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Biowissenschaften in Industrie und Forschung

Die Stützpunktschulen für Molekularbiologie des Regierungspräsidiums Karlsruhe feierten im Rahmen des Forums „Biowissenschaften in Industrie und Forschung“ am 5. März 2010 ihr fünfjähriges Bestehen. Wissenschaftliche Fachvorträge und eine Podiumsdiskussion standen ebenso auf dem Programm wie ein Marktplatz für Berufsfelder aus der Biologie. Die Veranstaltung fand am Lise-Meitner-Gymnasium in Königsbach-Stein statt.

In ihrer Eröffnungsrede zog die Leiterin des Projekts Stützpunktschulen für Molekularbiologie, StD Gabriele Rupp, Bilanz und fasste die Ziele zusammen: „Neben der Breitenförderung und der Verbesserung von Unterrichtsqualität wollen wir besonders interessierte und begabte Jugendliche fördern.“ Einer solchen Förderung war unter anderem auch das Forum gewidmet. Schließlich bildeten circa 120 Schülermentoren die Hauptteilnehmergruppe der Veranstaltung.

Mehr Qualität im Unterricht

Die ehemaligen Schülermentoren Tinatini Tavhelidse und Max Richter bei ihrem Vortrag „Stützpunktschule – Sprungbrett in die Wissenschaft“ © BIOPRO/Raddatz

Stützpunktschulen sind Zentren zur Weiterentwicklung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Sie kooperieren mit außerschulischen Partnern aus Forschung und Industrie, bieten für Nachbarschulen Fortbildungsveranstaltungen sowie Experimentalpraktika an und bilden Schülermentoren aus. Den hohen Wirkungsgrad des Projektes Stützpunktschulen für Molekularbiologie belegen folgende Beispiele: Jährlich haben knapp 300 Lehrerinnen und Lehrer an Fortbildungen sowie circa 2.000 Schülerinnen und Schüler an Praktika teilgenommen - Tendenz steigend. Die Unterrichtsqualität wurde verbessert – das zeigt eine Auswertung von Feedbackfragebögen aus den Experimentalpraktika. Ein praxisorientierter Unterricht mit Bezug zu aktuellen Forschungsthemen stieß auf Begeisterung bei den Schülermentoren und motivierte den einen oder anderen zu einem Studium der Naturwissenschaften.

So auch zwei ehemalige Schülermentoren, Tinatini Tavhelidse und Max Richter. Beide haben mittlerweile ein Studium begonnen, das auf ihre molekularbiologischen Kenntnisse aus der Schulzeit aufbaut. „Ich hatte im Vergleich zu anderen Kommilitonen Vorteile“, erklärte Tinatini Tavhelidse, als sie über die erworbenen theoretischen und praktischen Kenntnisse als Mentorin sprach. Sicherheit und Selbstbewusstsein aufgrund des vorhandenen Wissens waren auch für Max Richter eindeutige Pluspunkte.

Molekularbiologie in der Anwendung

Im ersten Fachvortrag erfuhren die Teilnehmenden, dass nicht nur in den Tropen oder Subtropen Stechmücken eine Plage sind, da sie Krankheiten wie zum Beispiel Malaria oder das Dengue-Fieber übertragen, sondern auch in Deutschland von der Stechmücke Aedes albopictus Gefahrenpotenzial ausgeht. Dr. Norbert Becker, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS), referierte über fünf Toxine des Bacillus thuringiensis israelensis, die an spezifische Rezeptoren im Darmepithel von Mückenlarven binden, osmoregulatorische Prozesse der Darmmembran außer Kraft setzen und die Stechmücken-Larven dadurch töten.

Über die Pflanzenbiotechnologie der BASF berichtete im zweiten Fachvortrag Dr. Anja Klatt von der BASF Plant Science. Einer allgemeinen Einführung in die Grüne Gentechnik folgten unter anderem zwei Beispiele: der trockentolerante Mais – ein gemeinsames Forschungsprojekt von BASF und Monsanto, sowie die Kartoffel „Amflora“ - eine Kartoffel bestehend aus reiner Amylopektin-Stärke für industrielle Anwendungen. Im Anschluss an den Vortrag musste sich Dr. Klatt der vielen kritischen Fragen der Schülermentoren stellen.

Stützpunktschule aus unterschiedlichen Perspektiven

Podiumsdiskussion. Von links nach rechts: OStD Roland Kröner, Dr. Markus Herrmann, Bernd Kielburger, Dr. Peter Gilbert, Dr. Ralf Kindervater, Christopher Dürscherl, Fabienne Schneider © BIOPRO/Raddatz

In einer Podiumsdiskussion wurde das Projekt aus unterschiedlichen Standpunkten beleuchtet. Einigkeit bestand darüber, dass die Stützpunktschule für Molekularbiologie ein Erfolgsmodell ist.  „Ideal wäre, wenn noch weitere Schulen das Konzept übernehmen und als Stützpunktschulen ausgestattet werden könnten. Dafür werde ich mich auch weiterhin stark machen“, bekräftigte der Regierungsschuldirektor Dr. Markus Herrmann. Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH und einer der „Geburtshelfer“ des Projekts, plädierte für eine Ausweitung des Modells in angrenzende Technologiefelder und schlug auch einen neuen Namen vor: „Stützpunktschule für neue Technologien“. Weitere Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren OStD Roland Kröner, Schulleiter des Lise-Meitner-Gymnasiums, Bernd Kielburger, Bürgermeister von Königsbach-Stein, sowie die Schülermentoren Fabienne Schneider und Christopher Dürscherl. Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Peter Gilbert, dem Geschäftsführer der Initiative Jugend und Wissenschaft, der für die Beteiligung von Sponsoren am Projekt Stützpunktschule warb.

Marktplatz für Berufsfelder der Biologie

Einen Einblick in die Vielfalt von Berufsfeldern der Biologie gaben einige Unternehmen und Institutionen, die sich mit einem Infostand am „Markt der Möglichkeiten“ beteiligten. Unter anderem waren Boehringer Ingelheim, Eppendorf, LOGOPHARM, Pfizer Pharma, BIOPRO Baden-Württemberg GmbH oder HBIGS vertreten. Hier wurden Gespräche geführt, die Orientierung und Entscheidungshilfen für Schülermentoren boten.

 

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/biowissenschaften-in-industrie-und-forschung