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Spitzenforscher im Süden: Innovationspreis 2009 verliehen

Forschergruppen aus München, Heidelberg und Ulm sind mit dem Innovationspreis für herausragende anwendungsorientierte Ideen aus den Lebenswissenschaften ausgezeichnet worden. Vergeben wurde der Preis vom Arbeitskreis der BioRegionen auf der BIOTECHNICA in Hannover.

Die Wettbewerbsbeiträge kamen von Forschergruppen und einzelnen Wissenschaftlern aus ganz Deutschland, von Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Bedingung für die Teilnahme war, dass die Ideen bereits patentiert oder zum Patent angemeldet sind und dass die Antragsteller (noch) kein Unternehmen gegründet haben. Die drei Preise sind mit je 2.000 Euro dotiert und gehen in diesem Jahr an Dr.-Ing. Héctor Perea Saavedra, München, Prof. Dr. Patrick Most, Prof. Dr. Hugo A. Katus und Kollegen, alle Heidelberg sowie Prof. Dr. Lisa Wiesmüller, Ulm.

© BIOPRO/Bächtle

Prof. Dr. Patrick Most, Prof. Dr. Hugo A. Katus, PD Dr. Andrew Remppis, Dr. Mirko Voelkers, Universitätsklinikum Heidelberg, erhielten den Preis für ihre Entwicklung neuartiger Wirkstoffe zur Therapie der Herzmuskelschwäche.

Die Herzmuskelschwäche war 2008 die häufigste Todesursache in Deutschland. Das liegt auch am Mangel an Therapien, die die Pumpfunktion des Herzens nachhaltig stärken. Die Heidelberger Gruppe hat im gesunden Herzmuskel ein Eiweißfragment identifiziert, dass die Pumpfunktion langfristig verbessern und zugleich vor tödlichen Rhythmusstörungen schützen kann. Es kann biotechnologisch hergestellt und in entsprechender Form sogar oral eingenommen werden. Jetzt gilt es, das Potenzial des neuartigen Wirkstoffes in klinischen Studien zu bestätigen.

© BIOPRO/Bächtle

Dr.-Ing. Héctor Perea Saavedra, TU München, erhielt den Preis für seine Arbeiten zur magnetischen Zellbesieldung.

Pereas Idee verbindet das Tissue Engineering, also die Züchtung neuen Körpergewebes, mit der Materialwissenschaft. Der neue Ansatz könnte den Einsatz von Gefäßimplantaten revolutionieren. Ein großes Problem konventioneller Gefäßprothesen ist, dass sie oft keine Dauerlösung bieten und sich das Gefäß wieder verschließt. Saavedra will die tubulären Implantate mit einer Zellschicht versehen, die dem natürlichen, gesunden Gewebe nahe kommt und deshalb die Wiederverschluss-Rate senkt. Aber wie bringt man Zellen dazu, ein röhrchenförmiges Trägermaterial zu besiedeln? Pereas Idee: Die Zellen werden mit magnetischen Nanopartikeln markiert und mithilfe eines gerichteten magnetischen Feldes an den Träger navigiert.

© BIOPRO/Bächtle

Prof. Dr. Lisa Wiesmüller, Universitätsfrauenklinik Ulm, erhielt den Preis für ein Testsystem zur Bestimmung des Brustkrebsrisikos und zur Früherkennung.

Mit dem neuen Testsystem können die Mutationen mithilfe von Fluoreszenz-Markierungen qualitativ und quantitativ erfasst werden. Das ermöglicht eine deutlich verbesserte Risikoabschätzung. Außerdem soll mithilfe des Tests individuell für jede Patientin das Ansprechen auf eine Therapie vorhergesagt werden.

Mitglieder aus Familien mit erhöhtem Brustkrebsrisiko (z.B. mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation) haben Anspruch auf das intensivierte Vorsorgeprogramm. Da BRCA1- und BRCA2-Mutationen nur 20 bis 30 Prozent der erblichen Risiko-Erhöhung erklären und die Berechnung des familiären Risikos aufgrund der demographischen Entwicklung in Zukunft schwieriger werden wird, besteht der Bedarf an alternativen Verfahren zur Risiko-Bestimmung. Neben BRCA1 und BRCA2 sind heute weitere 8 Brustkrebs-Risiko-Gene bekannt, die alle Komponenten der sogenannten DNA-Doppelstrangbruch-Reparatur sind. Hinzu kommt, dass sich geringfügige Störungen in weiteren Genen zu einem Reparatur-Defekt im Tumor aufsummieren können. DNA-Doppelstrangbruch-Reparatur-Defekte eignen sich deswegen zur Identifizierung von Brustkrebs-Suszeptibilität über die Grenzen der Stammbaumanalyse und Genotypisierung hinaus. Die Preisträgerin Lisa Wiesmüller hat ein neuartiges Fluoreszenz-basiertes Testsystem entwickelt, welches mit Brustkrebs assoziierte DNADoppelstrangbruch-Reparatur-Defekte quantitativ und qualitativ erfasst. Tatsächlich demonstrierte die Preisträgerin mit ihrer Arbeitsgruppe bereits in einer vom BMBF geförderten Studie (BMBF- Programm „Anwendungsorientierte Brustkrebsforschung“), dass eine statistisch hochsignifikante Zunahme bestimmter DNA-Doppelstrangbruch-Reparatur-Prozesse, nämlich mutagener, also Krebs verursachender Prozesse, in Brustkrebs-Patientinnen und Hochrisiko-Familienmitgliedern im Vergleich zu gesunden Frauen entsprechenden Alters vorliegt. Der Assay soll die bestehenden Methoden zur Identifizierung von erhöhtem Brustkrebs-Risiko und damit -Früherkennung deutlich verbessern. Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich des Tests ist die Vorhersage des Therapie-Ansprechens und damit die Entwicklung individualisierter Brustkrebstherapie-Protokolle.

Dr. Kai Uwe Bindseil, der Sprecher des Arbeitskreises der BioRegionen in Deutschland, kommentiert: „Alle drei Projekte sind in diesem Jahr medizinisch orientiert und unterstreichen damit die anwendungsorientierte und zugleich interdisziplinäre Ausrichtung der Biotechnologie. Mit Instrumenten wie dem Innovationspreis wollen wir Unternehmensgründungen forcieren.“

Dr. Klaus Eichenberg ist Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH, die die Ausschreibung des Innovationspreises 2009 und die Verleihung organisierte. Er ergänzt:
„Mit dem Innovationspreis setzen wir die besondere Innovationskraft der deutschen Biotechnologie ins Licht der Öffentlichkeit und möchten Wissenschaftler motivieren, in Richtung Wirtschaft zu denken und ihre Ideen verstärkt in die Anwendung zu bringen.“


Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/spitzenforscher-im-sueden-innovationspreis-2009-verliehen/