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"Auf Messers Schneide": Der Cluster bekommt ein Gesicht

Die Stadt Tuttlingen gilt als "Weltzentrum der Medizintechnik" und liegt im Cluster-Kern der "MedCare TechArea". Seit ein paar Wochen sind die Stadt an der Donau und ihre Menschen die "Stars" bei den Dreharbeiten für einen Dokumentarfilm. Dieser soll unter dem Titel "Auf Messers Schneide" Ende des Jahres bundesweit in den Kinos anlaufen.

Nicht weniger als 400 Betriebe in und um Tuttlingen bilden eine einzigartige Ansammlung von Medizintechnik-Unternehmen. Spannend wie die jahrzehntelange Erfolgsstory dieser Branche sind auch die Geschichten der Menschen, die damit in Verbindung stehen: sei es der Handwerker mit dem Ein-Mann-Betrieb oder die Geschäftsführerin eines international tätigen Unternehmens. Die Porträts dieser Persönlichkeiten und die Dokumentation der dramatischen Veränderungen, die auf diese Menschen im Zusammenhang mit der Globalisierung zukommen, geben ausreichend Stoff für einen Film. Demzufolge haben die Regisseure Sören Lauinger und Ephraim Broschkowski mit ihrer achtköpfigen Filmcrew nicht nur Tuttlingen sowie Kliniken in Stuttgart und Tübingen als Drehorte ausgewählt, sondern werden auch zu weiteren Zentren der Medizintechnik-Industrie nach Singapur und Pakistan reisen.
Die Regisseure Sören Lauinger (rechts) und Ephraim Broschkowski bei den Dreharbeiten
Die Regisseure Sören Lauinger (rechts) und Ephraim Broschkowski bei den Dreharbeiten (Foto: fechner Media/Kai Splitthoff)

Regisseur, Produktmanager und Student in einer Person

"Ich habe den Drang, von diesem Spitzencluster, den wir hier in der Medizintechnik haben, zu erzählen", erklärt Sören Lauinger seine Intention. Hauptberuflich ist er im Produktmanagement bei der Firma Aesculap tätig, was für die Filmarbeiten von Vorteil war. Als Brancheninsider sei es leichter, "Zugang zu den oft nur hinter vorgehaltener Hand offenbarten Wahrheiten" zu finden, bekennt Lauinger. Einen weiteren Impuls gab das Master-Studium "Medical Devices & Healthcare Management" an der International Business School Tuttlingen (IBST). Globalisierung in den unterschiedlichsten Facetten war während des berufsbegleitenden Studiums ein wichtiges Thema. So lag es nahe, dass Sören Lauinger das Konzept für seinen Film als Master-Arbeit zum Studienabschluss eingereicht hat.

Medizintechnik zwischen Tradition und Moderne

Vor mehr als 140 Jahren begannen die ersten Instrumentenbauer in Tuttlingen mit der handwerklichen Herstellung medizintechnischer Instrumente wie Skalpelle, Scheren, chirurgische Klemmen und Pinzetten. Daraus haben sich Kleinstbetriebe in Kellern und Wohnhäusern entwickelt, bis hin zu heutigen Hightech-Unternehmen. Doch vieles, was Tuttlingen geprägt hat, wird es so in naher Zukunft nicht mehr geben. So stellt sich die Frage, welchen Platz der historisch gewachsene Cluster in einer weltweit verknüpften Hightech-Branche einnehmen kann. Der Film wird jedoch nach Aussagen der Regisseure nicht nur wirtschaftliche Zusammenhänge dokumentieren, sondern dem Cluster vor allem ein persönliches Gesicht geben. So lernt der Zuschauer den 78-jährigen Handwerker in seiner Kellerwerkstatt ebenso kennen wie Dr. Sybill Storz, Geschäftsführerin eines führenden Unternehmens. Mentalitäten, Temperamente und Eigenheiten, aber auch Strategie und Kalkül bestimmen das Handeln der Tuttlinger – beim Kampf um die eigene wirtschaftliche Existenz ebenso wie bei dem gegen die größer werdende Konkurrenz aus Pakistan.

Bekanntheitsgrad ist gestiegen

Während der diesjährige Absolvent der IBST sein Filmprojekt vorantreibt, beginnt für die Bewerber, die am 2. Oktober 2008 das Master-Studium "Medical Devices & Healthcare Management" beginnen wollen, das Auswahlverfahren in Form von Eignungsgesprächen. "Die Bewerberzahlen für unseren betriebswirtschaftlichen Aufbaustudiengang sind seit vergangenem Jahr um 50 Prozent gestiegen", freut sich Dr. Theophil Rieger, der Leiter der IBST. Das verstärkte Interesse – auch aus dem europäischen Ausland – mag nicht zuletzt das Engagement der IBST und der kooperierenden Hochschule Reutlingen beim Spitzencluster "Medizintechnik und Gesundheit Tuttlingen/Neckar-Alb" – "MedTech CareArea" bewirkt haben.

Or – 02.08.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/auf-messers-schneide-der-cluster-bekommt-ein-gesicht