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„Ein Löffelchen voll Biotechnologie“ - Lust auf mehr

Wussten Sie schon, dass eine einfache Speichelprobe genügt, um nach dem passenden „biochemischen“ Partner suchen zu lassen? Oder dass Bakterien der Gattung Colwellia auch noch bei minus 200 Grad Celsius Lebenszeichen von sich geben? Diese und andere, teilweise bizarren Ergebnisse aus der bio(techno)logischen Forschung der letzten Jahre sind in der Sammlung „Ein Löffelchen voll Biotechnologie“ des Autors Reinhard Renneberg zu finden.

© Spektrum Akademischer Verlag

Auch im neu erschienenen Folgeband von „Katzenklon, Katzenklon“ sind wieder die „Biolumnen“ genannten Kolumnen des Biotechnologie-Professors Reinhard Renneberg nachzulesen. In diesen kurzen Geschichtchen, geschrieben alle zwei Wochen für die Zeitung „Neues Deutschland“ (ja, genau diese – es gibt sie noch), erfährt der interessierte Leser auf sehr kurzweilige Art alles Mögliche aus der Welt der Biotechnologie und auch Einiges aus der Jugendzeit des Autors in der ehemaligen DDR. So beschreibt sich Renneberg als "Jugendfreund von Angela Dorothea Kasner" (heute als Angela Merkel bekannt) und wie sie forschte auch er an der Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch. Der Doktorand des auch im Westen sehr bekannten Biosensorik-Papstes der DDR, Frieder Scheller, war aber auch schon als sehr junger Mensch naturwissenschaftlich aktiv. Sei es bei der Untersuchung der Größenverteilung der Stubenfliegen in Haus und Hof seiner Großmutter bei Merseburg oder bei Experimenten mit Hausspatzen im Garten der Oma, denen mit einem ausgeklügelten Mechanismus bunte Hüte auf den Kopf geklebt wurden.

Man kann aus diesen kurzen Erzählungen nicht nur viel Wissenswertes rund um das Thema Biotechnologie herausholen, man erlebt nebenbei auch noch zeitgenössischen Geschichtsunterricht. Etwa wenn der Autor detailliert erzählt, wie er nach dem Lesen eines 1968 in die DDR geschmuggelten Buchexemplars von James Watsons „The Double Helix“, ein DNA-Modell für den Schulunterricht gebaut hat. Mit viel Lokalkolorit beschreibt er wie er das Modell, mangels Molekülmodell-Baukästen, aus Kinderwagen-Klappern und Polystyrol vom Bunawerk in Schkopau zusammenbastelte und dafür drei Einsen bekam. Erfindungsreichtum und Organisationstalent blühen erst so richtig unter Mangelbedingungen auf.

Von grün fluoreszierenden Katzen und Currywurst als Alzheimer-Prophylaxe

Reinhard Renneberg, der seit 1995 an der Universität von Hongkong Biotechnologie lehrt, unternimmt mit den Biolumnen den erfolgreichen Versuch, einem breiten Publikum auf unterhaltsame Art aktuelle und ältere klassische Biotechnologiethemen nahe zu bringen. Ganz nebenbei erfährt der Leser, dass in Amerika bereits vor Jahren grün fluoreszierende Katzen für Versuchszwecke „entwickelt“ wurden. Dies geschah natürlich nicht, um entlaufene Katzen nachts mit Schwarzlichtlampen wieder besser einfangen zu können, sondern um eine Gentherapie gegen die Cystische Fibrose beim Menschen zu entwickeln.

Auch noch gänzlich unbekannt, aber in Zeiten von globalen Energiediskussionen zukünftig durchaus von Interesse, könnte die Entdeckung eines „Diesel-Pilzes“ sein, der aus zellulosehaltigen Abfällen, dem Diesel ähnliche Verbindungen synthetisiert. Oder man kann bei ihm nachlesen, wieso die ehemals beliebte deutsche Currywurst in Zeiten von Döner und Pizza durchaus ein Revival als Alzheimer-Prophylaxe erleben sollte.

Die sechzig Geschichten aus den Jahren 2007 bis 2010 sind gerade auch für Leser interessant, die zwar vom Gebiet der Biotechnologie fasziniert sind, aber keine allzu großen Kenntnisse besitzen. Kurzweilig und mit immer wieder neuen, interessanten Aspekten beleuchtet Renneberg den großen Themenbereich und löst damit die Lust aus, sich näher mit der Materie zu befassen. Und wenn sich der eine oder andere Leser für seinen Unterricht, sei es an der Schule oder an der Hochschule, mal eine witzige Idee für seine Lehre klaut, wird der Autor bestimmt nichts dagegen haben. So hat er den Studenten an seiner Universität beispielsweise die Funktionsweise eines Schwangerschaftstests an seinem vermeintlich eigenen Urin vorgeführt. Abschließend wurde der verwendete Urin auch noch schluckenderweise dahingehend untersucht, ob er eventuell zuckerhaltig ist und somit von einer Diabetikerin stammt. Erst am Schluss und nach einigen entsetzten Blicken seiner Studenten rückte Renneberg damit heraus, dass die gelbe Flüssigkeit lediglich chinesisches Bier war.

Wer also seinen interessierten Schülern und Schülerinnen einer Biotechnologie-AG etwas leicht zu Lesendes in die Hand drücken will, sollte sich dieses Bändchen für seine Bibliothek unter Rubrik „Amüsantes aus der Wissenschaft“ ruhig zulegen. Bei einem Preis von gerade mal 9,95 Euro hat man auch das Budget nicht über Gebühr beansprucht, aber vielleicht doch mal bei dem einen oder anderen Leser die Lust auf mehr Biotechnologie geweckt.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/ein-loeffelchen-voll-biotechnologie-lust-auf-mehr