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Buchrezension: "Meine Gene - mein Leben" von Francis S. Collins

Francis Collins, Leiter der National Institutes of Health der USA und zuvor langjähriger Leiter des Internationalen Humangenomprojekts stellt in seinem neuesten Buch „Meine Gene - mein Leben“ aktuelle Entwicklungen in der molekularen Medizin vor und zeigt Perspektiven für eine zukünftige personalisierte Medizin auf.

Francis S. Collins: "Meine Gene – mein Leben. Auf dem Weg zur personalisierten Medizin" © Spektrum Akademischer Verlag

Sehr anschaulich anhand zahlreicher Fallbeispiele und klar verständlich stellt Collins die unterschiedlichsten Krankheiten und deren Ursache auf der Ebene der Gene vor. Die Diagnostik vieler durch einen spezifischen Gendefekt ausgelösten Krankheiten ist heutzutage so weit entwickelt, dass es bereits einige Firmen gibt, die Früherkennungstests hierfür anbieten. Der Autor schildert zu Beginn des Buches wie er selbst bei drei großen US-Unternehmen einen solchen DNA-Test gemacht hat und welches seine Erfahrungen damit waren. Im weiteren Verlauf werden die genetischen Grundlagen geschildert für diverse Krebserkrankungen, Infektionskrankheiten, psychische Störungen oder das Altern. Während für einige der sogenannten Orphan Diseases, der ca. 6.000 seltenen Krankheiten, bereits die Grundlagen hinreichend erforscht sind, werden die Zusammenhänge zwischen Gendefekten und daraus resultierenden psychischen Erkrankungen oder Demenz deutlich unklarer.

Collins erweitert abschließend den Begriff der personalisierten Medizin dahingehend, dass es nicht nur darum geht, für jeden Patienten das optimal wirkende Medikament zu finden. Er stellt sich die Zukunft der Medizin so vor, dass der Einzelne zusammen mit seinem Arzt eine umfassende Patientenakte anlegt, in der alle Daten zu Vorerkrankungen innerhalb der Familie als auch DNA-Tests enthalten sind, die es dem Arzt ermöglichen, zusammen mit dem „Noch-Nicht-Patienten“ präventiv tätig zu werden.

Positiv hervorzuheben ist die auch für den Laien gut verständliche Darstellung medizinischer Fragestellungen und ihrer biologischen Hintergründe. So hat der Leser nach der Lektüre des Buches einen sehr guten Einblick erhalten was heutzutage bereits möglich ist auf der Ebene der Diagnostik und Früherkennung von Krankheiten, seien es seltene Krankheiten wie Progerie oder seien es Volkskrankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Krebs. Ebenso gelungen sind die zehn Infoboxen am Ende eines jeden Kapitels, in denen der Leser Hinweise zur eigenen weiteren Vorgehensweise erhält, sowie der Anhang mit zahlreichen weiteren Tipps und Erläuterungen zum Thema. Einziger Nachteil hierbei: Die Empfehlungen zielen auf amerikanische Leser ab und die englischsprachigen Internet-Adressen sind sicher nicht für jeden deutschen Leser geeignet.

Was fehlt, ist eine ausführlichere Diskussion der ethischen Dimension solcher Früherkennungstests. Collins sieht die Möglichkeiten der Früherkennung zahlreicher somit eventuell vermeidbarer schlimmer Erkrankungen mit verständlicher und typisch US-amerikanischer Begeisterung. Aber Fragen bezüglich der Tatsache, wie Menschen mit den Ergebnissen leben, die sie nur wenig oder gar nicht beeinflussen können, weil es noch gar keine Heilung für die eventuell in Zukunft auftretende Krankheit gibt, werden nur am Rande gestreift. Was die Therapie vieler Erkrankungen angeht, muss auch Collins die Antwort schuldig bleiben. Beispielsweise wie Parkinson oder Alzheimer geheilt werden können oder wie man sich präventiv sicher davor schützen kann. Hier steckt die Forschung noch in den Kinderschuhen, und es bleibt letztendlich jedem selbst überlassen, ob er zukünftig über seine potenziellen Erkrankungen frühzeitig durch einen DNA-Test informiert sein will oder nicht.

Fallbeispiele für Einsatz im Oberstufenunterricht gut geeignet

Für einen Einsatz im Oberstufen-Biologieunterricht eignen sich vor allem die diversen Fallbeispiele zu den „Ein-Gendefekt-Eine-Krankheit“-Fällen wie Chorea Huntington oder Progerie. Durch die emotionale Annäherung an das Thema kann bei den Schülern Interesse geweckt werden für Fragen nach den molekularbiologischen Hintergründen der einzelnen Krankheitsschicksale. Und nicht zuletzt kann auch die bioethische Dimension der Vision einer neuen personalisierten Medizin als Grundlage für Diskussionen dienen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/buchrezension-meine-gene-mein-leben-von-francis-s-collins