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Forschungsnetzwerk Systembiologie der Leber

Das weltweit einzigartige Forschungsnetzwerk der Systembiologie wurde am 01. Juli 2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gestartet. Ziel ist es ein virtuelles Modell der Leber zu erstellen, um die Prozesse, die in diesem Organ ablaufen genau zu verstehen und für den Fall einer Erkrankung passgenaue Medikamente entwickeln zu können. Die Forscher können ihre Arbeit dabei auf die vielversprechenden Ergebnisse des Vorgängerprojekts HepatoSys aufbauen. Das BMBF wird dem Deutschen Netzwerk Systembiologie der Leber dafür in den kommenden fünf Jahren rund 43 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde

Die Leber ist eine komplizierte biochemische Fabrik. Sie baut täglich über 10.000 Substanzen um oder ab. Im Netzwerk soll es gelingen, weltweit erstmals ein komplettes Organ des Menschen in einem Computermodell abzubilden.

Das interdisziplinäre Netzwerk Systembiologie der Leber besteht derzeit aus 70 Arbeitsgruppen in 41 Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Mithilfe der Computersimulationen wollen sie die Funktionsweise der Leber und ihre Krankheitsmechanismen besser verstehen und vorausberechnen, wie sich Arzneistoffe im Organ verteilen, wo sie angreifen und wie schnell sie abgebaut werden. Das kann langwierige Experimente ersetzen und helfen, Medikamente gezielter zu entwickeln und sie für jeden Patienten passgenau zu dosieren. So sollen die Wirkung optimiert und Nebenwirkungen minimiert werden.

Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan kommentierte das ehrgeizige Vorhaben: "Deutschland hat in der medizinischen Systembiologie international eine Spitzenposition. Mit diesem einzigartigen Netzwerk eröffnen die Forscher neue Perspektiven für die Medizin.
Die Systembiologie kann den Transfer aus der Forschung zum Patienten beschleunigen und in der Medikamentenentwicklung auch Kosten sparen. Sie ist deshalb Schlüsseltechnologie und Innovationsmotor für eine zukünftige individualisierte Medizin."

Im Vorgängerprojekt HepatoSys wurden seit 2004 mit Unterstützung des BMBF die zellulären Prozesse der Leber erforscht. Nun werden die Vorgänge in ganzen Zellverbünden bis hin zum gesamten Organ untersucht.

Der noch junge Wissenschaftszweig der Systembiologie erforscht biologische Prozesse in ihrer Gesamtheit: von der Funktion einzelner Moleküle bis zum Zusammenspiel verschiedener Zellen und schließlich der Organe im Körper. Dazu werden Methoden der Molekularbiologie mit Wissen und Technologien aus Mathematik, Informatik, Chemie, Physik und Systemwissenschaften verknüpft.

Glossar

  • Biochemie ist die Lehre von den chemischen Vorgängen in Lebewesen und liegt damit im Grenzbereich zwischen Chemie, Biologie und Physiologie.
  • Die Molekularbiologie beschäftigt sich mit der Struktur, Biosynthese und Funktion von DNA und RNA und und deren Interaktion miteinander und mit Proteinen. Mit Hilfe von molekularbiologischen Daten ist es zum Beispiel möglich, die Ursache von Krankheiten besser zu verstehen und die Wirkungsweise von Medikamenten zu optimieren.
  • Molekular bedeutet: auf Ebene der Moleküle.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/forschungsnetzwerk-systembiologie-der-leber/