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Botschafter für Deutschlands Wissenschaft in der Welt

Der Name Alexander von Humboldt ist im Ausland die beste Botschaft für das Wissenschaftsland Deutschland. In einem von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgeschriebenen Ideenwettbewerb „Forscher-Alumni deutscher Universitäten“ ist jetzt die Universität Heidelberg für ihr Best-Practice-Modell ausgezeichnet worden.

„Forscher-Alumni sind die besten Botschafter für die deutsche Forschung. Sie haben unmittelbaren Zugang zu jenen, die wir erreichen wollen: die besten jungen Forschenden weltweit“, sagte der Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, Enno Aufderheide, bei der Ankündigung des Ideenwettbewerbs „Forscher-Alumni deutscher Universitäten“. Er fügte hinzu, dass die Humboldt-Stiftung mit dem Wettbewerb einen wichtigen Impuls gesetzt habe, denn „dieses Thema hatte bislang kaum jemand auf der Agenda.“

Das Best-Practice-Modell der Universität Heidelberg

Chinesische Alumni vor der Alten Universität in Heidelberg © Universität Heidelberg

Zu den drei Preisträgern des Wettbewerbs gehört die Universität Heidelberg. Sie hatte ein Konzept für eine aktive und nachhaltige Zusammenarbeit mit ihren Forscher-Alumni - internationalen Wissenschaftlern, die an der Ruperto Carola studiert oder einen Forschungsaufenthalt absolviert hatten - eingereicht. Für ihr ausgezeichnetes Best-Practice-Modell erhält die Universität Heidelberg eine Förderung von rund 130.000 Euro für einen Zeitraum von 18 Monaten. Das Modell hat zum Ziel, die Alumni verstärkt an die Ruperto Carola zu binden und sie dabei in die Internationalisierungsstrategie der Universität einzubeziehen. Die Umsetzung startet zum Oktober dieses Jahres. Im Rahmen ihres Konzepts plant die Universität Heidelberg Serviceangebote, die von der Unterstützung der Gastwissenschaftler während ihres Heidelberger Aufenthaltes und bei der Folgebeschäftigung an anderen Institutionen im In- und Ausland bis hin zu Netzwerk-Treffen und Wiedereinladungen nach Heidelberg reichen. Auch die Rekrutierung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern aus dem Ausland soll mit Hilfe der Förderung der Humboldt-Stiftung intensiviert werden. Der Fokus liegt dabei vor allem auf Ländern wie Indien, Italien und den USA, in denen die Forscher-Alumni-Kontakte der Universität Heidelberg besonders zahlreich sind. Dort werden Netzwerktreffen veranstaltet. Geplant sind außerdem finanziell geförderte Wiedereinladungen sowie die Beratung für Forscher-Alumni, die nach ihrem Aufenthalt in Heidelberg in Drittländer gehen.

„Die Alumni-Arbeit ist ein zentrales Element der Internationalisierungsstrategie unserer Universität. Mit der großen Anzahl ausländischer Gastwissenschaftler und einer mittlerweile 15-jährigen Erfahrung beim Aufbau eines internationalen Alumni-Netzwerks befinden wir uns in einer sehr guten Ausgangslage für die Realisierung des jetzt ausgezeichneten Modells“, betont die Leiterin von Heidelberg Alumni International (HAI) Silke Rodenberg. In dem Konzept arbeitet HAI als zentrale Alumni-Initiative der Ruperto Carola mit dem Welcome Centre, dem Akademischen Auslandsamt, den Zentren und Außenstellen der Universität im Ausland sowie den Alumni-Clubs in aller Welt zusammen. Damit soll nach den Worten von Silke Rodenberg außer einer verstärkten Bindung der Forscher-Alumni an die Ruperto Carola auch die internationale Sichtbarkeit der Universität Heidelberg als exzellente Forschungseinrichtung erhöht werden.

Das Hauptgebäude der Universität Chile in Santiago, eine von 19 Partneruniversitäten Heidelbergs. © Council of Latin American Studies

Neben der Universität Heidelberg wurden auch die RWTH Aachen und die Universität Bayreuth für ihre Konzepte zum Ideenwettbewerbs „Forscher-Alumni deutscher Universitäten" prämiert. Der Wettbewerb ist Teil des Verbundprojekts „Internationales Forschungsmarketing", das die Alexander von Humboldt-Stiftung, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiative „Research in Germany" gemeinschaftlich durchführen. Ziel ist es, für den Forschungsstandort Deutschland im In- und Ausland zu werben und sein Profil im globalen Wissenschaftsmarkt zu schärfen.

Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer

Titelblatt eines mexikanischen Werks, herausgegeben 2003 im Gedenken an Humboldts Ankunft in Mexiko vor 200 Jahren. © EJ

Die nachhaltigsten Alumni-Kontakte kommen durch die Forschungsstipendien und Forschungspreise der Alexander von Humboldt-Stiftung zustande. Davon konnte sich der Autor dieses Artikels selbst überzeugen, als er im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums die Mitte der 90er Jahre kaum bekannten Universitäten Chinas erkundete. Es war das Netzwerk der dort weit verstreuten Humboldtianer, das ihm viele Türen öffnete. Der Wahlspruch der Alexander von Humboldt-Stiftung gilt: „Einmal Humboldtianer, immer Humboldtianer" - das Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein, Mitglied einer weltweiten Familie, mit der man ein Leben lang verbunden bleibt.

Jährlich ermöglicht die Stiftung über 2.000 Forschern aus aller Welt einen Aufenthalt in Deutschland, um hier längere Zeit mit ihren deutschen Kollegen zusammenzuarbeiten. Kriterium für die Vergabe der Stipendien und Preise ist die wissenschaftliche Exzellenz; es gibt keine Quoten, weder für einzelne Länder, noch für wissenschaftliche Disziplinen. Gefördert werden Personen, keine Projekte. Die Humboldtianer wählen ihre Gastgeber und ihre Forschungsthemen frei und arbeiten ohne Vorgaben der Stiftung; sie genießen weltweit hohes Ansehen. Heute gibt es mehr als 25.000 Humboldtianer aller Fachgebiete in über 130 Ländern der Erde. Unter ihnen sind 44 Nobelpreisträger.

Der bekannteste Deutsche - nur nicht im eigenen Land

Keinen geeigneteren Namenspatron hätte man für eine deutsche wissenschaftliche Stiftung, die sich der internationalen Verständigung verschrieben hat, finden können. „Die meisten Deutschen wissen gar nicht, dass Humboldt der international bekannteste Deutsche ist, bekannter als Goethe“, sagte Hans Magnus Enzensberger, der sich um die Wiederauflage der wichtigsten Werke Alexander von Humboldts verdient gemacht hat. In Lateinamerika kennen ihn sogar heute noch die Schulkinder. Es gibt mehr als tausend geografische Objekte, die nach ihm benannt sind: Flüsse, Berge, Städte, Straßen, ein Gebirge, eine Meeresströmung, ein Tiefseebecken. Alexander von Humboldt war schon in jungen Jahren als „zweiter Entdecker Südamerikas“ so berühmt, dass Napoleon auf ihn neidisch war. Er beherrschte und prägte die Naturwissenschaften in ihrer Gesamtheit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einer Weise wie niemand mehr nach ihm. Humboldt war ein großer Humanist, weder an Geld noch an Macht interessiert, vehementer Gegner der Sklaverei, Republikaner aus Überzeugung, der kraft seines Ansehens bei den herrschenden Königshäusern für Frieden eintrat und für die Freiheit der Wissenschaft. Er förderte als Privatperson junge Wissenschaftstalente und half unter anderem Justus Liebig und Werner von Siemens.

Die Alexander von Humboldt-Stiftung wurde 1860 kurz nach seinem Tode gegründet und unterstützte, bis 1923 das Stiftungskapital in der Inflation verloren ging, im Wesentlichen Forschungsreisen deutscher Wissenschaftler in andere Länder. Nach ihrer Neugründung 1925 diente die Stiftung vor allem der Unterstützung ausländischer Studenten, später auch Doktoranden und Wissenschaftler, während ihres Aufenthaltes in Deutschland. Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges wurde die Alexander von Humboldt-Stiftung auf Anregung ehemaliger Humboldt-Gastwissenschaftler ein drittes Mal in ihrer heutigen Gestalt gegründet. Sie ist nach dem Vorbild Humboldts der internationalen Verständigung, der Freiheit und der Exzellenz in den Wissenschaften verpflichtet.

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