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Deutsch-französischer Schülerkongress

Bereits zum zweiten Mal trafen sich am 21. und 22. Januar über 130 Schüler und Lehrer aus ganz Baden-Württemberg, dem Elsass und der Schweiz in Straßburg zu einem multinationalen Erfahrungsaustausch. Aus Anlass des Deutsch-Französischen Tages, der seit 2004 durchgeführt wird, wurden Projektarbeiten der Schüler aus dem Bereich Naturwissenschaft und Technik präsentiert. Fachvorträge von Wissenschaftlern aus allen drei Ländern rundeten das vom BioValley College Network organisierte Treffen ab.

Der Deutsch-Französische Tag hat das Ziel, die Jugendlichen beider Länder mit dem Nachbarland und seinem kulturellen Reichtum bekannt zu machen. In allen Einrichtungen der deutschen und französischen Bildungssysteme dient die Veranstaltung der Werbung für die Partnersprache sowie der Information über Austausch- und Begegnungsprogramme und Möglichkeiten des Studiums und der Beschäftigung im Partnerland. Die zweitägige Veranstaltung im Le Vaisseau, einer Wissenschaftseinrichtung für Kinder und Jugendliche in Straßburg, wurde vom BioValley College Network (BCN) 2009 ins Leben gerufen und in den Rahmen der Aktivitäten rund um den Deutsch-Französischen Tag eingebettet. Die ganze Bandbreite an schulischen Themen in Naturwissenschaft und Technik in den drei Ländern zeigte sich in der Vielfalt der vorgestellten Schülerprojekte.

DNA-Dschungel, Supraleiter und pneumatische Zitronenroboter

Schüler und Schülerinnen hören den Vorträgen im Le Vaisseau zu. © Göttert/BIOPRO

Vier Schüler des Johann S. Bach Gymnasiums in Mannheim befassten sich in ihrem Vortrag mit dem Thema „Computer und menschliche Verantwortung“. In einer durchaus kritischen Betrachtung der neuen sozialen Netzwerke wie beispielsweise Facebook wurde der Frage nachgegangen, ob man als Teilnehmer eines solchen Netzwerks „Nackt unter Freunden?“ dasteht. Ein für ihre Schule selbst geschaffenes soziales Netzwerk machte es den Schülern bewusst, dass alle Daten innerhalb des Netzwerks trotz Löschen auf der Benutzeroberfläche auf dem Server letztendlich nie tatsächlich gelöscht werden. Vor diesem Hintergrund beendeten sie ihren Vortrag mit der kritischen Bemerkung: Vielleicht steht man als Teilnehmer eines solchen Netzwerkes doch auch „Nackt unter Fremden?“ da.

Schüler des Lycee Lambert in Mulhouse präsentieren das Chromosom 1 der Bäckerhefe als 7 m lange Papierrolle. © Göttert/BIOPRO

Schülerinnen und Schüler des Lycee Lambert in Mulhouse stellten sich die Frage „Wie kann man ein Gen im DNA-Dschungel finden?“ Ausgehend von Bananen und Zwiebeln arbeiteten sich die Schüler immer weiter vor auf die molekulare Ebene der Chromosomen anhand eines sichtbaren Nachweises der DNA mit einem Farbstoff. Anschließend stellten sie noch einen sehr anschaulichen Vergleich der Dimensionen an DNA-Daten dar. Alle auf DINA4-Papier gedruckten DNA-Basen des Bäckerhefechromosoms 1 ergaben eine Papierrolle von 7 m Länge. Hätten sie etwas Vergleichbares mitgebracht für das menschliche X-Chromosom, wäre die Papierrolle fast 5 km lang gewesen.

Zum Erstaunen der Zuhörer führten vier Schüler des Alexander-Humboldt-Gymnasiums in Konstanz einen selbst hergestellten Supraleiter vor, der auf einer Magnet-Bahn durch Abkühlen unter die Sprung-Temperatur zum Schweben gebracht werden konnte. Ein Phänomen, das auch unter dem Namen Meißner-Ochsenfeld-Effekt bekannt ist. Anhand von Literaturangaben stellten die vier aus den Chemikalien Yttrium, Barium und Kupfer selbst einen Supraleiter her. Hilfreich waren hierbei Geräte der Universität Konstanz, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden.

Vier Schüler des Lycee Theodore Deck aus Guebwiller im Elsass führten einen selbst gebauten fahrbaren Roboter vor, der beispielsweise für den Einsatz bei Rohrschäden genutzt werden könnte. Die Schweizerin Martina Hartmann stellte ihre Maturaarbeit vor, in der sie anhand einer Verwandtschaftsanalyse die Frage untersucht hatte „Wie ähnlich bin ich meinen Genen?“

Zwei Teilnehmer des phaenovum-Schülerforschungszentrums in Lörrach führten einen pneumatischen Zitronenroboter vor. Bundesbildungsministerin Annette Schavan hatte letztes Jahr mit diesem Roboter symbolisch den ersten Spatenstich für den Gebäudeneubau des phaenovums getätigt. Die nötige Druckluft für die Pneumatik kam aus der Vergärung von Fruchtsaft durch Bäckerhefe, als Energiequelle diente eine Zitronenbatterie und die Technik stammte von Legobauteilen kombiniert mit einer selbst programmierten Steuereinheit. Dieses Projekt zeigte die Vielfalt an naturwissenschaftlich-technischen Themen, die im phaenovum von interessierten Schülern bearbeitet werden können.

Zahlreiche Posterpräsentationen rundeten das Programm des ersten Tages ab.
Am zweiten Tag durften sich die Schüler entspannt zurücklehnen. Es folgten Vorträge von Wissenschaftlern der ETH Zürich, der Universität Freiburg, des IRCAD in Straßburg und der Firma Dow Rhine Center. Hier wurden die Schüler über die Welt der Mikrosystemtechnik, eine Chemie ohne Grenzen, den Einsatz von Robotern in der Medizin und über Materialwissenschaften informiert. Und bestimmt sehr interessant für die Schüler und Schülerinnen, die sich eventuell für eine spätere Tätigkeit im Bereich der Naturwissenschaften und Technik interessieren, dürften die Workshops einzelner Wissenschaftler gewesen sein, die aus ihrem Beruf berichteten.

Verstärktes Engagement im Fach NwT an Gymnasien

Dass das Land Baden-Württemberg der Ausbildung von naturwissenschaftlich-technischem Nachwuchs eine große Bedeutung beimisst, zeigt sich in der zukünftig geplanten Ausbildung von speziell ausgebildeten Lehrkräften. So wird es voraussichtlich ab WS 2010/2011 möglich sein, an drei Universitäten im Land neben einem naturwissenschaftlichen Fach wie Biologie, Chemie oder Physik als zweites Fach NwT auf Lehramt an Gymnasien zu studieren. Momentan ist das neu eingeführte Unterrichtsfach noch sehr vom Engagement des einzelnen Fachlehrers abhängig, auch fächerübergreifend aktiv zu werden. „Die Ausstattung an den Gymnasien ist einfach noch ungenügend. Gerade für den Bereich Technik gibt es keine Werkräume wie beispielsweise an Realschulen üblich. Deshalb muss mit den vorhandenen Möglichkeiten improvisiert werden,“ so Benjamin Stahl vom Wirtemberg-Gymnasium in Stuttgart-Untertürkheim. Er hatte zusammen mit zwei Schülern einen selbst gebauten Solarofen und ein Segelflugzeug für den Markt der Möglichkeiten als Anschauungsobjekte mitgebracht. Auch Carsten Hansen, Lehrer am Scheffel-Gymnasium in Lahr und aktiv bei der Gestaltung des Faches NwT in Baden-Württemberg tätig, stellt fest: „Zukünftig sollen die technischen Aspekte dieses neuen Unterrichtsfachs verstärkt zum Zuge kommen.“

 

 

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