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Acrovis biostructures: Aller Anfang ist wichtig

Gezieltes Wirkstoffdesign mit avancierter Plattformtechnologie, die frühzeitig die natürliche Dynamik von Wirkstoff und Ziel berücksichtigt – das junge Ulmer biopharmazeutische Unternehmen Acrovis biostructures GmbH besitzt die Instrumente, um Arzneistoffe optimal von der Struktur her bestimmen zu können.

Am Anfang entscheidet sich vieles: Zu Beginn der Entwicklung wird die Struktur des Arzneistoff-Kandidaten festgelegt. In späteren Phasen können Fehlschläge leicht Millionen kosten. „Deshalb“, erläutert Firmengründer Thomas Haehner die Philosophie von Acrovis, „richten wir unser ganzes Augenmerk auf den Beginn der pharmazeutischen Wertschöpfungskette“.

Die im Oktober 2008 gegründete Firma macht keine halben Sachen. Sie setzt auf ein solides Mischmodell, das einerseits Wirkstoffdesign für pharmazeutische Unternehmen als professionelle Dienstleistung anbietet und andererseits eigene Wirkstoffe entwickelt.

Biophysikalisches Labor im Ulmer Raum: nächste Entwicklungsstufe

Firmengründer Dr. Thomas Haehner © Acrovis

Nach einer erfolgreichen Einstiegsphase, in der Acrovis erste Aufträge bei Pharma und Biotech akquirierte, nimmt das Unternehmen in diesen Tagen die nächste Entwicklungsstufe in Angriff. Mitte 2010 wird ein biophysikalisches Labor im Raum Ulm eingerichtet und das Geschäft ausgeweitet.

In den nächsten zwei Jahren will sich das Unternehmen auf dem europäischen Markt etablieren, ehe es Nordamerika ins Visier nimmt, berichtet Geschäftsführer und Gründer Dr. Thomas Haehner.

Grundlage des Geschäftsmodells ist die Acrodyn-Plattformtechnologie, die aber über den beschränkten Ansatz des rationalen Wirkstoffdesigns hinausreicht und ein Stück weit der idealen Wirkstoffentwicklung entgegenzukommen versucht.

Acrovis will die dynamischen Wechselwirkungen von Proteinen besser erfassen. © Acrovis

Arzneistoff-Targets wie Proteine, erläutert Geschäftsführer Thomas Haehner, sind keine statischen Systeme, sondern verhalten sich dynamisch, nehmen verschiedene Konformationen ein, verändern durch Bindung an chemischen Substanzen ihre Struktur. Acrovis will diese dynamischen Wechselwirkungen besser erfassen, die Konformationen verschiedener Proteintargets berücksichtigen und damit die Trefferquote möglicher Arzneistoffkandidaten erhöhen.

Dies geschieht über ein neu entwickeltes bioinformatisches Werkzeug, das auf der Fragment-based-Methode aufsetzt und gerade aufgebaut wird, anhand virtueller als auch real molekularer Bruchstücke. „Mit unserer hochkompetitiven Technologie und unserer Exzellenz im Bereich der dynamischen Protein-Liganden-Interaktion sind wir auf einem hervorragenden Weg zur Arzneistoffentwicklung“, streicht Haehner die Kompetenz des jungen Unternehmens heraus.

Nicht nur die Affinität zum Target zu maximieren, sondern frühzeitig klären, wie die Substanz im Organismus wirkt – das ist der neue Ansatz von Acrovis, der systembiologische, pharmakologische, toxikologische und pharmakokinetische Fragen einbezieht. Schon am Rechner wird überprüft, ob frühe Kandidaten mit toxikologischen Targets wechselwirken, welche pharmakokinetischen Eigenschaften sie besitzen.

Am Wirkort ankommen – ohne Nebenwirkungen

Diese In-silico-Erkenntnisse werden früh in vitro kombiniert und in einem späteren Stadium in Tierversuchen erprobt. Das Ziel: Substanzen sollen dort ankommen, wo sie wirken sollen, möglichst ohne toxische Nebenwirkungen. „Die Mehrzahl der entwickelten small molecules kommt gar nicht adäquat am Wirkort an, weil die pharmakokinetischen Eigenschaften nicht passen. Da werden viele Fehler gemacht“, umreißt Haehner das Problem, das Acrovis zu lösen verspricht. „Wir machen Grundlagen für Grundlagen“, beschreibt Haehner die Funktion von Acrovis, durch Neuerungen in der Arzneistoffentwicklung größeren wie kleineren Firmen bessere Arzneistoffentwicklung und damit eine erfolgreichere Gesamtentwicklung zu ermöglichen. Das sei wie eine Art Kristallisationskeim mit einer Vielzahl möglicher Ausprägungen.

Forschen in Indikationen und Discovery-Technologien

Mitgründer und geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor: Dr. Torsten Diesinger © Acrovis

Die Feuertaufe hat Acrovis schon bestanden, die Technologie hat andere überzeugt und sich bewährt. Aus ihr ist ein präklinischer Wirkstoffkandidat hervorgegangen, der sich den sogenannten Stress-Response-Mechanismus zunutze macht und gerade weiter entwickelt wird. Weitere sollen folgen. Haehner sieht Potenzial für weitere wirklich neue Substanzen (first-in-class) und für den Ausbau und die Fortentwicklung der strukturbasierten rationalen Wirkstoffentwicklung. „Unsere Stärke ist, dass wir nicht nur in Indikationen forschen, sondern auch in den Discovery-Technologien“.

Das Ulmer Unternehmen selbst ist finanziell solide aufgestellt. Die siebenstelligen Entwicklungskosten decken eine Bank und private Kapitalgeber ab, verrät der Geschäftsführer, dessen Team gleichermaßen wissenschaftlich-forschendes Know-how und ökonomische Expertise vereint.

Wissenschaftliche und ökonomische Expertise

Dr. Radovan Dvorsky, Experte für computergestützte Arzneistoffentwicklung © Acrovis

Das Unternehmen ist nicht nur auf die beiden Gründer und Mediziner Thomas Haehner und Torsten Diesinger, der zugleich auch Biologe ist, ausgerichtet. Von zentraler Bedeutung sind desgleichen die Bereiche computergestützte Wirkstoffentwicklung und Bioinformatik (Dr. Radovan Dvorsky) sowie die Strukturbiologie (Dr. Alfred Lautwein). Mit Dr. Roman Denk verantwortet ein Firmengründer und langjähriger Pharmamanager die Geschäftsentwicklung. Ein eng geknüpftes Netzwerk akademischer Partnerschaften, allen voran mit dem Direktor des Ulmer Instituts für physiologische Chemie, Prof. Thomas Wirth, treibt die Forschung in den Indikationen Leber und Niere voran.
Die Acrovis biostructures GmbH verfolgt nach Einschätzung ihres Geschäftsführers ein solides, langfristig angelegtes Geschäftsmodell, wie es für viele Mittelständler in Baden-Württemberg typisch sei. Dank des Vorsprungs in den Discovery-Technologien, der mit viel Kapital und Forschung gesichert und ausgebaut werden soll, verfügt das Unternehmen über einen langen Atem, ist sich Haehner sicher.

Organisches Wachstum durch Dienstleistung und eigene Entwicklung

Zunächst wird Acrovis am Standort Ulm zur weiteren Kundenakquise ein biophysikalisches Labor errichten, ehe 2013 an der US-Ostküste eine Niederlassung errichtet werden soll. Unterdessen will das Unternehmen organisch auf rund 20 Mitarbeiter wachsen und neben dem Dienstleistungsgeschäft auch weitere frühe Eigenentwicklungen vorantreiben, um diese dann an der Seite größerer Partner in die klinische Testung zu bringen. Wenn Haehner das Zukunftspotenzial des Standorts und seiner Heimatstadt Ulm ausdrücklich lobt, meint er wohl auch die dynamische Entwicklung seines eigenen Unternehmens.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/acrovis-biostructures-aller-anfang-ist-wichtig