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CeMIT – professionelles Innovationsmanagement für die Medizintechnik

Mit dem Centrum für Medizintechnische Innovationen Tübingen, kurz CeMIT, schlägt das Tübinger Universitätsklinikum eine Brücke zwischen Kliniken und Medizintechnikunternehmen. Sie eint das Ziel, neue und bessere Medizintechnikprodukte und -verfahren zu entwickeln. Vor allem Industriepartner aus kleinen und mittelständischen Unternehmen sollen von der Lotsenfunktion und den Dienstleistungen des CeMIT profitieren.

In seiner Lotsenfunktion bietet das CeMIT industriellen Partnern einen besseren Zugang zu klinischer Expertise und Forschungsinfrastruktur. © Universitätsklinikum Tübingen

Es sollte kein Zufall sein, wenn eine gute Idee für den klinischen Alltag den richtigen Adressaten erreicht. „Viele Klinik-Industrie-Kooperationen basieren auf persönlichen Kontakten der Mediziner und Entwickler. Dieser Zugang zu klinischer Infrastruktur soll für alle Unternehmen erweitert und professionalisiert werden. Mit CeMIT wird ein Eintrittsportal für Medizintechnik-Unternehmen an Universität und Klinikum geschaffen. Die Plattform-Idee ist auch als logische Konsequenz aus dem IZST, dem Interuniversitären Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart – Tübingen, entstanden“, erklärt Dr. Ines Dünkel. Sie leitet die Tübinger Geschäftsstelle des IZST und – zusammen mit Prof. Dr. Arnulf Stenzl sowie Thomas Gerlings – das in Gründung befindliche Centrum für Medizintechnische Innovationen CeMIT.

Das Interesse der Industrie an einem Dienstleistungsportal steht für das CeMIT-Team außer Frage, haben doch die Industrie-on-Campus-Projekte des IZST seit 2012 so manche medizintechnische Innovation auf den Weg gebracht. Die Forschungsprojekte wurden bis Ende 2016 zu je einem Drittel vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, den Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie der Medizintechnik-Industrie gefördert. „Das große, auch finanzielle Engagement der Industrie zeigt den Bedarf an derartigen Kooperationen“, so Dünkel. Zudem steigern die neue europäische Medical Device Regulation und die EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika diesen Bedarf künftig noch. „Eine der wesentlichen neuen Anforderungen auf dem Weg zur Produktzulassung besteht in deutlich detaillierteren klinischen Bewertungen und Prüfungen für Hersteller und Inverkehrbringer – auch für kleine Zuliefer-Unternehmen“, sagt Dünkel. Mit den modularen Bausteinen aus der Leistungspalette des CeMIT in Kooperation mit den etablierten Tübinger Medizintechnik-Zentren können die jeweiligen Lücken geschlossen werden.

CeMIT fungiert als Lotse in die Klinik, als Dienstleister und Partnering-Plattform

Das CeMIT verfügt über klinisches Know-how und langjährige Erfahrung in der Kooperation mit Medizintechnik-Unternehmen und es hat Zugriff auf Ärzte und Forschungsinfrastrukturen in Kliniken verschiedener Versorgungsstufen und Trägerschaften. Zudem bestehen langjährige Kooperationen mit etablierten und professionell ausgestatteten präklinischen Zentren und Forschungseinrichtungen. Das CeMIT versteht sich als Lotse und Begleiter für Unternehmen, die medizintechnische Innovationen auf den Markt bringen wollen.

Ob Fallstudie, (prä-) klinische Studie, Usability-Studie, Hospitation, Zertifizierung, Projektmanagement, Schulung und Training oder Gutachten: Das CeMIT vermittelt dem Unternehmen das passende Dienstleistungspaket und Innovationsmanagement. Es bietet einen einfachen, zentralen Zugang zur klinischen Expertise und der gesamten Forschungsinfrastruktur. Damit muss das Unternehmen kein Insiderwissen mehr aufbieten, um an den passenden Partner zu gelangen.

Praxiserfahrung ist ein entscheidender Faktor bei der Optimierung von operativen Verfahren und Medizinprodukten. © Universitätsklinikum Tübingen

In den Tübinger Medizintechnik-Zentren

  • Klinische Anatomie
  • tüpass – Tübinger Patientensicherheits- und Simulationszentrum
  • Chirurgische Technologie und Training (CTT)
  • Experimentelle Chirurgische Endoskopie (CETEX)
  • Experimentelle Medizin, Medizintechnik und Training
  • Zentrum für Klinische Studien (ZKS)

laufen die Fäden des medizinischen und technischen Fortschritts zusammen, sie bilden mit ihren Kompetenzen die Säulen des CeMIT.

Ein Spezialist für authentische Szenarien im OP ist die Klinische Anatomie der Universität Tübingen. Hier steht Medizintechnik-Unternehmen eine hochmoderne Infrastruktur für Produkttestungen und -Präsentationen am humanen Präparat zur Verfügung. Auch Mitarbeiter-Schulungen können hier durchgeführt werden. 27 Medizintechnik-Unternehmen sind bereits als Kooperationspartner in der Klinischen Anatomie Tübingen tätig und nutzen die zehn Arbeitsplätze mit Operationstisch und komplett ausgestattetem OP-Turm. Die Übertragungsmöglichkeiten für Audio und Video in Konferenzräume und Hörsäle ergänzt die Nutzungspalette. „Für die Forschung freigestellte Ärzte können hier die Handhabung oder Weiterentwicklung eines Gerätes fundiert testen, vergleichen und bewerten“, sagt Dünkel und verweist in diesem Zusammenhang auf die erfolgreichen Veranstaltungen der Sectio chirurgica. Idee dieser Veranstaltung ist es, chirurgische Eingriffe live im Internet mitzuverfolgen.

tüpass wiederum bietet Medizinproduktherstellern professionelle Unterstützung für Produktvalidierungen an. Es können unterschiedliche Medizinische Notfälle simuliert und die Gerätesicherheit optimiert werden. In den Bereichen Chirurgie und Technik sowie experimentelle Chirurgie stehen Ärzten und Medizintechnikern vollwertige Klinikausstattungen zur Verfügung. Neben Produkttestungen können in der hauseigenen Werkstatt auch Einzelteile bearbeitet werden. Schon manches Medizinprodukt, ob „high-“ oder „low end“, hat hier seinen letzten Schliff bekommen. Und das Zentrum für Klinische Studien ZKS steht Industriepartnern von der Kostenkalkulation über das Studiendesign bis zum Projektmanagement mit Rat und Tat bei (prä-) klinischen Studien zur Seite.

Produkte und Verfahren im authentischen Klinikumfeld testen

Der voll ausgestattete Operationssaal der Klinischen Anatomie eignet sich hervorragend für Produkttestungen und Schulungen. © Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik, Uni Tübingen

Über Tübingen hinaus bietet das CeMIT auch Kooperationsmöglichkeiten mit der Universität Stuttgart. „Bei Bedarf werden die Stuttgarter Experten der Systemdynamik, der Konstruktion oder des Technischen Designs mit einbezogen“, sagt Dünkel und verweist auf das Industry-on-Campus-Projekt „Interaktionsbasierte manipulatorgestützte Assistenz“, bei dem ein prototypähnliches Funktionsmusters für Hand- und Armauflagen entwickelt wurde. Es ermöglicht ein ermüdungsarmes tremorfreies Führen und Halten der Instrumente und beugt Haltungsschäden vor. Das entwickelte System wurde getestet und an OP-Szenarien und Arbeitstechniken der Abdominalchirurgie adaptiert. Ähnlich wie hier fließen unter dem Dach des CeMIT klinische und ingenieurtechnische Kompetenz zusammen, um im Verbund mit Unternehmen Innovationen auf den Weg zu bringen. „Das CeMIT steht dafür ein, seinen Industriepartnern kurze Wege in die Klinik und zu den Ärzten zu ermöglichen“, bekräftigt Dünkel.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/cemit-professionelles-innovationsmanagement-fuer-die-medizintechnik