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Berufseinstieg mit Bachelor: Erfahrungen einer Absolventin

Ob man mit einem Bachelorabschluss den Einstieg in ein Unternehmen schaffen kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Vertreter aus der Wirtschaft betonen immer wieder, Bachelorabsolventen seien bei ihnen willkommen. Gleichzeitig hält sich aber bei Studierenden häufig die Auffassung, dass für den Berufseinstieg ein Masterabschluss oder eine Promotion notwendig seien. Zumindest Julia Bottlang hat den Einstieg als Bachelor of Science geschafft: Nach einem Praktikum am Ende ihres Bachelorstudiums wurde sie von der Konstanzer Firma GATC Biotech fest eingestellt. Trotz ihres Erfolgs sieht aber auch sie noch an vielen Stellen des Bachelorstudiums Nachbesserungsbedarf.

Sequenzierdienstleistungen und bioinformatische Software gehören zu den Angeboten von GATC Biotech. © GATC Biotech AG

Seit 2010 arbeitet Julia Bottlang nun schon bei der GATC Biotech AG, die auf Sequenzierdienstleistungen und die Entwicklung bioinformatischer Software spezialisiert ist. Innerhalb des Unternehmens ist sie in der Abteilung Custom Sequencing beschäftigt, wertet Sequenzierdaten aus und beantwortet Nachfragen der Kunden zu ihren Aufträgen. In ihrer jetzigen Position profitiert sie von den Erfahrungen, die sie direkt nach ihrem Studienabschluss bei GATC Biotech gemacht hat: Das Unternehmen baute gerade ein neues Sequenzierlabor in London auf, Julia Bottlang wurde als Laborleiterin in der Produktion eingestellt. „Mit meinem Wechsel von der Produktion in den Technical Support lernte ich den Prozess aus einem anderen Blickwinkel kennen“, sagt sie heute. „Während ich damals vorrangig Daten produzierte, bin ich heute für deren Auswertung verantwortlich." Eine weitere Perspektive wird sich für sie bald eröffnen, wenn sie in den Bereich der neuen Sequenziertechnologien wechselt.

Den Einstieg in das Unternehmen schaffte Julia Bottlang über ein Praxissemester. In ihrem Bachelorstudium der Bio- und Prozesstechnologie an der Hochschule Furtwangen war ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Die Studentin bewarb sich bei fünf verschiedenen Unternehmen, hauptsächlich in ihrer Heimatregion. „Es ist gar nicht so leicht, sich zu verkaufen, wenn man noch gar nicht so genau weiß, was man zu bieten hat“, berichtet sie. Letztendlich hatte sie bei GATC Biotech Erfolg und legte damit den Grundstein für ihre weitere berufliche Laufbahn. Nach ihrem Praktikum bot ihr das Unternehmen eine Festanstellung an, die Stellensuche erübrigte sich damit für sie.

Bacheloreinführung: Die Wertschätzung fehlt noch

Julia Bottlang schaffte direkt nach ihrem Bachelorabschluss den Einstieg bei GATC Biotech. © GATC Biotech AG

Bei GATC Biotech ist Julia Bottlang bei weitem nicht die einzige Mitarbeiterin mit Bachelorabschluss – vielen ihrer Kollegen, beispielsweise im internationalen Außendienst, ist ebenfalls der Einstieg mit Bachelorabschluss gelungen. Offensichtlich zähle nicht allein der Studienabschluss, sondern auch der Eindruck, den die Absolventen im Unternehmen hinterlassen, folgert sie.

Dennoch wäre das Diplom ihr bevorzugter Abschluss gewesen, denn von den so oft genannten Vorzügen des Bachelorstudiums konnte sie zumeist nicht profitieren. Als sie 2006 ihr Studium an der Hochschule Furtwangen begann, war der neue Bachelorstudiengang gerade eingeführt worden. Der Name des Abschlusses änderte sich und Lehrveranstaltungen wurden in Modulen zusammengefasst, doch grundlegende konzeptuelle oder inhaltliche Veränderungen im Vergleich zum Diplomstudiengang konnte sie nicht erkennen. „Die Professoren behielten ihre Unterlagen und ihr Konzept, ein Praxissemester wurde gestrichen und schon hat man einen neuen Abschluss“, kommentiert sie.

Die Anforderungen blieben also gleich, die Wertschätzung des Bachelorabschlusses sei aber sehr viel geringer als die des Diploms. Immer wieder traf Julia Bottlang auf Stellengesuche an ihrer Hochschule, in denen alternativ nach Bachelorabsolventen oder Technischen Assistenten gesucht wurde. „Dass ein Bachelorabschluss in diesen Fällen mit einem Ausbildungsabschluss gleichgesetzt wird, ist schon etwas enttäuschend“, findet sie.

Pluspunkt des Bachelors: Wechsel ins Ausland gelingt leichter

Auch dass das Bachelorstudium durch eine höhere Praxisorientierung besser auf den Berufseinstieg vorbereite oder die Durchführung eines Auslandssemesters einfacher sei, kann Julia Bottlang aus ihrer Erfahrung heraus kaum bestätigen. Zwar ist auch im Bachelorstudium noch ein Praxissemester Pflicht, aber Diplomstudenten konnten sich für ihren Einblick in die Praxis noch zwei Semester Zeit nehmen. Ebenfalls haperte es bei der Anrechnung der Studienleistungen aus dem Ausland: Viele ihrer Kommilitonen mussten nach ihrem Auslandsaufenthalt ein Semester länger in Deutschland studieren. „In manchen Bereichen sehe ich aber auch Potenziale der neuen Studiengänge“, wägt Julia Bottlang ab. „Sie erleichtern beispielsweise die Fortsetzung des Studiums im Ausland.“

Ungeachtet ihrer Kritik fühlte sich Julia Bottlang durch ihr Bachelorstudium gut auf die Arbeit im Unternehmen vorbereitet. Die theoretischen Grundlagen für ihre Laborarbeit hatte sie im Studium vermittelt bekommen, ebenso wie Kenntnisse über die wesentlichen Prozessabläufe, die sie sich in zahlreichen Praktika aneignen konnte. Neu hingegen war es für sie, als Laborleiterin ein Team zu führen. „Zwar hatte ich Vorlesungen in Karrieremanagement oder Betriebsführung besucht, aber die Praxis sieht dann eben doch anders aus“, erzählt sie. Inwiefern der Einstieg in die Praxis durch Lehrveranstaltungen an der Hochschule erleichtert werden kann, weiß sie allerdings nicht. In jedem Fall plädiert sie für ein breit gefächertes Lehrangebot an den Hochschulen. „Das bewahrt das Interesse und bietet eine gewisse Selbstsicherheit“, ist sie sich sicher.

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