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Gastbeitrag

Erfahrungsbericht Nina Denneler: Sechs Monate in Nanjing

Nina Denneler verbrachte über das China-Stipendium des Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg spannende sechs Monate in der chinesischen Provinz Jiangsu. Die 24-jährige Studentin der Technischen Biologie an der Universität Stuttgart hatte die Chance, am 'College of Biotechnology and Pharmaceutical Engineering‘ chinesische Laborluft zu schnuppern und interessante Eindrücke von Land und Leuten zu gewinnen. Lesen Sie hier mehr über die Erfahrungen von Nina Denneler, die sie während ihrer Zeit in China gesammelt hat.

Nina Denneler (links) beim Essen mit Prof. Li Yan (rechts), Prof. Binfang He (mittig) und ihren Kollegen. © Nina Denneler

Warum China? Über einen Professor der Universität Stuttgart erfuhr ich, dass das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg China-Stipendien vergibt. Ich wollte von Anfang an kein 'Standard'-Auslandspraktikum machen. Ich wollte an einen besonderen Ort. Da ich zudem ein großer Fan von modernen Megastädten und der asiatischen Küche bin, war für mich sofort klar: Ich werde mich bewerben.

Bislang kannte ich China allerdings nur aus den Medien, und dort werden einem meist nur die verrückten Essgewohnheiten der Chinesen näher gebracht. Von meinen Freunden hörte ich als Reaktion häufig: „China, das ist doch eine ganz andere Welt, willst du das wirklich machen?“. Doch gerade das machte den Reiz für mich aus.

Die Arbeit an der Nanjing Tech University

Ich entschied mich für ein sechsmonatiges Praktikum an der Nanjing Tech University in der Hauptstadt der Jiangsu Provinz. Das Praktikum machte ich am 'College of Biotechnology and Pharmaceutical Engineering' bei Professorin Li Yan. Ich hatte die Möglichkeit, an einem Projekt von Beginn an mitzuarbeiten. Ziel war es, Desaturasen aus Guillardia theta CCMP2712 zu identifizieren. Hierzu durfte ich wichtige Entscheidungen über das Forschungsvorhaben und einen Ablaufplan der darauf folgenden Labortätigkeiten ausarbeiten. Gegen Ende meines Aufenthaltes konnten wir einige Vorversuche durchführen. Für mich war dies eine völlig neue Erfahrung, da ich bisher noch nie die Chance hatte, ein Projekt von Beginn an zu begleiten. Dabei trifft man auf weitaus mehr Probleme und Fragestellungen, als man vorher vermuten würde.

Über die Gewohnheiten im Labor war ich im ersten Moment etwas erschrocken. Es ist nicht unüblich, am Schreibtisch im Labor zu essen und zu trinken. So wurde ich auch direkt zum gemeinsamen Dumpling kochen im Labor eingeladen, wobei mir dabei etwas mulmig zumute war. Auch die Arbeitszeiten unterscheiden sich erheblich von denen, die man hier in Deutschland gewohnt ist. In China ist es nicht unüblich, erst am Nachmittag mit den Versuchen anzufangen. Dafür arbeitet man dann auch gerne mal bis 23 Uhr. Der dadurch versäumte Schlaf wird dann einfach nach dem Mittagessen am Schreibtisch nachgeholt. Die Studenten arbeiten auch an Samstagen.

Allerdings war es für mich kein Muss samstags zu arbeiten, da meine Professorin mir ermöglichen wollte, auch andere Städte zu besuchen. Meine Kollegen waren allesamt sehr nett und halfen mir bei jedem größeren oder kleineren Problem, auch außerhalb der Universität.

Ausflug nach Beijing. © Nina Denneler

Das Leben in Nanjing

Anfangs wohnte ich im Studentenwohnheim des schönen Hauptcampus, wo sich auch mein Institut befand. Leider ist dieser mit den öffentlichen Verkehrsmitteln über eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Später ergab sich die Möglichkeit, in das Studentenwohnheim auf den Campus nahe des Stadtzentrums zu ziehen. Dieser liegt in der Nähe von einem der beiden Bahnhöfe und der bekannten Hunan Staße. Zur Arbeit kam ich mit dem Schulbus, der die beiden Standorte der Universität anfuhr. Die Nähe zur Metro und zum Bahnhof war perfekt, um Nanjing und auch andere Städte zu erkunden. Neben den vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten hat Nanjing auch abends einiges zu bieten. So gibt es ein ganzes Viertel, welches ausschließlich aus modernen Clubs, Restaurants und Bars besteht. In Nanjing gibt es darüber hinaus gigantische Shopping Malls und tolle Märkte. Ganz besonders gefallen haben mir jedoch meist die kleinen, unscheinbaren Gassen, in denen es alle möglichen Köstlichkeiten gab. 

Die Sprachbarriere

Zwischen der Zusage und meiner Abreise lagen nur wenige Monate, in denen es noch einiges zu erledigen gab. So gelang es mir vor meiner Abreise nur, einen dreitägigen Crashkurs in Chinesisch zu besuchen. Leider musste ich in Nanjing schon sehr schnell feststellen, dass die Sprache ein viel größeres Problem darstellt, als ich angenommen hatte. Selbst an der Universität wird nicht von jedem Englisch gesprochen. Daher machte ich mir zur Aufgabe, so schnell wie möglich die sprachlichen Grundlagen für das tägliche Leben zu erlernen. Die Universität organisierte für mich und fünf weitere Austauschstudenten - aus Deutschland und Frankreich - eine kompetente Studentin als Lehrerin. Diese brachte uns die wichtigsten Grundlagen der chinesischen Sprache bei.

Reisen in China

Neben der Arbeit und den Chinesisch-Kursen hatte ich glücklicherweise auch Zeit, China zu bereisen. Außer Nanjing erkundete ich bei Wochenendausflügen weitere Städte wie Shanghai, Souzhou, Hangzhou, Xian, Chengdu, Nantong und Peking. So lernte ich einiges über die Geschichte Chinas, einige Megastädte und die Schönheit der Landschaft kennen. Die schönsten Erinnerungen habe ich an das chinesische Neujahrsfest, welches ich im Kreise der Familie meiner chinesischen Kollegin miterleben durfte. Dort habe ich einen Einblick in die doch sehr von den deutschen Feierlichkeiten abweichenden Traditionen erhalten.

Mein Fazit

Ich bin sehr dankbar, dass ich über das Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg die Chance hatte, China mit all seinen Facetten ein halbes Jahr lang erleben zu dürfen. Alles in Allem war die Zeit in Nanjing eine große Bereicherung, sowohl fachlich als auch persönlich. Man wird als Europäer in China zwangsläufig auf das ein oder andere Problem stoßen: seien es die Kommunikation, der ganz andere Laboralltag oder die Konfrontation mit der Kultur und den typischen Verhaltensweisen. Unterschiede zwischen China und Deutschland gibt es viele. So kann schon eine einfache Busfahrt zu einem riesengroßen Abenteuer werden, wie auch die Suche nach einer Bodylotion, welche sich dann leider als Shampoo entpuppt. Und das sind nur wenige der unzähligen kleinen Abenteuer, die ich erleben durfte. Doch gerade all diese kleinen Probleme und Unterschiede machten jeden Tag in China aufregend und spannend. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.

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