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DKFZ: Michael Baumann – der neue Mann an der Spitze

Am 1. November 2016 übernahm der Radioonkologe Professor Michael Baumann als Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Stiftungsvorstand die Leitung des DKFZ in Heidelberg. In seiner Person verbinden sich Grundlagenforschung und klinische Anwendung. Damit können neue wissenschaftliche Erkenntnisse rasch und wirksam für die Prävention, Diagnostik und Therapie von Krebskrankheiten und für die individuellen Bedürfnisse der Patienten genutzt werden.

Prof. Dr. Michael Baumann © Philip Benjamin, NCT Dresden

Mit der Wahl des Dresdner Radioonkologen Michael Baumann zum Vorstandsvorsitzenden und Wissenschaftlichen Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) wurde eine Lücke geschlossen, die vor zwei Jahren durch die Berufung von Prof. Dr. Otmar D. Wiestler zum Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft entstanden war. Während der Übergangszeit war das Amt kommissarisch von Prof. Dr. Michael Boutros ausgeübt worden1. Daher war die – einstimmig erfolgte – Wahl von Michael Baumann durch das Kuratorium des DKFZ mit gespannten Erwartungen über Heidelberg hinaus verfolgt worden. „Mit ihm haben wir einen herausragenden Mediziner und Wissenschaftler gewonnen“, erklärte die Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka: „Er ist die ideale Person, um Grundlagenforschung mit angewandter Krebsforschung zu verbinden. Nur so kann es uns gelingen, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller und effektiver in die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten zu bringen.“ Prof. Dr. Josef Puchta, Kaufmännischer Vorstand des DKFZ seit 1996, bekräftigte: „Ich kenne Michael Baumann seit fünf Jahren und arbeite mit ihm im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) eng zusammen. Er bringt große Erfahrung mit, und ich habe ihn als dynamische Persönlichkeit kennengelernt. Ich bin überzeugt, dass wir die zukünftige Entwicklung des DKFZ gemeinsam erfolgreich weitergestalten werden.“

Werdegang eines Radioonkologen und Strahlentherapeuten

Michael Baumann, der am 1. November 2016 sein neues Amt an der Spitze des DKFZ antrat, hat sich international auf dem Gebiet der klinischen Radiobiologie und experimentellen Strahlentherapie von Tumoren einen Namen gemacht. Er hat damit maßgeblich dazu beigetragen, neue Erkenntnisse der Strahlenbiologie mit der Technologie der Strahlentherapie zu verknüpfen, mit dem Ziel, Krebserkrankungen in der Klinik effizienter mit Strahlen behandeln zu können. Die individualisierte Radiotherapie unter Einsatz strahlenspezifischer Biomarker, mit denen die Therapie an den jeweiligen Patienten angepasst werden kann, steht im Zentrum seiner Forschungsarbeiten. So werden bestimmte im DNA-Reparatursystem aktive Chromosomenbereiche (DNA-Reparaturfoci) untersucht, die als Marker für die Tumorstrahlenempfindlichkeit verwendet werden könnten. Weitere Arbeitsgebiete Baumanns sind die Weiterentwicklung bildgebender Verfahren (Bio-Imaging-Techniken) in der Radioonkologie, die Hochpräzisions- und Protonentherapie sowie die Behandlung von Lungen- und Kopf-Hals-Tumoren.

Nach dem Medizinstudium und der Promotion an der Universität Hamburg war Baumann zu einem Forschungsaufenthalt für Radioonkologie an die Harvard Medical School in den USA gegangen. Anschließend bildete er sich zum Strahlentherapeuten aus und baute eine Arbeitsgruppe zur experimentellen Strahlentherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aus, wo er sich habilitierte, bevor er als Leiter des Bereichs Experimentelle Radioonkologie und Strahlenbiologie an die Technische Universität (TU) Dresden wechselte und 2004 zum C4-Professor für Radioonkologie berufen wurde. Baumann ist Gründungsdirektor des Universitäts KrebsCentrums der TU Dresden, an dem sämtliche medizinische Fachrichtungen vertreten sind, um die Diagnostik und Behandlung aller Tumorarten mit den modernsten technischen Möglichkeiten durchzuführen. Die Etablierung der Forschungsplattform OncoRay® – „Zentrum für Innovationskompetenz Medizinische Strahlenforschung in der Onkologie“ – geht maßgeblich auf Baumann zurück. OncoRay® ist ein Zusammenschluss von Instituten des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, des Universitätsklinikums und der Medizinischen Fakultät der TU Dresden mit dem Ziel einer verbesserten Behandlung von Krebserkrankungen durch biologisch individualisierte, technologisch optimale Strahlentherapie.

Die Allianz Heidelberg/Dresden

Prof. Dr. Michael Baumann und Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka bei der Eröffnung der Protonentherapie-Einheit am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus im August 2014. © M. Rietschel, Universitätsklinikum Dresden

Gemeinsam mit Otmar Wiestler, dem damaligen Chef des DKFZ, initiierte Michael Baumann 2010 die Gründung des „National Center for Radiation Research in Oncology Dresden/Heidelberg“, eine enge Verzahnung von OncoRay® mit HIRO, dem Heidelberger Institut für Radioonkologie. HIRO seinerseits ist ein Zusammenschluss der Strahlentherapieforschung von DKFZ, Universitätsklinikum Heidelberg sowie Nationalem Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) und Heidelberger Ionenstrahltherapiezentrum2. Weiter verstärkt wird die Kooperation von Heidelberg und Dresden in der Krebsforschung – speziell in der radioonkologischen Forschung – durch das DKTK, dessen Dresdner Standort von Baumann koordiniert wurde, sowie seit 2015 durch den Aufbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden. Dieses wurde ebenfalls von ihm als Gründungsdirektor geleitet und ist deutschlandweit einziger Partnerstandort des NCT Heidelberg. Anlässlich der Ernennung des neuen Führungsdirektoriums am NCT Dresden erklärte Baumann: „Als neuer Vorstand des DKFZ freue ich mich, mit den Dresdner Kollegen einen exzellenten Standort für die personalisierte Onkologie voranzutreiben.“

Da es unter den mindestens 250 Krebsarten, die wir heute kennen, bei gleicher Diagnose höchst unterschiedliche Krankheitsverläufe gibt, sind personalisierte Ansätze unumgänglich. In steigendem Maße lassen sich diese individuellen Unterschiede biologisch erklären. Mithilfe der größten Sequenziereinheit Deutschlands, die gemeinsam von DKFZ und DKTK eingerichtet worden ist, lassen sich die Genome der Patienten schnell und präzise analysieren und die Daten zielgerichtet für diagnostische Methoden und Therapien verwenden.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg © T. Schwerdt, DKFZ

Eines der zentralen Anliegen ist für Baumann die Weiterentwicklung der translationalen Onkologie – das heißt, die Ergebnisse der Grundlagenforschung auf neue Ansätze zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von Krebskrankheiten zu überprüfen und in klinischen Studien zu testen, damit sie schnell, sicher und wissenschaftlich fundiert zum Wohle der Patienten eingesetzt werden können. Die Verflechtung des DKFZ mit den führenden klinischen Einrichtungen auf dem Gebiet der Krebsforschung schafft strukturelle Voraussetzungen, um das Ziel anzugehen, „dem Krebs einen Schritt voraus zu sein“, wie Baumann es nennt. Er will solche interdisziplinären Partnerschaften – nicht zuletzt auch mit Dresden – weiterhin gezielt fördern. Sobald er in Ausübung seines neuen hohen Amtes dazu kommt, wird der neue Wissenschaftliche Stiftungsvorstand am DKFZ auch seine eigene Arbeitsgruppe aus Radioonkologen, Biologen und Physikern aufbauen.

Literatur:

1 https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/michael-boutros-von-der-erforschung-sozialer-gennetzwerke-zur-leitung-des-dkfz/

2 https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/national-center-for-radiation-research-in-oncology-dresden-heidelberg-gegruendet/

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/dkfz-michael-baumann-der-neue-mann-an-der-spitze