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amcure GmbH erforscht neuen Wirkstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Die amcure GmbH hat eine Substanz mit neuartigem Wirkprofil gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs identifiziert. Die bisherigen Versuche an Tiermodellen sehen vielversprechend aus: Dort verhindert der Wirkstoff-Kandidat erfolgreich das Tumorwachstum und vernichtet bereits vorhandene Metastasen. Momentan gestaltet das 2011 aus dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hervorgegangene Unternehmen seine erste Finanzierungsrunde und ist auf der Suche nach weiteren, geeigneten Geldgebern. Parallel dazu plant es sorgfältig seine Zukunft, um die Entwicklung des Angiogenese-Hemmers strukturiert und zielgerichtet voranzubringen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, gilt als tückische Krebsart. Dieser Tumor bleibt über viele Jahre hinweg ohne Symptome und wird deshalb erst in einem sehr späten Stadium diagnostiziert. Meist hat der Primärtumor dann bereits Metastasen gebildet. „In Amerika stehen Pankreastumoren auf Platz vier der häufigsten Krebsarten, in Europa auf Platz fünf“, erklärt Dr. Matthias Klaften, Geschäftsführer der am KIT Campus Nord ansässigen amcure. „Eine wirksame Therapie gibt es nicht, die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nur drei bis fünf Prozent, alle anderen Patienten sterben innerhalb dieses Zeitraums“.

Von der Grundlagenforschung zur Firmengründung

Dr. Alexandra Matzke, Gründerin, Geschäftsführerin und Wissenschaftliche Leitung der amcure GmbH © amcure GmbH

Dr. Alexandra Matzke, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin der amcure, legte mit ihrer Promotion den Grundstein der Firma. Ihre Doktorarbeit baut auf den langjährigen Forschungsarbeiten der Privatdozentin und Arbeitsgruppenleiterin Dr. Véronique Orian-Rousseau auf, die am Institut für Toxikologie und Genetik des KIT die Rolle der Rezeptortyrosinkinasen (RTKs) c-Met und VEGFR-2 bei der Tumorentwicklung untersucht und eine wichtige Rolle des Korezeptors CD44v6 für diese RTKs entschlüsselte. Matzke entwickelte eine Strategie, diesen Korezeptor und somit von ihm abhängige RTKs zu hemmen. „Als Krebsforscher wollten wir herausfinden, ob man diesen Korezeptor durch kurze Peptidsequenzen inaktivieren kann, was einem Aushungern des Tumors gleichkommen würde“, erinnert sich die 36-jährige Biologin.

Während dieser Versuche zeigte eine Substanz eine auffallend gute Wirkung. „Als wir die ersten Daten sahen, waren wir ganz euphorisch, so eindeutige Ergebnisse sieht man nicht alle Tage.“ Danach begann die eigentliche Arbeit, die Verifizierung der Daten. Das Innovationsmanagement des KIT hat der jungen Wissenschaftlerin während dieser Zeit finanziell und beratend große Hilfe geleistet. Auch ohne Gelder der Helmholtz-Gemeinschaft und des Exist-Forschungstransferprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie wäre das Projekt nicht machbar gewesen. Im Dezember 2011 war es dann so weit: Drei Wissenschaftler und ein Mitarbeiter des Innovationsmanagements gründeten die amcure GmbH, deren Name aus den Worten “angiogenesis“, „metastasis“ und „cure“ abgeleitet wurde.

Selektive Ansprache von Krebszellen

Das verheißungsvolle Molekül AM001 besteht aus einer linearen Kette von gerade einmal fünf Aminosäuren. Dieses Peptid bindet an den Korezeptor CD44v6, blockiert damit spezifisch den Prozess der Angiogenese und verhindert somit die Entstehung neuer Blutgefäße, die für das Wachstum des Tumors und für die Bildung von Metastasen notwendig sind. Auch konnten die Forscher beobachten, dass der Wirkstoff im Tierversuch zu einer Rückbildung bösartiger Zellen führt. „Alle klassischen, bereits auf dem Markt zugelassenen Angiogenese-Inhibitoren binden an RTK selbst oder verhindern die Bindung des Liganden an den Rezeptor. Die meisten Medikamente unterbinden die Signalweiterleitung durch die RTK entweder unselektiv, oder aber etliche Signalwege innerhalb der Zelle und wirken somit wie Breitbandinhibitoren", erklärt Matzke. „AM001 hingegen adressiert lediglich wenige Signalwege, und das Zielmolekül CD44v6 kommt in großen Mengen fast ausschließlich auf Tumorzellen vor. Hiervon versprechen wir uns eine wesentlich selektivere Wirkung.“ AM001 hat noch weitere Vorteile gegenüber bisherigen Ansätzen: „Unser Peptid ist klein und kann somit relativ schnell an den Wirkort gelangen. Im Vergleich zum Antikörper bindet es spezifischer und wird schneller abgebaut, was zu einer guten Verträglichkeit beim Patienten führen kann", schildert Matzke mit berechtigtem Stolz die Vorteile. Last but not least dürften die Produktionskosten im Vergleich zum Antikörper niedriger liegen.

Strategische Geschäftsplanung

Dr. Matthias Klaften, Gründungsmitglied und Geschäftsführer der amcure GmbH aus Karlsruhe. © amcure GmbH
Eine professionelle Geschäftsplanung steht bei den jungen Unternehmern an oberster Stelle. In naher Zukunft werden die bisherigen Ergebnisse an weiteren Modellen untersucht, die Spezies-Spezifität optimiert, erste Dosis-Wirkungs-Studien und toxikologische Untersuchungen durchgeführt, um unerwünschte Nebeneffekte auszuschließen. „Wir rechnen, in zwei bis drei Jahren die präklinische Phase der Medikamentenentwicklung abgeschlossen zu haben“, so der Geschäftsführer.

Trotz bester Forschungsdaten spürt das Unternehmen den flauen Wind der deutschen Investmentlandschaft. „Deshalb beruht unser Konzept auf einer projektorientierten Geschäftsplanung. Das heißt, wir wollen die Entwicklung von AM001 in einer sehr schlanken Organisation vorantreiben", erläutert Klaften seine Strategie, die Entwicklung des Medikaments mit möglichst wenig Kapitalaufwand voranzubringen. „Wir beabsichtigen, uns in einem Netzwerk an Partnern und Zulieferern zu bewegen und auf deren Expertise zurückzugreifen. Unser Part wird sich dann auf das Projektmanagement konzentrieren.“
Die amcure GmbH plant sorgfältig ihre Zukunft, um den vielversprechenden Wirkstoff-Kandidaten gegen Pankreaskrebs erfolgreich in die klinische Phase zu bringen. © amcure GmbH

Da der Korezeptor auch auf der Zelloberfläche anderer Krebsarten vorkommt, ist es denkbar, dass der proprietäre Wirkstoff auch bei Krebsarten wie Brust- und Darmkrebs sowie Kopf-Hals-Tumoren helfen könnte. „Aus Kapazitätsgründen können wir aktuell leider nicht all diese Richtungen verfolgen, wollen aber mittelfristig unser Portfolio erweitern“, so Klaften. Die Idealvorstellung des Management-Teams wäre, den Medikamentenkandidaten nach der klinischen Phase II an die pharmazeutische Industrie zu übergeben. Dann liegen gesicherte Patientendaten vor, und das Risiko eines Fehlschlags wäre deutlich gesunken.

Zwei wichtige Förderpreise gewonnen

Die amcure konnte die Jury des Hightech-Award CyberOne 2012 (Hightech Award CyberOne: von der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected – bwcon gestifteter Preis) gleich zweimal überzeugen: Sie erhielt den zweiten Preis für den besten Businessplan sowie den Sonderpreis des Landes für die beste Forschungskommerzialisierung. „Diese Preise stellen einen wichtigen Meilenstein für uns dar. Es zeigt, dass unsere Daten und unser Konzept nicht nur von Fachleuten, sondern auch von einem breiten Publikum verstanden werden. Nun arbeiten wir weiter daran, noch weitere Geldgeber von unserem Konzept zu überzeugen“, so das Kalkül des Geschäftsführers.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/amcure-gmbh-erforscht-neuen-wirkstoff-gegen-bauchspeicheldruesenkrebs