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Doppelt hält besser

Das Abitur machen und einen Beruf in nur drei Jahren zu erlernen ist keine leichte Aufgabe. An der Kilian-von-Steiner-Schule in Laupheim ist dies seit dem Schuljahr 2013/2014 mit einem Berufsabschluss zum Umwelttechnischen Assistenten am Naturwissenschaftlich-Technischen Gymnasium möglich.

Arbeit im Chemielabor © KVS Laupheim

Das Technische Gymnasium mit dem Profil Angewandte Naturwissenschaften (NTG) ist eine Schulform, die sowohl eine allgemeine Bildung mit dem Abschluss der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) vermittelt als auch einen beruflichen Abschluss bietet. Diese Doppelqualifikation bietet den Schülern die Möglichkeit, nach dem Abschluss zu studieren oder auch direkt in den jeweiligen Beruf einzusteigen. So kann man an der Kerschensteinerschule Stuttgart das Naturwissenschaftlich-Technische Gymnasium mit einem Abschluss zum Chemisch- (CTA), Physikalisch- (PhyTA), Pharmazeutisch- (PTA) oder Umwelt-Technischen Assistenten (UTA) abschließen. Seit dem Schuljahr 2013/2014 bietet auch die Kilian-von-Steiner-Schule in Laupheim das Naturwissenschaftlich-Technische Gymnasium (NTG) mit einem Abschluss zum UTA an und ist damit die zweite Schule mit einem solchen Angebot in ganz Baden-Württemberg.

Biologisches und umweltanalytisches Labor

Schüler im umweltanalytischen Labor © KVS Laupheim

Um für das NTG mit Berufsabschluss zugelassen zu werden, müssen die Schüler die mittlere Reife erworben oder ein Versetzungszeugnis in die Klasse 10 beziehungsweise Klasse 11 des achtjährigen Gymnasiums erhalten haben. Während der dreijährigen Schulzeit erwartet die Schüler zum einen die normale schulische Ausbildung mit Englisch, Mathematik und Deutsch sowie Geschichte, Ethik und Wirtschaftslehre. Hinzu kommen die Fächer für das mathematisch-naturwissenschaftliche Aufgabenfeld, die acht Wochenstunden betragen - wie “Technischer Umweltschutz“ und „Umweltchemie“ -, sowie die Laborpraxis, die ebenfalls acht Stunden in der Woche unterrichtet wird. Die enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis hält den zeitlichen Mehraufwand in Grenzen.

„Hier in Laupheim haben wir uns auf die analytische Chemie und die Biotechnologie spezialisiert“, erklärt Dr. Claudia Schulz, Abteilungsleiterin Naturwissenschaften an der Kilian-von-Steiner-Schule. In der analytischen Chemie wird größtenteils Umweltanalytik betrieben, wie zum Beispiel die Schadstoffanalyse der Raumluft mit der Chromatographie (HPLC) oder die Untersuchung des Trinkwassers auf Mineralstoffe und giftige Schwermetalle. „Die Ausbildung weist in diesem Bereich eine große Übereinstimmung mit dem CTA auf“, berichtet Claudia Schulz.

Acht Stunden Laborpraxis

Versuche im Biologie-Labor © KVS Laupheim

Im biologischen Labor erlernen die Schüler Zellkulturtechnik, sie isolieren in der Molekularbiologie DNA und erzeugen genetisch veränderte Organismen. So bringen sie zum Beispiel Bakterien mit dem Gen von Quallen zum Leuchten. In der Mikrobiologie werden Mikroorganismen unter anderem dafür eingesetzt, um die Toxizität von Wasser zu prüfen. Weiterhin wird Wasser auf seine Gesamtkeimzahl hin untersucht. Dabei plattieren die Schüler das Wasser auf Agarplatten aus und können nach einer Wachstumszeit die Anzahl der Keime bestimmen. Mittels der sogenannten bunten Reihe überprüfen die Schüler, ob Darmbakterien wie etwa enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) im Wasser enthalten sind. Die Bakterien können schwere blutige Durchfallerkrankungen auslösen. „Das Spannende an unserer Schule ist, dass man acht Stunden Laborpraxis hat“, so Claudia Schulz. Im Profilfach „Technischer Umweltschutz“ werden auch Computer- und Verfahrenstechnik gelernt, zu denen unter anderem auch die Steuerung und Regelung von Produktionsprozessen, wie zum Beispiel in der Antibiotikaherstellung, gehören.

Abitur und Ausbildung in einem

Die schulische Ausbildung endet mit der Abiturprüfung. Um die Qualifikation zum Umwelttechnischen Assistenten zu erlangen, müssen die Schüler eine weitere Prüfung sowie ein achtwöchiges Betriebspraktikum ableisten, das Bezug zum Beruf des UTA hat. “Viele der Schüler sind jedoch gar nicht auf den Ausbildungsberuf fixiert“, erklärt Schulz. Da zahlreiche Schüler auch von den allgemeinbildenden Gymnasien kommen, sei diesen die Möglichkeit, ein Abitur mit viel Laborpraxis zu machen, wichtiger, erklärt Claudia Schulz. Selbstverständlich absolvieren die meisten der Schüler die Prüfung zum UTA. Aufgrund der langjährigen Erfahrung mit der Ausbildung Technischer Assistenten kann die Kilian-von-Steiner-Schule auf gute Kontakte zur Industrie zurückgreifen und so den Schülern bei Bewerbungen zur Seite stehen.

Arbeitgeber für UTAs sind unter anderem die Universitäten, Überwachungsämter sowie Analytik- und Biotech-Firmen. „Unsere Schüler kommen zum Beispiel bei Boehringer Ingelheim in Biberach sowie bei Rentschler Biotechnologie unter, aber auch bei Seeberger in Ulm in der Analytik“, sagt Schulz. Viele Schüler würden aber auch im Anschluss an das Abitur und die Ausbildung ein Studium beginnen. Die berufliche Qualifikation gewährleistet eine fundierte Basis in den jeweiligen naturwissenschaftlichen Studiengängen und erleichtert das Grundstudium in erheblichem Maße. Das NTG mit der Ausbildung zum UTA bietet daher zahlreiche Möglichkeiten, die berufliche Laufbahn zu gestalten, und ermöglicht so naturwissenschaftlich interessierten Schülern, sich schon während ihrer Schulzeit zu spezialisieren.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/doppelt-haelt-besser