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Beeinflusst der Genotyp die Wirkung von EGF-R-Hemmern?

Forscher der Ulmer Uniklinik untersuchen, inwieweit das Erbgut von Patienten die Wirkung und Verträglichkeit bestimmter Krebsmedikamente beeinflusst. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung mit 90.000 Euro geförderten Vorhaben erforschen die Pharmakologin Julia Kirchheiner und der Onkologe Thomas Seufferlein die pharmakogenetische Bedeutung von Wirkstoffen, die den Rezeptor des epidermalen Wachstumsfaktors (EGF-R) hemmen. Diese werden in so genannten gezielten Krebstherapien eingesetzt und sollen das Tumorwachstum unterbinden.

Patienten, die Hemmstoffe wie Cetuximab, Erlotinib, Gefitinib oder Panitumumab erhalten, leiden häufig in den ersten Wochen an starkem Hautausschlag mit Rötung und Pickeln auf großen Teilen der Körperoberfläche. Wie stark die Hautreaktion beim einzelnen Patienten ausfällt, ist nicht vorherzusehen.

Grad der Hauttoxizität weist auf Wirksamkeit der Arznei hin

Unerwünschte Nebenwirkungen von Krebsarzneien. (Foto: AG Kirchheiner)
Diese unerwünschten medikamentösen Nebenwirkungen auf die Haut geben allerdings für die Krebstherapie wertvolle Aufschlüsse.
Entwickelt ein mit EFG-R-Hemmern behandelter Patient Hautveränderungen wie Schuppen, Rötungen oder Pickel, sei dies ein Hinweis auf eine besonders starke Wirkung des Medikaments. Patienten, denen bis zum Auftreten des Hautausschlages eine erhöhte Dosis dieser Hemmstoffe verabreicht wurde, sprachen auf die Therapie besser an. Dies haben nach Angaben der Stiftung Studien gezeigt.

Im Ulmer Projekt werden bei 400 mit diesen Krebsmedikamenten therapierten Patienten die genetischen Faktoren untersucht, die eine mehr oder weniger schwere Hautreaktion zur Folge haben. Außerdem soll an Zellkulturen aus Hautproben von gesunden Personen mit unterschiedlichen Genotypen getestet werden, inwieweit diese Varianten die Signalübermittlung in der Zelle beeinflussen.

Reaktion des Patienten abschätzen lernen

Das Projekt zielt auf ein besseres Verständnis der funktionellen Bedeutung von genetischen Varianten in Genen der EGF-R hemmenden Wirkung ab, so dass eine erste Einschätzung möglich ist, wie ein Patient auf die Gabe eines EGF-R Hemmstoffes reagiert. Dies könnte unter Umständen eine individuelle Dosierung gleich zu Beginn der Therapie zur Folge haben, oder auch andere therapeutische Strategien bei Patienten, deren pharmakogenetisches Profil eine eher schwachen Wirkung erwarten lässt.

Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung - 13.08.08, (P, wp 20.08.08)
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/beeinflusst-der-genotyp-die-wirkung-von-egf-r-hemmern