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Boehringer Ingelheim wächst weiter, verdient aber weniger

Boehringer Ingelheim hat auch 2008 wachsende Erlöse erzielt, der Gewinn ging aber wechselkursbedingt und wegen höherer Aufwendungen in Forschung und Entwicklung leicht zurück. Dies teilte das familiengeführte und nicht an der Börse geführte Unternehmen auf seiner Bilanzpressekonferenz 2009 mit.

Andreas Barner schließt größere Zukäufe aus. © Boehringer Ingelheim

Deutschlands zweitgrößter Arzneimittelhersteller will nach Worten seines Unternehmenssprechers Andreas Barner weiter unabhängig bleiben, schloss größere Zukäufe wie bei der börsennotierten Konkurrenz aus. Für die Zukunft sieht sich der Konzern gut gerüstet, die Produktpipeline sei gut gefüllt. Auch 2009 will das Unternehmen seinen Wachstumskurs in allen Geschäftsbereichen fortsetzen, auf genauere Vorhersagen verzichtete man angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Lage.

Zum Umsatzkrösus avancierte mit mehr als zwei Mrd. Euro nach Barners Worten Spiriva, ein Mittel zur Behandlung chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung. Den mit 79 Prozent weitaus größten Teil zum Ergebnis haben verschreibungspflichtige Medikamente beigetragen.

Viel Geld für Forschung und Entwicklung

Im abgelaufenen Jahr habe das Pharmaunternehmen 1.500 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt weltweit 41.300 Menschen. Die Ausgaben für F & E stiegen im Geschäftsjahr 2008 um elf Prozent (200 Mio. Euro) auf 2,1 Mrd. Euro. Im Wesentlichen flossen diese Mittel in den Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente. „Hohe, überproportional angestiegene F&E-Kosten sind bei Boehringer Ingelheim ein gutes Zeichen: Die Pipeline des Unternehmens ist gut gefüllt, insbesondere mit Substanzen in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Entwicklung“, so Andreas Barner.

Neue Produkte treiben Wachstum

Im Geschäftsbereich "Verschreibungspflichtige Medikamente" erwirtschaftete das Unternehmen 9,1 Mrd. Euro Gesamterlöse, was einem währungsbereinigten Zuwachs von 9,3 Prozent und 5,2 Prozent auf Euro-Basis gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gewachsen ist das Unternehmen in allen Regionen des Weltmarktes. Alle Kernprodukte steigerten ihren Umsatz. Neben dem Blockbuster Spiriva erlösten Micardis, ein Mittel gegen Bluthochdruck, 1,2 Mrd. Euro (währungsbereinigter Zuwachs von 17 Prozent), Alnax/Flomax zur Behandlung der Symptome gutartiger Prostatavergrößerung brachte Erlöse von 1,1 Mrd. Euro (währungsbereinigter Zuwachs von zwölf Prozent).

Das Selbstmedikationsgeschäft wird nach den Worten des dafür verantwortlichen Engelbert Tieenk zukünftig stärkere strategische Bedeutung erhalten, vor allem im Hinblick auf die kostendämpfenden Maßnahmen in den Gesundheitssystemen.

Sieben Prozent aus der Auftragsfertigung

Im Industriekundengeschäft erzielte das Unternehmen ein währungsbereinigtes Wachstum von 12,3 Prozent, auf Euro-Basis von 10,8 Prozent. Mit einem Umsatz von 819 Mio. Euro trug es sieben Prozent zu den Gesamterlösen des Unternehmensverbandes bei. Den größten Anteil daran haben Biopharmazeutika mit einem Anstieg der Erlöse um 22,8 Prozent auf Euro-Basis auf 569 Mio. Euro. Der für das biopharmazeutische Geschäft zuständige Wolfram Carius will die Marktführerschaft des Unternehmens in Entwicklung und Produktion weiter festigen und verwies auf die 51 Mio. Euro, die 2008 in diesen Bereich investiert wurden.

Gut gefüllte Produktpipeline garantiert für Zukunft

Der auch für F & E zuständige Andreas Barner verwies auf eine gut gefüllte Produktpipeline und hob den selbst entwickelten oralen Gerinnungshemmer Dabigatranetexilat heraus, der über eine direkte Thrombin-Hemmung wirkt. Dieses Mittel erhielt 2008 seine erste Zulassung zur Prävention thromboembolischer Ereignisse nach selektiven Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen. Weitere Studien mit dem Wirkstoff liefen erfolgreich und böten weitere Zulassungsoptionen, was er dem Medikament Blockbusterpotenzial zumesse.

Gerüstet für Zeit nach Patentablauf

Gute Fortschritte haben laut Barner 2008 die Wirkstoffe im späten Entwicklungsstadium gemacht. Er nannte hier potenzielle Präparate zur Gerinnungshemmung, zur Behandlung des verminderten sexuellen Verlangens der Frau sowie Wirkstoffe für die Onkologie und gegen Diabetes mellitus. „Damit wollen wir dann auch die durchaus überschaubaren Lücken schließen, die durch die bekannten Patentabläufe von Produkten im Jahr 2010 entstehen, und das langfristige Wachstum des Unternehmens sicherstellen“, sagte Andreas Barner.

Glossar

  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird durch einen Mangel an Insulin hervorgerufen. Man unterscheidet zwei Typen. Bei Typ 1 (Jugenddiabetes) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstören. Typ 2 (Altersdiabetes) ist dagegen durch eine Insulinrestistenz (verminderte Insulinempfindlichkeit der Zielzellen) und eine verzögerte Insulinausschüttung gekennzeichnet.
  • Biopharmaka sind Arzneimittel, die mit Hilfe von biologischen Systemen hergestellt werden.
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • Oral bedeutet in der Medizin: Aufnahme von Stoffen durch den Mund. Anatomisch bedeutet oral: in Richtung Mund liegend.
  • kb ist die Abkürzung für Kilobase. Diese Einheit für die Länge von DNA- oder RNA-Molekülen entspricht 1.000 Basen bzw. Basenpaaren der Nukleinsäure.
  • Die Prostata oder Vorsteherdrüse ist eine männliche Geschlechtsdrüse, die ein Sekret produziert, das bei der Ejakulation in die Harnröhre abgegeben wird und sich dort mit dem Samen vermischt.
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