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Stammzellen machen Schule

Vielfältige Informationen und Unterrichtsmaterialien zum umstrittenen Thema Stammzellforschung finden Schüler und Lehrer künftig auf der neuen Internetplattform ‚www.zellux.net’. Das Webportal, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, ist ein Gemeinschaftsprojekt des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster und verschiedenen Einrichtungen aus den Bereichen Kirche, Ethik, Didaktik und Medizin.

Stammzellen
"Ein Embryo im Anfangsstadium hat weder Nerven noch Gehirn. Er kann nicht fühlen und schon gar nicht bewusst denken. Müssen wir ihn trotzdem schützen?", fragt eine Schülerin. Eine andere: "Jeder heute lebende Mensch, auch ich, war einmal ein Embryo. Schulden wir nicht jedem Embryo dieselbe Chance, sich zu entwickeln?" Das Webportal greift die Gedanken von jungen Menschen auf, geht auf ihre Fragen ein und beantwortet sie kurz. Die Antwort dient wiederum als Ausgangspunkt zur Diskussion. Darüber hinaus lädt ein Ethiktest zu einer persönlichen Meinungsbildung ein. Videos veranschaulichen die Vielfalt von Positionen - über alle Parteigrenzen hinweg. Unter "Informationen" werden neben Begriffen aus der Medizin und dem aktuellen Recht auch verschiedene Ethiktheorien erläutert.

Kritische Meinungsbildung erwünscht

Für den Einsatz in der Schule wurde das komplexe Thema "Stammzellforschung" ausgewogen, fachlich fundiert und zugleich verständlich aufbereitet. "Viele Menschen sind unkritisch, andere wiederum lehnen die Stammzellforschung kategorisch ab, ohne wirklich informiert zu sein. Vorurteile, Gleichgültigkeit oder Fehlinformationen bilden oft die Grundlage für Zustimmung oder Ablehnung", erklärt Projektleiter Tobias Cantz vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. "Zellux.net bietet zuverlässige und umfangreiche Informationen zur kritischen Meinungsbildung".

"Man könnte meinen, dass wir als Forscher mit der Website einfach gute Stimmung für die Stammzellforschung machen wollen. Dem ist nicht so. Jede Meinung hat auf zellux.net ihren Platz", sagt Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin. Er wünscht sich eine intensivere gesellschaftliche Auseinandersetzung über die ethischen Aspekte der Stammzellforschung. "Denn mit dem Stammzellgesetz oder der Verschiebung des Stichtages sind die Kontroversen längst nicht beendet und der gegenwärtige Umgang mit den Fragen der Stammzellforschung ist weiterhin von weltanschaulichen Kontroversen gekennzeichnet", so der Stammzellforscher. Für junge Erwachsene, wie sie in unserer multikulturellen und pluralistischen Gesellschaft aufwachsen, sei es von entscheidender Bedeutung, mit den unterschiedlichen Positionen umgehen zu können.

Materialien aus erster Hand

Die Webseite wurde von Wissenschaftlern geplant und realisiert, die selbst im Bereich der Stammzellforschung tätig sind. Für den Erfolg des Projekts zeichnen auch Johann Ach und Petra Michel-Fabian vom Centrum für Bioethik sowie Marcus Hammann und Manuel Ganser vom Zentrum für Didaktik der Biologie der Universität Münster verantwortlich. Mit im Boot waren auch Gudrun Kordecki vom Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen und Hartmut Schmidt als Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums Münster.

Die Vielfalt an Informationen trifft bei zellux.net auf eine Vielfalt an Formaten. Neben erklärenden Texten und anschaulichen Infografiken bietet das Internetportal beispielsweise Interviews in Form von Videoclips mit Stellungnahmen oder Redeauszügen verschiedenster Persönlichkeiten - von Bischof Huber bis zu Wolfgang Thierse. Im Zentrum stehen jedoch die erprobten Unterrichtseinheiten, die für Einzelstunden bis hin zu mehreren Doppelstunden oder für drei Tage innerhalb einer Projektwoche konzipiert wurden.

"Im Planspiel soll eine Enquete-Kommission dem Deutschen Bundestag eine Empfehlung für den zukünftigen Umgang mit der Stammzellforschung vorlegen. Durch die im Spiel vertretenen gesellschaftlichen Akteure und die ausgeprägten Interaktionen zwischen den Mitspielenden lernen die Schüler spielerisch die verschiedenen Argumentationsketten und Grundwerte kennen, die hinter den jeweiligen Positionen stehen", berichtet Gudrun Kordecki aus ihren Erfahrungen an Partnerschulen. Zusätzlich bietet die Website ein Glossar zu vielen Begriffen rund um die Stammzellforschung, die in den Unterrichtseinheiten verwendet werden.

Quelle: Pressemitteilung MPG - 23.10.2008




Weitere Informationen:

Dr. Tobias Cantz
Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Münster
Tel.: 0251/7036-5325
E-Mail: t.cantz@mpi-muenster.mpg.de
Internet: www.zellux.net


Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/stammzellen-machen-schule/