Powered by

Ebola-Impfstoff auch bei Kindern einsetzbar

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat erfolgreich einen Impfstoff gegen Ebola-Viren getestet: Die Mediziner ermittelten die Dosis, die einen wirksamen Schutz gegen Ebola-Viren bieten könnte und prüften den Impfstoff erstmals an Kindern.

Professor Peter G. Kremsner © Christoph Jäckle / Universität Tübingen

Der klinische Versuch fand unter Leitung der Tropenmediziner Dr. Selidji T. Agnandji (Centre de Recherches Médicales de Lambaréné, Gabun) und Professor Peter Kremsner (Institut für Tropenmedizin, Universität Tübingen, Universitätsklinikum Tübingen) statt. 115 Erwachsene, 20 Jugendliche sowie 20 Kinder hatten in Gabun den Impfstoff gegen die Viruskrankheit erhalten und bei geringen Nebenwirkungen eine gute Immunabwehr entwickelt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin PLOS Medicine veröffentlicht.

22 Ebola-Ausbrüche weltweit sind bislang verzeichnet. Allein 2016 waren in Westafrika mehr als 28.600 Menschen vom bisher schlimmsten Ausbruch einer Ebola-Viruserkrankung betroffen. 11.300 Todesopfer waren am Ende dieser Epidemie zu beklagen. Das veranlasste Mediziner aus vielen Ländern gemeinsam an der Entwicklung eines Impfstoffes für den Einsatz am Menschen zu arbeiten. In einer globalen Aktion wurden aus bereits früher voruntersuchten Impfstoffkandidaten insgesamt acht für klinische Versuche ausgesucht. Der Impfstoff rVSVΔG-ZEBOV-GP wird bereits seit 2015 in Afrika klinischen Tests unterzogen. Nun konnte er erstmals an jungen Menschen und in verschiedenen Dosierungen getestet werden. Die Probanden erhielten einen Bestandteil aus genetischem Material des Ebola-Virus. Dieser ist in ein für Menschen harmloses Trägervirus eingebaut, das Vesikuläre Stomatitis Virus (VSV).

Dr. Selidji Agnandji © Christoph Jäckle / Universität Tübingen

Es erwies sich, dass Teilnehmer aus von Ebola betroffenen Ländern oft schon vor Impfung Antikörper gegen das Virus ausgebildet hatten und nach der Impfung eine bessere Immunantwort zeigten als Menschen ohne Antikörper im Blut. Auch geringe Impfdosen konnten so schon eine ausgezeichnete Immunantwort erzeugen. Die Wissenschaftler wollen nun für Menschen mit Antikörpern wie auch für Kinder und Jugendliche testen, ob die Impfdosis verringert werden kann. Zu lösen sei auch noch die Fragen, warum das Impfvirus von den Probanden mehr als eine Woche ausgeschieden wurde, sagte Kremsner.

„Der katastrophale, unvorhergesehene Ebola-Ausbruch in Westafrika hat gezeigt, dass es möglich ist Akademiker, Hilfsorganisationen, Industrie und Sponsoren an einen Tisch zu holen“, sagt Professor Peter Kremsner. Der Tropenmediziner ist Mitglied des Expertenkonsortiums, das auf Veranlassung der WHO in Genf Strategien gegen Ebola und andere Seuchen sucht. „Wir brauchen ein Krisenmanagement und einen Notfallplan im Falle einer Epidemie, aber auch Maßnahmen zur Vorsorge gegen Erkrankungen wie Ebola“, sagt er. „Wir müssen die Entwicklungsprozesse von Impfstoffen weiter verbessern und beschleunigen, um diese bei Bedarf schnell einsetzen zu können ‒ gerade in Weltregionen ohne gute Infrastruktur für die Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten.“

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).
  • Immunogenität ist die Fähigkeit eines Antigens eine Immunanwort im menschlichen Körper hervorzurufen.
  • Als Epidemie wird das Ausbrechen einer Krankheit innerhalb einer Population bezeichnet. Die Anzahl der Erkrankungen nimmt während einer Epidemie lokal deutlich zu. Epidemische Krankheiten sind meist Infektionskrankheiten, wie Cholera, Denguefieber oder Typhus. Im Gegensatz zur Pandemie ist die Epidemie örtlich beschränkt.

Originalpublikation:

Selidji T. Agnandji, José F. Fernandes, Emmanuel B. Bache, Régis M. Obiang Mba, Jessica S. Brosnahan, Lumeka Kabwende, Paul Pitzinger, Pieter Staarink, Marguerite Massinga-Loembe, Verena Krähling, Nadine Biedenkopf, Sarah Katharina Fehling, Thomas Strecker, David J. Clark, Henry M. Staines, Jay W. Hooper, Peter Silvera, Vasee Moorthy, Marie-Paule Kieny, Akim A. Adegnika, Martin P. Grobusch, Stephan Becker, Michael Ramharter, Benjamin Mordmüller, Bertrand Lell, VEBCON Consortium, Sanjeev Krishna, Peter G. Kremsner: „Safety and immunogenicity of rVSVΔG-ZEBOVGP-Ebola vaccine in adults and children in LambareÂneÂ, Gabon: A phase I randomised trial.“ PLOS Medicine, https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1002402

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/ebola-impfstoff-auch-bei-kindern-einsetzbar/