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Standort

Neues Entwicklungszentrum stärkt Biberacher Biotech-Standort

Boehringer Ingelheim hat an seinem größten Forschungs- und Entwicklungsstandort in Biberach den Grundstein für ein neues 230 Millionen Euro teures Entwicklungszentrum für biopharmazeutische Medikamente gelegt. In das achtstöckige Gebäude sollen ab 2021 insgesamt 500 Mitarbeiter einziehen. 100 neue Arbeitsplätze will der Konzern schaffen.

Das Unternehmen folgt damit einem weltweiten Trend, der seit Jahren einen wachsenden Anteil von biologischen Molekülen am Gesamtmarkt und vor allem in Forschung und Entwicklung verzeichnet. Binnen eines Jahrzehnts habe sich Boehringers Anteil biologischer Wirkstoffe an der Pipeline von fünf auf rund 40 Prozent erhöht, sagte Dr. Fridtjof Traulsen, Corporate Senior Vice President für Entwicklung. Das Entwicklungszentrum soll seinen Worten zufolge vor allem den Therapiebereichen Immunologie und Immunonkologie zugutekommen.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Biopharmaka sind Arzneimittel, die mit Hilfe von biologischen Systemen hergestellt werden.
  • Biosimilars sind Nachahmepräparate von Biopharmazeutika.
Großer Bahnhof für großes Projekt. Vor der Baugrube zur Grundsteinlegung, v.l.n.r.: Falk March, Projektleiter Biologicals Development Center; Dr. Douglas Khoo, Geschäftsführer Infrastruktur Europa; Dr. Ralf Schumacher, Leiter Globale Entwicklung Biopharmazeutika; MdBs Josef Rief und Karin Maag; Dr. Fridtjof Traulsen, Leiter Globale Entwicklung Humanpharma; Innovationsverantwortlicher Dr. Michel Pairet; Baden-Württembergs Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut; Christian Boehringer, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses, Landesleiter Stefan Rinn. © Boehringer Ingelheim

Eigene Pipeline stärken

„Wir wollen die eigene Pipeline stärken“, formulierte Christian Boehringer, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses bei der Grundsteinlegung des Gebäudes, das sich im Norden des Firmengeländes nahe der Hochschule Biberach befindet. In einem Familien-Unternehmen bräuchten solche strategische Entscheidungen Zeit für Umsetzung, warb Boehringer um Verständnis für die längere Entscheidungsfindung.

Tatsächlich hat der weltgrößte Biopharma-Auftragshersteller, der auch Biosimilars entwickelt und herstellt, seit 2000 aus der eigenen Forschung nur zwei Biopharmazeutika auf den Markt gebracht: im Jahr 2000 Tenecteplase zur Behandlung des akuten Herzinfarkts und Ende 2015 das Antidot Praxbind des hauseigenen Gerinnungshemmers.

Die Investitionsentscheidung zugunsten des oberschwäbischen Standortes hatte das Unternehmen bereits im Oktober 2017 bekannt gemacht und damit für Erleichterung gesorgt, nachdem Ende 2015 Wien als zweiter großer Biotech-Produktionsstandort das Rennen gemacht hatte.

Verzahnung mit der Produktion

In das Biberacher Biotech-Entwicklungszentrum sollen sämtliche, auch an anderen Standorten erforschte biologische Moleküle kommen. Dort werden biologische Analytik, Prozessentwicklung sowie die Medikamentenherstellung für klinische Studien unter einem Dach zusammen- und an die Herstellung herangeführt. Diese „große integrierte Lösung“ in einem komplexen Netzwerk von Technologien zu verzahnen, sei notwendig und lege die Grundlage für die Zukunft, sagte Dr. Ralf Schumacher, Leiter der Biologicals-Entwicklung.

Baden-Württembergs Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut dankte den hochrangigen Unternehmensvertretern für das „klare Standortbekenntnis“. Die BioRegionUlm, deren Biotech-Historie auf das Jahr 1986 zurückgehe, sei zu „einem Markenzeichen geworden“. „Baden-Württemberg ist schon heute Pharmastandort Nr. 1 in Deutschland“.

Das Land hat ehrgeizige Ziele

Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie stünden für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Ein vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Standortgutachten erkenne in diesen Bereichen erhebliche neue Wertschöpfungspotenziale. Das Land will nach den Worten der Ministerin die Gesundheitswirtschaft zur dritten Leitbranche neben Automotive und Maschinenbau entwickeln.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Karin Maag unterstrich die bundesweite Bedeutung des Biopharmaziestandortes und betonte die Rolle der Biosimilars für mögliche Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen. Am Biberacher Standort sind derzeit rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Boehringer Ingelheim ist dort größter Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/neues-entwicklungszentrum-staerkt-biberacher-biotech-standort/