Wirkstoffe etablieren.

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