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BioMed X GmbH - Ein Heidelberger Innovationszentrum zwischen Academia und Industrie

Die im März 2013 gegründete BioMed X GmbH, Heidelberg, hat zusammen mit der Merck KGaA, Darmstadt, ein einzigartiges Innovationsmodell an der Schnittstelle von biomedizinischer akademischer Forschung und Pharmaindustrie-basierter Forschung entwickelt. Teams internationaler Toptalente bearbeiten produktorientierte Projekte, für die sie von der Industrie finanziert und von erfahrenen Mentoren betreut werden. Die jungen Forscher bringen dabei ihre eigenen Ideen ein und erhalten auch die Möglichkeit zu publizieren. Nach zwei bis vier Jahren können erfolgreiche Projekte entweder vom Industriepartner übernommen oder von BioMed X in Start-up-Unternehmen überführt werden.

„Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei biomedizinischen Innovationen zur Entwicklung von Medikamenten für morgen ist der Aufbau von Teams herausragender junger Wissenschaftler, die in einem inspirierenden akademischen Umfeld unter Anleitung erfahrener Mentoren aus Wissenschaft und Wirtschaft produktorientierte Forschungsprojekte bearbeiten“, erklärt Dr. Christian Tidona, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der BioMed X GmbH. Für diesen Zweck wurde das Unternehmen Anfang 2013 gegründet.

Ein Innovationskonzept „Outside the Pharma Box“

Teambildung im BioMed X Boot Camp. © BioMed X

Das Innovationsmodell von BioMed X steht für eine neue Form der Kooperation zwischen akademischer Forschung und Pharmaindustrie-basierter Forschung. Es bietet „Biomedical Innovation Outside the usual Pharma Box“ und wendet sich an junge internationale Toptalente der Life Sciences, die ihre Kreativität in die Initiierung präklinischer Forschungs- und Entwicklungsprojekte einbringen, deren Themen von der Industrie vorgegeben worden sind.

Die Wissenschaftler arbeiten für die Dauer von zwei Jahren (mit einer möglichen Verlängerung um weitere zwei Jahre) in bis zu achtköpfigen interdisziplinären Projektgruppen gemeinsam in einem großen, offen gestalteten Forschungslabor im Technologiepark Heidelberg, dem BioMed X Innovation Center. Jedes Team wird von ausgewiesenen Experten betreut – einem Professor der Universität Heidelberg, einem Abteilungsleiter des Sponsors, also des Unternehmens, welches das jeweilige Projekt eingebracht hat und finanziert, sowie einem Team-Coach. Die jungen Talente verwirklichen dabei ihre Ideen und sollen die erhaltenen Ergebnisse auch in angesehenen wissenschaftlichen Journalen publizieren können. Mit einem solchen Kooperationsmodell wird die Projektarbeit auch für hochbegabte Jungakademiker attraktiv, die ihre weitere wissenschaftliche Karriere im Auge haben und sich normalerweise nicht um einen Job in der Pharmaindustrie bewerben würden.

Vorteile für den Pharma-Sponsor

Teilnehmer am BioMed X Boot Camp im Mai 2013. © BioMed X

Jedes für ein BioMed X Forschungsstipendium ausgewählte Team wird für die Projektlaufzeit durch einen Sponsor aus der Pharma- oder Biotech-Industrie finanziert. Dieser verspricht sich davon nicht nur innovative Ansätze für eigene Produktentwicklungen, sondern am Ende auch einen Zustrom kreativer Talente. Der Sponsor gibt das zu bearbeitende Thema, das Topic, vor. Das Projekt wird von einem Topic Committee geleitet, zu dem neben dem Gruppenleiter ein Vertreter des Sponsors, der akademische Mentor sowie der Team-Coach gehören. Das Topic Committee berichtet dem Joint Steering Committee aus Vertretern von BioMed X und dem jeweiligen Pharma-Partner über die Projektfortschritte.

Ziel des Projektes ist es, zu dem Thema ein Paket an geistigem Eigentum (IP) zu generieren, das vom Sponsor am Ende des Projekts gegen eine Einmalzahlung an BioMed X übernommen wird. Sollte das Pharmaunternehmen daran aber nicht interessiert sein, geht das IP-Paket ohne Zahlung auf die BioMed X GmbH über, die darüber frei verfügen kann. Sie kann zum Beispiel ein Start-up-Unternehmen daraus entwickeln. Als erster Sponsor konnte Merck Serono, die biopharmazeutische Sparte von Merck in Darmstadt, gewonnen werden. Tidona ist zuversichtlich, dass sich schon im Frühjahr 2014 ein weiterer Sponsor bei BioMed X engagieren wird.

Zwei der drei bisher von Merck ausgewählten Teams haben im Herbst 2013 ihre Arbeit bereits aufgenommen; das dritte folgt Anfang 2014. Die ersten Entwicklungsthemen – alle drei im Bereich der Krebsforschung – waren von Merck vorgegeben worden. Dabei geht es um die Identifizierung neuer Zielstrukturen im Zusammenhang mit dem Stoffwechsel und der Immunabwehr von Krebszellen sowie um Software zur Reduzierung von Nebenwirkungen neuer Krebsarzneimittel.

In der Zusammenarbeit von Merck und dem von Christian Tidona geleiteten BioRN Cluster Management der Biotechnologieregion Rhein-Neckar war auch das Konzept von BioMed X entwickelt worden. Das Modell basiert auf dem 2011 gestarteten Merck Serono Innovation Cup, einem jährlich durchgeführten Boot Camp für junge Talente. Der Leiter der Innovations-Abteilung von Merck Serono Dr. Ulrich Betz, der das Konzept für den Merck Serono Innovation Cup entwickelt hat, war auch an der Entwicklung des BioMed X Innovationsmodells maßgeblich beteiligt.

Ablauf der BioMed X Forschungsstipendien

Die Rekrutierung der Wissenschaftler erfolgt weltweit. Die Ausschreibungen für die Topics werden in internationalen Job-Portalen, über führende Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie über das Netzwerk der German Scholars Organization (GSO) bekannt gemacht. „Die Anzahl von über 500 Bewerbungen aus rund 60 Ländern im ersten Bewerbungslauf eines neu gegründeten Unternehmens zeigt, dass neben der Attraktivität des Arbeitsplatzes auch die Forschungslandschaft in und um Heidelberg einen Anreiz für junge Wissenschaftler aus aller Welt bedeutet“, erklärte Tidona. Die erhöhte weltweite Sichtbarkeit ist auch ein Gewinn für das gesamte Netzwerk der Biotechnologieregion Rhein-Neckar.

BioMed X Beirat und Steering Committee. Ganz links: Dr. Christian Tidona, Geschäftsführer BioMed X © BioMed X

Aus der großen Zahl der Bewerber werden für jedes Topic die besten Kandidaten für die Position des Forschungsgruppenleiters, für Postdoc-Positionen und postgraduierte Mitarbeiter ausgewählt und eingeladen, an einem fünftägigen Trainingsprogramm in Heidelberg, dem „BioMed X Boot Camp“, teilzunehmen. Hier werden die durchschnittlich fünfköpfigen Teams (je drei pro Topic) aufgebaut und Konzepte und Lösungsansätze für das jeweilige Topic erarbeitet. Anschließend präsentieren die Teams im Wettbewerb miteinander ihre Konzepte vor dem Joint Steering Committee, von dem das Gewinnerteam für die BioMed X Forschungsstipendien ausgewählt wird.

Während ihrer zwei- bis vierjährigen Forschungstätigkeit in der stimulierenden Umgebung des „Open Innovation“-Labors im BioMed X Innovation Center Heidelberg erhalten die Projektteams nicht nur ein intensives Coaching durch ihre akademischen und industriellen Mentoren, sondern auch ein hochqualifiziertes Training in Management und „Biotech Entrepreneurship and Leadership“. Das eröffnet ihnen die Option, nach Projektende statt einer akademischen Karriere auch eine auf Führungspositionen in einem Großunternehmen oder Biotech-Start-up zielende Karriere einzuschlagen.

Vielleicht können die Wissenschaftler nach ihrer zeitlich befristeten Tätigkeit bei BioMed X auch dauerhaft für die Region gewonnen werden, indem sie hier in ein Industrieunternehmen oder Forschungsinstitut wechseln. Davon würde auch die Metropolregion Rhein-Neckar profitieren. Der Gewinn im Spitzencluster-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums war für BioRN mit dem Ziel verbunden, Ergebnisse der biomedizinischen akademischen Forschung verstärkt in wirtschaftliche Wertschöpfung in der Region zu überführen. Die Gründung der BioMed X GmbH an der Schnittstelle zwischen Academia und Industrie und der erfolgreiche Start des BioMed X Innovation Centers sind für den BioRN Spitzencluster wesentliche Schritte, um dieses Ziel zu erreichen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/biomed-x-gmbh-ein-heidelberger-innovationszentrum-zwischen-academia-und-industrie