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Bachelor- und Masterabsolventen - Am Ende zählt die persönliche Eignung

Die Vetter Pharma GmbH aus Ravensburg ist in den letzten Jahren beständig gewachsen: 2011 wurden 300 neue Mitarbeiter eingestellt, 2012 sollen noch einmal 350 dazukommen. Das Unternehmen sucht händeringend nach jungen Fachkräften, um das Wachstum zu managen. Was bedeutet das für die Einstiegschancen von Bachelor- und Masterabsolventen? Im Interview spricht Christiane Priebe, Abteilungsleiterin Personalentwicklung bei Vetter Pharma, über Einstellungskriterien, Möglichkeiten der Weiterbildung und das Angebot eines dualen Studiums in ihrem Unternehmen.

Christiane Priebe, Abteilungsleiterin Personalentwicklung bei Vetter Pharma, berichtet über die Chancen von Bachelor- und Masterabsolventen in ihrem Unternehmen. © Vetter Pharma GmbH

BIOPRO: Ihr Unternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Können Sie genauer beschreiben, wie es zu diesem Wachstum gekommen ist und welche Konsequenzen sich für die Einstellung von Hochschulabsolventen ergaben? Wie viele Stellen werden in diesem und im nächsten Jahr für Hochschulabsolventen frei?

Christiane Priebe: In der Tat haben wir gerade wegen des erfolgreichen Wachstums der letzten Jahre verstärkt viele neue Mitarbeiter* eingestellt, darunter auch viele Bachelor- und Masterabsolventen. 2012 waren es 30 Absolventen. Für 2013 rechnen wir mit einer ähnlichen Anzahl von Absolventen, die nach ihrem Abschluss zu uns kommen. Zudem schauen wir auf den Zusatzbedarf unserer Fachabteilungen und greifen auf bereits bekannte Studierende zurück, die bei Vetter ein Praktikum gemacht haben oder ihre Diplomarbeit geschrieben haben. Darüber hinaus nutzen wir die bekannten Rekrutierungswege und versuchen auch junge Menschen aus weiter entfernten Regionen für die Oberschwaben- und die Bodenseeregion zu begeistern. Denn wenn Sie nach getaner Arbeit die Firma verlassen, sind Sie dort, wo andere Urlaub machen.

Welche Anforderungen sind Ihnen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter am wichtigsten, und inwiefern entsprechen Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen sowie Doktoranden diesen Anforderungen? Hat der Abschluss Priorität oder sind Ihnen spezielle Charaktereigenschaften und fachliches Wissen wichtiger?

Am wichtigsten ist neben einem guten bis sehr guten Abschluss und dem fachlich erworbenen Wissen die persönliche Eignung. Wir bieten unseren Kandidaten vorab ein Assessment Center an, welches auf die für Vetter relevanten Kompetenzen schaut. Darüber hinaus finden mehrere Gespräche mit Fachabteilungen und Human Resources (HR) statt.

Welcher Abschluss ist in den Stellenbewerbungen am häufigsten vertreten, und welche Beschäftigungsfelder bieten Sie für Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen sowie Doktoranden an? Gibt es bei Ihnen für Bachelorabsolventen spezielle Weiterbildungsmöglichkeiten?

Die Abschlüsse in den Stellenbewerbungen sind bei Vetter durchaus ausgewogen. Wir bilden für fast alle Bereiche des Unternehmens aus, und entsprechend kommen unsere Absolventen unternehmensweit unter. Einsatzbereiche sind insbesondere die Qualitätssicherung, die Qualitätskontrolle und die pharmazeutische Produktion. Zum Teil bilden wir eigene Bachelorstudenten aus, rekrutieren aber auch Bachelor- und Masterstudenten vom Markt. Die Bachelorstudenten, die wir selbst ausbilden, verfügen über entsprechende Vetter-Erfahrung. Sie sind zum Beispiel im Projektmanagement ausgebildet und haben bereits eigene Projekte betreut. Den extern rekrutierten Bachelorabsolventen steht der Vetter Campus offen mit vielfältigen Angeboten, zum Beispiel zu den Vetter-Prozessen, aber auch Englisch und Kommunikation werden angeboten.

Die neuen Studiengänge sollen praxisorientierter strukturiert sein und mehr Wert auf Schlüsselqualifikationen legen. Inwiefern stellen Sie in diesen Punkten Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterabsolventen auf der einen Seite und Diplomabsolventen auf der anderen Seite fest? Ist beispielsweise die Nachfrage nach Praktika mit der Einführung der neuen Studiengänge gestiegen?

Beim Bachelorabsolventen reicht häufig die Tiefe der Praxiserfahrung noch nicht aus, weil die Zeit der Ausbildung zu kurz ist. Beim Masterabsolventen überzeugt die fundierte fachliche Ausbildung und der gegebenenfalls starke Praxisbezug, der durch eine Masterthesis in vielen Fällen gegeben ist. Die fachlichen Kenntnisse sind bei Diplom- und Masterabsolventen der technischen Universitäten meist gleich gut ausgeprägt. Entscheidend sind jedoch auch die fachlichen Schwerpunkte der Hochschule, ihr Forschungsschwerpunkt sowie ihre Professoren und Dozenten.

Ja, die Nachfrage nach Praktika steigt, da ohne Praxis ein erfolgreicher Berufseinstieg auch bei Vetter nicht vorstellbar ist, es sei denn, man studiert an der Dualen Hochschule.

Fühlen Sie sich durch das Wachstum des Unternehmens dazu veranlasst, auch Absolventen einzustellen, die im Unternehmen noch besonders weitergebildet werden müssen?

Ja, als Pharmadienstleister stehen bei Vetter beim Start aller neuen Mitarbeiter pharmazeutische Prozesse im Mittelpunkt. In diese Prozesse muss sich jeder in Tiefe einarbeiten.

Würden Sie lieber Diplom- als Masterabsolventen einstellen, wenn Sie die Wahl hätten?

Bei guten Hochschulen ist der Unterschied nicht unbedingt relevant. Es hängt aber von der jeweiligen Fachrichtung ab. Am Ende macht die einzelne Person den Unterschied!

Zu sehen sind Azubis von Vetter: Durch beständiges Wachstum kam es in den letzten Jahren verstärkt zur Einstellung von neuen Mitarbeitern – neben Azubis auch Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen.
Durch beständiges Wachstum kam es in den letzten Jahren verstärkt zur Einstellung von neuen Mitarbeitern – neben Azubis auch Bachelor-, Master- und Diplomabsolventen. © Vetter Pharma GmbH

Durch die Einführung der Studienabschlüsse Bachelor und Master sollten die Studienabschlüsse europaweit vergleichbar und die Durchführung von Auslandssemestern erleichtert werden. Wie wichtig ist Ihnen Auslandserfahrung als Einstellungskriterium? Sind Sie in diesem Punkt mit den Bewerbern zufrieden, und könnten Sie sich vor dem Hintergrund der europaweiten Vereinheitlichung der Studiensysteme besser vorstellen, Absolventen aus dem Ausland einzustellen?

Auslandserfahrung und ein gutes Englisch sind für Vetter als international ausgerichtetes Unternehmen grundsätzlich wünschenswert, zum Beispiel gewonnen im Rahmen eines Praktikums. Vetter ist auch offen für ausländische Studierende aus den europäischen Ländern wie auch anderen Ländern der Welt.

War die Umstellung auf das Bachelor/Master-System für Sie von Vorteil oder hätten Sie gerne am alten System festgehalten?

Vetter hat sich auf die Umstellung sehr gut eingestellt. Wir schauen auf die persönliche Eignung und die Fähigkeiten. Wir wissen, dass beim Bachelor in der Regel eine weitere Qualifizierung notwendig ist. Wenn Vetter einen Absolventen einstellt, dann kann er sich berufsbegleitend weiterbilden, etwa um die notwendigen pharmazeutischen, technischen oder betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.

Sind Bachelorabsolventen für die Herausforderungen in einem Unternehmen wie Vetter gewappnet oder eher noch „ungeschliffene Diamanten“, sodass Sie Studierenden eher raten, den Master in Angriff zu nehmen, um bessere Chancen für eine Einstellung zu haben?

Sie sind gewappnet, werden aber, wie bereits erwähnt, durch eine gezielte Einarbeitung noch weiter gestärkt. Auch die Masterabsolventen kommen ja nicht fertig ins Unternehmen. Gegebenenfalls ist auch hier Qualifizierung notwendig. Wenn wir einen Master empfehlen sollen, dann berufsbegleitend, nicht -ersetzend.

Sie bieten auch ein duales Studium an. Welche Vor- und Nachteile bietet ein duales Studium im Vergleich zu einem Bachelorstudium an einer Universität oder Hochschule?

Für uns zählt der Praxisbezug. Wenn wir einen Bachelorabsolventen einstellen, bevorzugen wir die Absolventen mit einem Hochschulstudium an einer Dualen Hochschule. Bei einem Bewerber einer Hochschule für angewandte Wissenschaften oder einer Universität schauen wir auf die Anzahl der Praktika. Am Ende des Tages aber zählt die persönliche Eignung, also die Frage, ob der Kandidat oder die Kandidatin zu Vetter passt und vor allem auch umgekehrt.

* Personen und Funktionsbezeichnungen gelten jeweils in weiblicher und männlicher Form.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/bachelor-und-masterabsolventen-am-ende-zaehlt-die-persoenliche-eignung