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Rezension

eHealth – Wie Smartphones, Apps und Wearables die Gesundheitsversorgung verändern werden

In dem Buch „eHealth – Wie Smartphones, Apps und Wearables die Gesundheitsversorgung verändern werden“ beleuchten Autoren aus unterschiedlichen Wissensgebieten das Thema digitale Gesundheit. Es kommen Befürworter wie Kritiker zu Wort. Auch das deutsche Gesundheitssystem wird unter die Lupe genommen. Sehr eingängig und anwendungsbezogen bieten die Autoren dem Leser unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema eHealth.

Das Ende 2015 in Kraft getretene E-Health-Gesetz soll die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Gesundheitsversorgung beschleunigen. Ziel ist es, die Qualität der Versorgung zu verbessern. Ein Meilenstein aus dem E-Health-Gesetz ist der Medikationsplan. Dieser soll Patienten, die mehr als drei Medikamente einnehmen, zur Verfügung stehen – ab dem 1. Oktober 2016 in Papierform und ab dem 1. Januar 2018 auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Vor diesem Hintergrund ist das Buch „eHealth – Wie Smartphones, Apps und Wearables die Gesundheitsversorgung verändern werden“ eine gute Basis, um die Vorgänge um den Themenkomplex eHealth zu verstehen. Denn die Herausgeber Volker P. Andelfinger und Professor Till Hänisch haben mithilfe zahlreicher weiterer Autoren aus unterschiedlichen Wissensgebieten eine gute Zusammenfassung erstellt.

Aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen gut aufbereitet

Cover des 2016 erschienenen Buches eHealth © Springer Fachmedien Wiesbaden

Die verschiedenen Autoren sehen „eHealth“ aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln. Die kurzen Vorworte der Herausgeber zu den einzelnen Kapiteln helfen dem Leser dabei, das Kapitel in einen Kontext einzuordnen. Denn das Thema umfasst, neben den medizinischen Aspekten, auch organisatorische, politische, gesellschaftliche und technische Bereiche. Hänisch stellt im zweiten Kapitel „eHealth – eine Begriffsbestimmung“ die Frage, warum wir Big-Data-Anwendungen im Alltag nutzen, die Kommunikation mit Medizinern jedoch weiterhin in Papierform stattfindet. „Warum bekomme ich Laborbefunde nicht per E-Mail?“, ist eine Frage, die sich ein Patient schon gestellt haben mag, ist er doch im normalen Leben mit dem Smartphone immer „online“. Der Autor beschreibt die anfängliche Anwendung des Computers in der Medizin und führt auf, dass es die Telemedizin trotz guter Ansätze bisher „nicht in die Breite“ geschafft hat. Doch dies wird sich ändern, prognostiziert Hänisch, denn der Patient fordert eine Digitalisierung des Gesundheitswesens. Aktuelle Studien bestätigen dies.

Damit greift Hänisch auf, was Florian Schumacher, Begründer der Quantified-Self-Bewegung in Deutschland, in Kapitel 7 „Von Quantified Self zur Gesundheit der Zukunft“ vertieft. Mithilfe der Selbstvermessung wollen die Nutzer von Wearabels und Smartphone-Apps ihren Lebensstil verbessern. Florian Schumacher, Self-Tracking-Pionier und Blogger, beschreibt die Vorteile, die sich aus der Vermessung ergeben, recht eindrucksvoll. Er erklärt die Mittel, die Programmierer als Motivationshilfe einbauen, die sogenannten Gamification-Elemente, und beleuchtet auch die Vorteile des Self-Tracking für die Versicherungswirtschaft.

Der Körper als Kapital

Auch viele Radsportler zeichnen ihre Aktivität über einen Fitness-Tracker auf. © Pixabay

eHealth wird jedoch in der Gesellschaft nicht nur positiv aufgenommen. So gibt es insbesondere Kritiker im Bereich der Datensicherheit. Doch Hänisch stellt in seinem Kapitel „Sind die Daten sicher, Privacy gestern, heute, morgen“ die bisherige konsequente Abschottung der Patientendaten infrage. Denn wenn die Daten verwendet würden, so seine Meinung, ständen der Forschung und auch der persönlichen Gesundheit viele Möglichkeiten offen. So könnte zum Beispiel, wenn auf alle Daten zu einem bestimmten Krankheitsbild zurückgegriffen werden könnte, für jeden Patienten eine auf Basis dieser Informationen optimierte Therapieempfehlung gemacht werden. Der Ansatz von Hänisch, dass der Patient selbst Verantwortung übernimmt und nur die Daten weitergibt, „die keine erhebliche Beeinträchtigung der Privatsphäre darstellen“, unterstützt die Strategie der Europäischen Union in diesem Bereich. Im Kapitel „Rationale Diskriminierung durch Lifelogging – Die Optimierung des Individuums auf Kosten des Solidargefüges“ warnt der Autor Prof. Stefan Selke vor den möglichen Risiken der Selbstvermessung. Der Text, der als „Nicht-Soziologe“ nicht angenehm zu lesen ist, gibt einen Einblick, welche Gefahren für den Menschen entstehen können, wenn der Zustand seines Körpers zum Kapital wird.

eGK schneidet schlecht ab

Im Bereich eHealth darf natürlich auch die Auseinandersetzung mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht fehlen. Laut Andelfinger ist dieses momentan auf Reaktion statt Prävention ausgelegt. Der Autor sieht den Patienten zunehmend in der Verantwortung für seinen Gesundheitszustand. Denn bisher, so Andelfinger, kümmert sich dieser erst dann um seine Gesundheit, wenn er sie bereits eingebüßt hat, und das muss sich ändern, wenn die Gesellschaft den demografischen Wandel überstehen will. eHealth ist die Technologie, die dabei unterstützen kann und sollte. Dass, nach Andelfingers Abhandlung, auch die elektronische Gesundheitskarte in einem Test mit dem Viability-Fit-Modell nicht gut abschneidet, überrascht daher nicht. Mit dem Viability-Fit-Modell testet das Autorenteam um Professor Nilmini Wickramasinghe, Professorin für Health Informatics Management an der Deakin University in Melbourne (Australien), die Bereitschaft und die Möglichkeit von Organisationen (zum Beispiel Staaten oder Unternehmen) eine Technologie einzuführen. Sie sehen bei der Einführung der eGK grundlegende Aspekte nicht berücksichtigt. Dazu gehört unter anderem, dass nicht alle Interessengruppen bei der Planung miteinbezogen wurden.

Studierende geben ihre Ideen weiter

Das Buch, das in Teilen im Integrationsseminar 2015 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heidenheim entstanden ist, bietet nicht nur Analysen und Einschätzungen rund um das Thema eHealth, sondern auch Lösungsansätze. Denn, wie die Herausgeber treffend schreiben, „in einem Integrationsseminar wird Wissen vermittelt, aber auch kräftig gearbeitet“. Und so findet der Leser in Kapitel 12 die ausgearbeiteten, erfrischenden Ideen der Studierenden. Dazu zählen sowohl Ideen zur elektronischen Gesundheitsakte als auch Vorschläge zum Einsatz von eHealth in der Arbeitswelt, um stress- und bewegungsbedingte Berufskrankheiten zu vermeiden. In den Abhandlungen des Seminars, das im Fachbereich Wirtschaftsinformatik stattfand, kommen auch Marketingaspekte und Vertriebsmodelle nicht zu kurz. Daher kann dieses Kapitel auch für junge Unternehmen in der Branche interessante Anregungen liefern.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/ehealth-wie-smartphones-apps-und-wearables-die-gesundheitsversorgung-veraendern-werden