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Cluster BioPharMaXX verstärkt die Region Ulm

Im oberschwäbischen Schloss Ummendorf gab die BioRegionUlm kürzlich den Startschuss für BioPharMaXX. Hinter dem Akronym steht ein Cluster für Biotechnologie, Pharmazie und Medizintechnik, der beim Landeswettbewerb im vergangenen Jahr als einer von zwölf Siegern hervorgegangen ist. Auf dem Meeting stellten Unternehmensvertreter und Forscher Projekte vor, die den aufwändigen Prozess der Aufreinigung in der biopharmazeutischen Herstellung verbessern sollen. Die geförderten Vorhaben gaben einen Vorgeschmack auf das, was der Cluster BioPharMaXX systematisch forcieren will: die Stärke der Region noch stärker machen.

Freut sich über den Cluster: Dr. Nikolaus Rentschler. © privat

Die Voraussetzungen der BioRegionUlm, die sich von der Ostalb bis an den Bodensee erstreckt, sind für die Fortentwicklung des Clusters gut. Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, Rentschler, Vetter oder Merckle haben die Region zu einem der weltweit führenden biopharmazeutischen Produktionsstandorte gemacht. Die Standortfaktoren in der Region sind optimal, um die Medizin der Zukunft weiter zu entwickeln. Ähnlich formuliert dies Dr. Nikolaus Rentschler, Vorstandsvorsitzender der BioRegionUlm: „Die Biopharmazie und -technologie unserer Region bieten enorme Chancen für die Diagnose und Therapie schwerer Erkrankungen. Durch die Bündelung aller vorhandenen Kräfte und Ressourcen in diesem regionalen Cluster erhöhen sich die Chancen.“ In der Wissenschaftsstadt Ulm mit der Universität, Hochschulen der Region, Kliniken und Unternehmen der Region verfügt der BioPharMaXX-Cluster über starke Partner, mit denen sich das interdisziplinäre Netz von Biotechnologie, Pharmazie, Diagnostik und Medizintechnik noch engmaschiger knüpfen lässt.

Besonderes Augenmerk auf KMU

Im Blickpunkt des Clusters steht der Prozess der biopharmazeutischen Herstellung. Hierbei sollen sowohl die Ausbeuten der gentechnisch optimierten Zellkultur-Produktionssysteme verbessert werden (Upstream) als auch die Methoden der Aufreinigung des biopharmazeutischen Produkts (Downstream) weiterentwickelt und effizienter gestaltet werden. Hierzu ist es nach Überzeugung der Cluster-Verantwortlichen nötig, die vielen und mannigfachen Dienstleister und Zulieferer aus dem Umfeld der Biopharmazie noch stärker in das Netzwerk mit einzubeziehen, um das Qualitätsmanagement effizienter zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise die Hersteller von Laboreinrichtungen oder Geräten, deren Produkte sich nahtlos in die Kette der Herstellung einfügen sollen.

Eine Aufgabe des Clusters BioPharMaXX wird es also sein, diese vorhandenen Unternehmensstrukturen zu erweitern und auszubauen. Besonderes Augenmerk richten die Cluster-Verantwortlichen auf die Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen. Der thematische Schwerpunkt des Clusters setzt an verschiedenen Punkten in der Wertschöpfungskette an: so zum Beispiel in der grundlagenorientierten Forschung. Auf dem Ulmer Campus beispielsweise verfolgen zahlreiche Forschergruppen Ansätze zur Regeneration, unter anderem zur Alternsforschung. Themen, die angesichts der demografischen Entwicklung für die Gesundheitswirtschaft von wachsender Bedeutung sein werden.

Übergreifendes erkennen und vorantreiben

Der Cluster BioPharMaXX richtet den Blick auch auf das Ende der Wertschöpfungskette. Die Sicherheit von Arzneimitteln und Qualitätsmanagement wie Auditierung, Produktqualität oder -stabilität sollen nach dem Willen des Clustermanagements durch vielfältige Aktionen erörtert und Mittel und Wege zu seiner Optimierung angegangen werden. Weiterverfolgt und ausgebaut werden sollen auch diagnostische Ansätze, die sich aus primär herstellungstechnischen Projekten entwickelt haben. Diese übergreifenden Aspekte zu verfolgen und zu bündeln gehört auch zum Aufgabenspektrum des Clusters BioPharMaXX.

Strikt inhaltliche Ausrichtung

Große Fortschritte machte der biopharmazeutische Herstellungsprozess in den vergangenen Jahren. Hier ein Bild zur Zellvermehrung. © Boehringer Ingelheim

Dass nach dreijähriger Laufzeit der Cluster keine fertigen Produkte wird liefern können, wissen die Verantwortlichen nur zu gut. Das Beispiel Downstream-Technologie zeigt, dass langer Atem vonnöten ist: Am Anfang stand ein Runder Tisch, an dem viele Interessierte saßen. Geplant war ein gemeinsames Projekt, am Ende waren es drei Projekte mit Partnern aus Baden-Württemberg und Deutschland und zwei Fördertöpfen. Von diesen Kooperationen von Academia und Ökonomie werden der biopharmazeutische Standort der BioRegionUlm, aber auch Land und Bund profitieren.

Denn BiopharMaXX, darauf weist Clustermanagerin Dr. Gabriele Gröger hin, ist strikt inhaltlich ausgerichtet und greift gegebenenfalls weit über die Grenzen der Region hinaus. Arbeitet der Cluster erfolgreich, werden neue Unternehmen gegründet oder siedeln sich an und schaffen Arbeitsplätze in den Lebenswissenschaften. Diese in ausreichender Zahl vorzuhalten ist ein weiteres Ziel des Ulmer Clusters, der talentierte Absolventen aus den Lebenswissenschaften rekrutieren und qualifzieren will.

Initiieren, moderieren und begleiten

Solche Kooperationen wie die zu Aufreinigungstechnologien sind das Ergebnis von Netzwerken, deren Akteure von der BioRegionUlm bislang in Meetings versammelt wurden. Dank der Mittel von Europäischer Union und Land wird diese Vernetzung systematischer und auf bestimmte Themen fokussiert betrieben werden können. Die BioRegionUlm als Träger des Projekts BioPharMaXX erfüllt hier verschiedene Aufgaben: Sie initiiert, moderiert und begleitet diese fortschreitende Vernetzung. An deren Ende soll parallel zu vielen anderen wirtschaftsfördernden Maßnahmen das nationale und internationale Standortmarketing gestärkt werden.

Zu den Personen:

Dr. G. Gröger

Dr. Gabriele Gröger wurde 1957 in Dietenheim/Iller geboren. Sie studierte Chemie an der Universität Ulm und promovierte bei Prof. Hartmut Seliger anschließend über die chemische und enzymatische Nucleinsäuresynthese. Seit Vereinsgründung im Jahr 1997 leitet sie die Koordinierungsstelle des BioRegionUlm e.V. und ist verantwortlich für die Durchführung und Umsetzung des Projekts BioPharMaXX Cluster.

Maike Rochon © privat

Maike Rochon studierte von 1995 bis 2001 Biologie an der Universität Osnabrück. Nach einem einjährigem Praktikum im Bereich Journalismus und Wissenschafts-PR arbeitete sie von 2002 bis 2004 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Karolinska Institut Stockholm in der Infektionsforschung. Im Anschluss wechselte sie zum Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, wo sie ihre Promotion in der Abteilung Strukturbiologie (Professor Dirk Heinz) anfertigte. Seit September 2009 ist sie Projektreferentin für den Cluster BioPharMaXX.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/cluster-biopharmaxx-verstaerkt-die-region-ulm