zum Inhalt springen
Powered by

Biopharm GmbH: Wachstumsfaktor der regenerativen Medizin

Mit mehr als 26-jähriger Geschäftserfahrung ist das Heidelberger Biotechnologie-Unternehmen Biopharm GmbH auf dem Gebiet der regenerativen Medizin fest im Markt etabliert. Aufbauend auf seiner proprietären Wachstumsfaktor-Technologieplattform entwickelt Biopharm innovative Verfahren für die Behandlung von Knochen- und Knorpelschäden und für eine verbesserte Wundheilung.

Michael Paulista (links) und Dr. Florian Wagner, LL.M., Gesellschafter und Geschäftsführer der Biopharm GmbH. © Biopharm

In der Biotechnologie-Industrie bedeutet ein Vierteljahrhundert eine halbe Ewigkeit; nur wenige innovative deutsche Biotech-Unternehmen können überhaupt auf eine solche Zeitspanne zurückblicken. Eines davon ist die Biopharm GmbH in Heidelberg, 1986 gegründet und immer noch als das gleiche Unternehmen zu erkennen, während die anderen Firmen der ersten Biotech-Generation in Deutschland, sofern sie überhaupt noch existieren, mehrfach ihre Eigentümer, Unternehmensstrukturen und Zielsetzungen geändert haben. Der Gründer der Biopharm GmbH, Michael Paulista, beteiligt sich im Management Board noch heute aktiv am Geschick seines Werks; die aktuellen Geschäfte werden seit 2010 von seinem Partner Dr. Florian Wagner als geschäftsführendem Gesellschafter geleitet.

Kontinuität und wirtschaftlicher Erfolg sind für ein biopharmazeutisch forschendes Unternehmen nur zu haben, wenn es technologisch stets an vorderster Front steht und in einem Marktsegment mit einem langfristig bestehenden medizinischen Bedarf tätig ist. Biopharm hat sich seit seiner Gründung auf dem Gebiet der menschlichen Wachstumsfaktoren für die regenerative Medizin engagiert, ein Gebiet, das in den 1980er-Jahren durch die Entdeckung einer großen Zahl regulatorischer Proteine, die die Zell- und Gewebedifferenzierung steuern (Zytokine im weitesten Sinne), gewaltig expandierte und bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Biopharm konzentrierte sich auf ein solches regulatorisches Protein - den sogenannten „growth/differentiation factor 5“, GDF-5 -, das zur Familie der „bone morphogenetic proteins“ (BMP) innerhalb der „transforming growth factor beta“-Superfamilie gehört.

Eine Multifunktions-Technologieplattform

1992 erhielt Biopharm das weltweite Patent für rekombinant hergestelltes menschliches GDF-5 (rhGDF-5). Auf der Basis dieses multifunktionellen Proteins etablierte die Firma ihre „Growth Factor Technology Platform“ und entwickelte neue patentgeschützte Wachstumsfaktoren für vielfältige Anwendungen in der regenerativen Medizin. Neben der Entwicklung von Therapeutika in den Bereichen Dermatologie (z.B. regenerative Wundheilung) und Orthopädie (z. B. Osteoporose), die Biopharm in Eigenregie und in Kooperation mit Partnern durchführt, wurden Anwendungen der Technologieplattform für die Zahn- und Kieferchirurgie sowie für die Behandlung von Bandscheibendegenerationen auslizenziert.

Seine eigenen Forschungs- und Entwicklungsprojekte hat Biopharm von früh an auch durch Service-Leistungen, Vertragsforschung und die Entwicklung von Biogenerika und Tests für wichtige therapeutische Indikationen finanziert. 2011 wurde der analytische Dienstleistungssektor in einen eigenständigen Geschäftsbereich integriert, der unter „SYMBIOSIS – The Analytical Company“ am Markt auftritt und an einem eigenen Standort in Eppelheim bei Heidelberg lokalisiert ist (siehe BIOPRO-Artikel SYMBIOSIS - The Analytical Company).

Osteoporose

Menschliches Skelett mit Darstellung einer durch Osteoporose geschädigten Wirbelsäule. © Biopharm

Die fortschreitende Verminderung von Knochengewebe, die mit einer verringerten Belastbarkeit, Neigung zu Knochenbrüchen und Verformungen des Knochens einhergeht, ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation heutzutage eine der zehn am weitesten verbreiteten Krankheiten. Ihre Häufigkeit steigt mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung weiter an. Die gesellschaftlichen Kosten vor allem durch Osteoporose-bedingte Wirbel- und Wirbelsäulen-Schäden sind enorm. Zu ihrer Therapie durch sogenannte Kyphoplastie injiziert man Kunststoffe (Polymethyl-methacrylat, PMMA) oder Hydroxylapatit, eine Art Calciumphosphat, in die Wirbelkörper und lässt sie dort zu einem Zement polymerisieren.

Biopharm hat in seiner Technologieplattform einen neuen Wachstumsfaktor entwickelt, der im Vergleich zu anderen bekannten Wachstumsfaktoren ein wesentlich höheres Potenzial zur Regeneration von Knochengewebe bei Knochenbrüchen aufweist. Diesen „growth factor-BB-1“, ein durch eine Disulfid-Brücke verbundenes Homodimer der beta-Kette des Proteins, entwickelt Biopharm jetzt in Verbindung mit einem neuartigen bioresorbierbaren Knochenzement auf Calciumphosphat-Basis zu einem Therapeutikum bei Osteoporose-geschädigten Wirbelkörpern. Gegenüber bisherigen Verfahren verspricht der neue Ansatz wesentliche Fortschritte: eine durch den Wachstumsfaktor geförderte Reorganisation und Stabilisierung der geschwächten Knochenstruktur im Verlauf der Resorption des Biozements.

In Zusammenarbeit mit der Universität und dem Universitätsklinikum Jena entwickelt Biopharm derzeit einen besonders druckstabilen Calciumphosphat-Zement, der zur Therapie von Wirbelkörperbrüchen bei Osteoporose eingesetzt werden soll. Dieses auf drei Jahre angesetzte Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird im Rahmen der Förderinitiative „KMU-innovativ“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Wundheilung und Orthopädie

Vlies als Träger des Wachstumsfaktors. © Freudenberg KG und Biopharm

Ein weiteres Anwendungsgebiet für die Biopharm GmbH Technologieplattform ist die Behandlung von Hautwunden, zum Beispiel bei Verbrennungen oder bei Geschwüren durch Diabetes. In Tierexperimenten wurde gezeigt, dass sich der Heilungsprozess bei Gabe von aktivem GDF-5 beschleunigt. Die Regeneration des Hautepithels erfolgt schneller und besser strukturiert, und Entzündungen sind weniger ausgeprägt. 2011 vereinbarte Biopharm eine exklusive Forschungskooperation mit dem Weinheimer Unternehmen Freudenberg zur Entwicklung einer mit GDF-5 kombinierten Wundverbands-Technologie. Die Freudenberg Gruppe, ein weltweit operierendes Familienunternehmen mit einem Umsatz von 5,5 Milliarden Euro und 34.000 Beschäftigten (2010), entwickelt in ihrem Geschäftsbereich „Freudenberg Nonwovens“ unter dem Handelsnamen „ScaffoleneTM+growth factor“ ein bioresorbierbares Vlies als Wundauflage, aus dessen Fasergeflecht der Wachstumsfaktor gezielt und durch langsame Diffusion dosiert abgegeben wird.

Des Weiteren wird zur beschleunigten Heilung von Knochenbrüchen ein mit dem sensitiven Wachstumsfaktor BB-1 beladener Knochenzement entwickelt. Vorgesehen ist außerdem ein Reparatursystem für Knorpelgewebe, das aus ausgewählten, die Differenzierung von Knorpelzellen unterstützenden Matrixpolymeren besteht. Diese sind mit einem maßgeschneiderten Wachstumsfaktor beladen, der auf der Grundlage der „Growth Factor Technology Platform“ von Biopharm entwickelt wird. Die Regeneration von Knorpel ist ein besonders attraktives Geschäftsfeld, das potenziell auf den riesigen Markt der Therapie von Gelenk- und Bandscheibenschädigungen zielt.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/biopharm-gmbh-wachstumsfaktor-der-regenerativen-medizin