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Gastbeitrag

Erfahrungsbericht Jiangsu

Sandra Barudio, Chemikerin an der Universität Freiburg, ist seit Anfang September 2010 für vier Monate bei dem Unternehmen GenePharma in Suzhou, Provinz Jiangsu, China, als Praktikantin tätig und ausgestattet mit einem China-Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Frau Barudio ist Doktorandin im 2. Jahr am Chemisches Institut der Universität Freiburg und promoviert über Nukleotid-Chemie. GenePharma ist ein Marktführer bei der Herstellung von siRNA als Forschungsreagenz und agiert weltweit.

Die Fragen stellte Professor Dr. Rolf Schmid, Koordinator des Landes Baden-Württemberg für die bilaterale Zusammenarbeit in den Biowissenschaften.

1. Was hat Sie bewogen, unser Stipendien-Angebot nach China anzunehmen?

Speziell die Ausrichtung des Stipendienprogrammes auf Projekte in China weckte mein Interesse und motivierte mich, daran teilnehmen zu wollen. Denn gerade ein Forschungsaufenthalt stellt nicht nur eine hervorragende Gelegenheit dar, einen intensiven Einblick in die Lebensgewohnheiten und Sichtweisen dieses Landes zu erhalten und einen Beitrag zum besseren Verständnis beider Kulturen zu leisten. Sondern meine Motivation gründete auch darin, mich mit einer Teilnahme als Wissenschaftlerin aber auch als Mensch herauszufordern und meinen Horizont zu erweitern.

2. Sie arbeiten jetzt drei Monate bei GenePharma - wie sind Ihre beruflichen Erfahrungen?

Bei GenePharma bekam ich die Möglichkeit, zusammen mit chinesischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen in einer sehr angenehmen Atmosphäre zu arbeiten. Einige meiner Kollegen hatten selbst eine gewisse Zeit im Ausland verbracht und waren somit auch stets hilfsbereit und zeigten mir größten Respekt vor meiner Bereitschaft, ein paar Monate in einem für mich völlig fremden Land mit einer anderen Kultur zu verbringen. Auch stellte die Kommunikation unter uns kein größeres Problem dar.

Sandra Barudio (Bildmitte) in der Bibliothek von GenePharma im Gespräch mit zwei Kolleginnen © Rolf Schmid

Die Ausstattung der Labore entsprach größtenteils dem üblichen westlichen Standard. Jedoch lag eine gewisse tägliche Herausforderung darin, die benötigten Chemikalien zu identifizieren und die notwendigen Geräte bedienen zu können. Gerade am Anfang des Aufenthaltes bedurfte es daher doch einiger Hilfe. Eine gewisse Umstellung lag für mich vor allem in der strengeren Personalhierarchie und in den sehr genau definierten Zuständigkeiten und Verantwortungsbereichen, die man unbedingt beachten musste. Aber generell ähnelten die Abläufe im Laboralltag doch sehr denen mir aus Deutschland bekannten. So traf man sich beispielsweise in regelmäßigen Abständen und diskutierte im kleinen Kreis die neuesten Resultate und Fortschritte.

3. Wie lebt es sich in Suzhou?

Suzhou mit seinen unzähligen Kanälen ist eine tolle Stadt, in der man neben dem historischen, alten eben auch auf das moderne China trifft. Durch die unzähligen Tempel, Pagoden und Gärten, für die es weltweit bekannt ist, bekommt man einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Stadt und die Traditionen des Landes. Auch kulinarisch hat die Stadt einiges zu bieten. Durch den Tourismus findet man Restaurants jeglicher Küche, auch der zahlreichen anderen Provinzen Chinas, durch die man sich durchprobieren kann. Durch die Nähe zu Shanghai, Nanjing und den Tai-See hat man weitere tolle Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen.

BioBay Areal in Suzhou als Teil des High-Tech-Parks © BioBay

Im Osten der Stadt ist ein riesiges Areal, der China-Singapore Suzhou Industrial Park (SIP), angeschlossen, in dem man so gut wie jede Industriebranche wiederfinden kann. Beispielsweise findet man dort die bioBay, in der auch Suzhou GenePharma Co. angesiedelt ist. Der SIP ist so hervorragend in die Stadt eingegliedert, dass man den Übergang zwischen Stadt und „Industriegebiet" nicht bemerkt. Durch die zahlreichen internationalen Firmen, Schulen und Institute verschiedener Universitäten leben hier auch zahlreiche Ausländer, mit denen man die neuesten Erfahrungen und Entdeckungen austauschen kann.

4. Können Sie ein "Internship" in China empfehlen?

Ich kann ein Praktikum absolut empfehlen, denn es stellt eine tolle Gelegenheit dar, einen Einblick in die Kultur und das Land zu bekommen. Daneben kann man auch ein neues Forschungsgebiet für sich entdecken. Natürlich bedarf es ein wenig des Mutes und einer gewissen Abenteuerlust, da die Welt in China doch eine andere ist. Aber es war wirklich eine großartige Erfahrung, die sich gerade durch die vielen tollen Eindrücke, Erfahrungen und Freundschaften nicht mehr missen möchte.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/erfahrungsbericht-jiangsu