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Startschuss für den Forschungscampus „BioMedTech“ im Technologiepark Reutlingen - Tübingen

Baden-Württembergs Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut überreichte am 28. September einen Förderbescheid in Höhe von 4,2 Millionen Euro an das NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut und die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen (TF-RT). Das Ministerium fördert mit dieser Summe das RegioWin Leuchtturmprojekt "Forschungscampus BioMedTech“, dessen Ziel es ist, die Region Neckar Alb zu einem führenden Forschungsstandort der Biomedizintechnik zu entwickeln und die Chancen zu nutzen, die sich aus der Zusammenarbeit von Biotechnologie und Medizintechnik ergeben. An der Übergabe des Förderbescheids nahmen auch Barbara Bosch, Oberbürgermeisterin der Stadt Reutlingen, und Joachim Walter, Landrat des Landkreises Tübingen, sowie zahlreiche Projektpartner und Gäste aus Industrie, Forschung und Politik teil.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Biochemie ist die Lehre von den chemischen Vorgängen in Lebewesen und liegt damit im Grenzbereich zwischen Chemie, Biologie und Physiologie.
  • Die Zytologie oder auch Zellbiologie ist eine Disziplin der Biowissenschaften, in der mit Hilfe mikroskopischer und molekularbiologischer Methoden die Zelle erforscht wird, um biologische Vorgänge auf zellulärer Ebene zu verstehen und aufzuklären.
  • In einem pharmokologischen Zusammenhang ist mit Disposition die Wirkstoffverteilung im menschlichen Körper gemeint.
  • Ein Inkubator im biologischen bzw. medizinischen Sinne wird auch als Brutschrank oder Brutkasten bezeichnet. In einem Inkubator können gezielt optimale Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen für Brut- und Wachstumsvorgänge geschaffen werden. Im wirtschaftlichen Bereich bezeichnet der Begriff Einrichtungen und Institutionen, die junge Unternehmen bei der Existenzgründung unterstützen.

Mit der Übergabe der Zuwendungsbescheide wird nun der offizielle Startschuss für das prämierte RegioWIN-Projekt „Forschungscampus BioMedTech“ gegeben. Das Leuchtturmprojekt umfasst zwei Teilprojekte: Im Projekt BioMedTech Campus wird der Ausbau eines im Rohbau bereitgestellten Gebäudes gefördert, so dass in der Region langfristig Räumlichkeiten für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft an der Schnittstelle von Bio- und Materialwissenschaften zur Verfügung stehen. Im Teilprojekt „Systemimmunologie an biologisch-technischen Grenzflächen“ werden Immunreaktionen, die im Kontakt mit technischen Grenzflächen und Materialien, wie z. B. von Implantaten, Blutschläuchen oder Blutfiltern, auftreten können, untersucht.

Auf dem Forschungscampus werden die beiden Branchen Medizintechnik und Biotechnologie thematisch und räumlich zusammengeführt. Forschungsprojekte für die Medizin der Zukunft sollen hier in international markt- und wettbewerbsfähige Produkte und Verfahren umgesetzt werden. Im Mittelpunkt des ersten Projekts steht das Ziel, Implantate körperverträglicher zu machen.

Die sogenannten „Flying Labs“ auf dem Forschungscampus werden durch die Technologieförderung Reutlingen-Tübingen (TF R-T) GmbH in öffentlich-privater Partnerschaft mit der Multi Channel Systems Holding errichtet. In den Räumen werden regional ansässige Unternehmen der Medizintechnik und Biotechnologie und Institutionen der Grundlagen- und angewandten Forschung gemeinsam arbeiten.

Herr Landrat Walter, Frau Oberbürgermeisterin Bosch, Herr Prof. Hämmerle und Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut bei der Übergabe der Bescheide. © NMI

Erstes Projekt im Forschungscampus ist mit einer Laufzeit von 4 Jahren das Verbundprojekt "Systemimmunologie an biologisch-technischen Grenzflächen". Gemeinsame Vision der Wissenschaftler und forschenden Unternehmen auf dem Forschungscampus ist es, immunologische Reaktivitäten unterschiedlichster Werkstoffe, Materialoberflächen und -strukturen vorhersagen zu können. Entzündungen, Abstoßungen, Sensibilisierungen und Allergien sind schwerwiegende Immunreaktionen unter denen viele Patienten bei Kontakt mit technischen Grenzflächen und Materialien leiden. In Verbindung mit Vorerkrankungen, unterschiedlichen Stoffwechselsituationen und genetischen Dispositionen können diese unerwünschten Reaktionen von Patient zu Patient unterschiedlich ausfallen. Unter Leitung des NMI untersuchen Wissenschaftler der Universität Tübingen und der Hochschule Reutlingen zusammen mit 3 Unternehmen aus der Region die Zusammenhänge, die zu diesen immunologischen Reaktionen führen.

Prof. Dr. Hämmerle, Institutsleiter des NMI, zeigte sich anlässlich der Übergabe der Förderbescheide mehr als zufrieden. „Vor mehr als drei Jahren haben wir in einem einmaligen, regionalen Strategieprozess das Projekt initiiert und uns im RegioWIN-Wettbewerb um die Förderung beworben. Mit der Übergabe der Förderbescheide können die Projekte nun an den Start gehen und ein weit sichtbares Signal setzen über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Medizintechnik und Biotechnologie.“

Die Bedeutung des Projekts hob auch Frau Barbara Bosch, Oberbürgermeisterin der Stadt Reutlingen, in ihren Grußworten hervor. "Die Errichtung des Forschungscampus BioMedTech ist ein weiteres Kapitel in der erfolgreichen Wirtschaftsförderung der Stadt Reutlingen. Mit diesem Leuchtturmprojekt stärken wir die Innovationskraft ansässiger Unternehmen. Dies gelingt durch die konsequente Zusammenarbeit aller Akteure, mit dem gemeinsamen Ziel, Zukunftsbranchen anzusiedeln, um den Wirtschaftsstandort zukunftsfähig zu gestalten."

Als Leadpartner der RegioWIN Neckar-Alb bedankte sich Landrat Walter bei Frau Ministerin Hoffmeister-Kraut für die persönliche Übergabe der bereits sehnsüchtig erwarteten Förderbescheide und wünschte dem NMI und der Technologieförderung Reutlingen-Tübingen alles Gute für die Umsetzung ihres gemeinsam getragenen Leuchtturmprojektes.

NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen

Das NMI betreibt anwendungsorientierte Forschung an der Schnittstelle von Bio- und Materialwissenschaften. Es verfügt über ein einmaliges, interdisziplinäres Kompetenzspektrum für F&E- und Dienstleistungsangebote für regional und international tätige Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft und Industrie-branchen mit werkstofftechnischen und fertigungsorientierten Fragestellungen wie Fahrzeug-, Maschinen- und Werkzeugbau.

Im Geschäftsfeld Pharma und Biotechnologie unterstützt das NMI die Entwicklung neuer Medikamente mit biochemischen, molekular- und zellbiologischen Methoden. In der Biomedizintechnik geht es um Zukunftstechnologien wie die Regenerative Medizin und Mikromedizin für neue diagnostische und therapeutische Ansätze. Die Analyse, Strukturierung und Funktionalisierung von Werkstoffen und deren Ober-flächen steht im Fokus des Dienstleistungsangebotes für Kunden im Geschäftsfeld Oberflächen- und Werkstofftechnologie.

Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist das NMI für sein Inkubatorkonzept für Existenzgründer mit bio- und materialwissenschaftlichem Hintergrund.

Das NMI wird durch das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg unterstützt und ist Mitglied der Innovationsallianz Baden-Württemberg, einem Zusammenschluss von 12 außeruniversitären, wirtschaftsnahen Forschungsinstituten.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/startschuss-fuer-den-forschungscampus-biomedtech-im-technologiepark-reutlingen-tuebingen/