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Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH: Mehr Hygiene in Dentalsystemen

Das Betriebswasser in zahnärztlichen Behandlungseinheiten ist eine potenzielle Infektionsquelle für Patienten, Zahnärzte und das Praxis-Personal. Die Weinsberger Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH hat ein System auf Basis einer speziellen Hypochlorit-Lösung entwickelt, um die Bakterien effizient und für den Menschen ungiftig zu bekämpfen.

Dr. Michael Saefkow, Gründer und Geschäftsführer der Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH, hat jahrelange Erfahrung mit der Entwicklung von desinfizierenden Hypochloritlösungen auf Basis der Elektrophragmalyse. © Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH

Zahnarztstühle sind heutzutage hochkomplexe Behandlungseinheiten, die neben der eigentlichen Liege ein ganzes Arsenal an Technik umfassen – und ein wasserführendes System. Es liefert nicht nur das Spülwasser für den Patienten, sondern versorgt über neun bis elf Einzelleitungen auch die Instrumente für den Zahnarzt und seine Mitarbeiter. Das Betriebswasser der Dentaleinheiten gelangt daher auf zahlreichen Wegen in den Mundbereich des Patienten. Hier ist bei einer zahnärztlichen Behandlung natürlich äußerste Hygiene gefragt. Nun kommt das Betriebswasser nicht einfach direkt aus der Trinkwasserleitung mit schwankenden Drücken und niedrigen Temperaturen, sondern es wird gewöhnlich auf zirka 28 Grad Celsius vorgewärmt und läuft über Spezialpumpen, die für geregelte Drücke sorgen.

Systembedingt kann das Betriebswasser mit einer erhöhten Keimzahl belastet sein. Eine der möglichen Ursachen dafür ist, dass sich an den inneren Oberflächen des wasserführenden Systems Biofilme aus Bakterien bilden, die das vorbeifließende Wasser belasten. Bakterien aus dem Betriebswasser können dann nicht nur Patienten gefährden, sondern durch die Aerosolbildung während der Behandlung auch den Arzt und seine Mitarbeiter. Zudem können Bakterien aus dem Mund des Patienten in das Betriebswasser gelangen, wie Dr. Michael Saefkow, Geschäftsführer der Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH erklärt: „Um ein optimales Vorgehen zu gewährleisten, werden Zahnarztbohrer bei der Behandlung aktiv gebremst. Das Wasser hört dann auf zu fließen und es entsteht ein Unterdruck, durch den Keime in das Instrument und damit in das Leitungssystem eingesaugt werden können.“

Bakterien können Menschen über das Betriebswasser und über Aerosole infizieren

Die Desinfektionslösung Dent-aDes® für das Behandlungswasser in Zahnarztpraxen kommt als Konzentrat im Abo: Die Praxis wird regelmäßig mit neuen Flaschen versorgt. © Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH

Um der bakteriellen Belastung im Betriebswasser entgegenzuwirken, hat Saefkow ein innovatives System entwickelt, das auf seinen jahrelangen Erfahrungen mit Produkten für die Krankenhaushygiene fußt – und auf der Begegnung mit einem russischen Erfinder. Saefkow, von Haus aus Biologe, hat sich bereits während seiner langjährigen Tätigkeit als Forschungs- und Entwicklungsleiter mit der Herstellung von desinfizierenden Hypochlorit-Lösungen durch Elektrodiaphragmalyse beschäftigt. Die Technologie dahinter liegt auch der Entwicklung des Systems zugrunde, mit dem er im Mai 2015 die Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH gründete. Den Weg zur Produktentwicklung und zur Firmengründung hat er überwiegend aus eigenen Kräften bewältigt, wobei er vom Land Baden-Württemberg mit „Innovationsgutscheinen für kleine und mittlere Unternehmen" unterstützt wurde.

Die Elektrodiaphragmalyse ist ein altbekanntes Verfahren, das bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt wird und mit dem zum Beispiel aus einer wässrigen Kochsalz-Lösung eine desinfizierende Natriumhypochlorit-Lösung hergestellt werden kann. Dabei sind die beiden Elektroden in der Kochsalzlösung durch eine semidurchlässige Membran, das Diaphragma, voneinander getrennt. Das Diaphragma verhindert, dass sich bei Anlegen einer Spannung der an der Kathode entstehende Wasserstoff mit den an der Anode entstehenden Gasen Sauerstoff und Chlorgas vermischt – andernfalls würde sich explosives Knallgas bilden.

Durch Zufall stieß Saefkow 1998 auf eine russische Erfindung, bei der die Elektrodiaphragmalyse so weiterentwickelt war, dass die entstehende Hypochloritlösung besser gegen Mikroorganismen wirkte, als dies aufgrund der enthaltenen geringen Menge an Hypochlorit eigentlich der Fall sein dürfte. Saefkow erklärt das mit der Anregung der Wassermoleküle während des Verfahrens. „Es kommt zu einer Strukturänderung in der Wassermatrix, also dem Verbund aus Wassermolekülen, die aufgrund ihres Dipolcharakters miteinander wechselwirken. Damit werden die Solvatisierungseigenschaften derartig geändert, dass eine höhere und schnellere Wirkung erreicht wird.“ Das Raffinierte an der Sache: Das Verfahren ergibt nur innerhalb sehr enger Prozessparameter eine Lösung mit erhöhter Wirksamkeit. „Ich habe herausgefunden, dass es nicht nur auf den Salzgehalt in der Ausgangslösung ankommt, sondern zum Beispiel auch auf die Strömungsgeschwindigkeiten während des Verfahrens. Das ist eigentlich erstaunlich, weil die Elektrolyse im Nanosekundenbereich abläuft. Schon ein Prozent Abweichung bei einzelnen Prozessparametern bewirkt, dass das Produkt seine erhöhte Wirksamkeit verliert“, so Saefkow.

Gleich konzentrierte „normale“ Hypochloritlösung zeigt keine erhöhte Wirksamkeit

Die Flaschen mit der Desinfektionslösung werden direkt in die speziell dafür entwickelte Dosiereinheit gegeben. Diese überprüft mit eigener Sensorik die Qualität des Desinfektionsmittels. © Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH

Er hat das Verfahren nun derart verfeinert und auf die Anforderungen an Betriebswasser in Dentalsystemen abgestimmt, dass dabei ein stabiles, desinfizierendes Produkt in Trinkwasserqualität herauskommt. Die Wirksamkeit von Dent-aDes® auf Mikroorganismen wurde mittlerweile mit quantitativen Suspensionsversuchen und Pseudomonas-Bakterien als Testorganismen nachgewiesen. „Selbst bei einer Verdünnung von Dent-aDes® auf nur ein ppm freies Chlor pro Liter erreichen wir mit nur 30 Sekunden Einwirkzeit die geforderte Reduktion an Mikroorganismen. Außerdem kann Dent-aDes® in einer trinkwasserkonformen Konzentration einen Biofilm in ein bis zwei Wochen vollständig abbauen, während die gleiche Konzentration an ‚normaler’ Hypochloritlösung unwirksam ist“, erklärt Saefkow und sagt weiter: „Erst 14 Tage nach dem Abfüllen hört Dent-aDes® auf, innerhalb von 30 Sekunden wirksam zu sein, es bleibt jedoch noch vier Monate lang bei einer Einwirkungszeit von einer Minute wesentlich wirksamer als eine ‚normale‛ Hypochloritlösung“. Warum genau die Lösung derart stabil ist, wird zurzeit in Kooperation mit Arbeitsgruppen an den Universitäten Bayreuth und Dresden erforscht.

Produziert wird Dent-aDes® in Kooperation mit Io-Li-tec, einem Start-up-Unternehmen in Heilbronn, das auch den Vertrieb übernimmt. Ab Mai 2016 soll Dent-aDes® erhältlich sein – und zwar nur im Abonnement. Damit will Saefkow sicherstellen, dass der Zahnarzt stets eine wirksame Lösung zur Verfügung hat. Damit auch bei der Dosierung nichts schief läuft, wird eine Dosiereinheit mitgeliefert, die ebenfalls aus eigener Entwicklungsschmiede stammt. Die Dosiertechnik wurde für die schwankenden Anforderungen der Dentaleinheiten optimiert. „Die Dosiereinheit umfasst auch eine von uns entwickelte Sensorik, die automatisch überprüft, ob die Wirkstoffstärke in Ordnung ist und Dent-aDes® sozusagen im Vollbesitz seiner Kräfte ist“, erklärt Saefkow. Letzteres ist nötig, weil Röntgenstrahlung die Wirksamkeit der Lösung herabsetzt und Saefkow nicht ausschließen kann, dass sein Produkt auf dem Versandweg, etwa per Flugzeug, zu Kontrollzwecken geröntgt wird.

Zwei Dent-aDes®-Comics: Der erste zeigt schematisch, wie Keime durch den Schlauch in den Mundraum des Patienten (rote Punkte) oder auch von dort in den Schlauch (grüne Punkte) gelangen können, der zweite zeigt schematisch, wie die Keime mithilfe des Desinfektionsmittels eliminiert werden (rote und grüne Punkte werden zerstört).
Die Dent-aDes®-Comics machen das Prinzip anschaulich: Über das wasserführende System oder durch minimale Rückflüsse aus dem Mundraum des Patienten können Keime ins Betriebswasser gelangen, die mithilfe des Desinfektionsmittels eliminiert werden können. © Dent-aDes® HygieneSysteme GmbH
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/dent-ades-gmbh-mehr-hygiene-in-dentalsystemen