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Gastbeitrag

Erfahrungsbericht: Sechs Monate Shanghai und zurück

Sebastian Giese, Doktorand an der Universität Freiburg, verbrachte über das China-Stipendium des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg für einen Forschungsaufenthalt sechs Monate in Shanghai. In seinem folgenden Rückblick erfahren Sie mehr über seine Eindrücke von Land und Leuten und seine Erlebnisse in der Megametropole.

Shanghai bei Nacht. © Sebastian Giese

Seit November 2013 schreibe ich am Institut für Virologie in Freiburg an meiner Doktorarbeit. In Kollaboration mit Dr. Chinn vom Institute of Health Sciences der Chinese Academy of Sciences und Dr. Xu vom Institut Pasteur of Shanghai, Chinese Academy of Sciences, erforschen wir verschiedene Aspekte viraler Proteine. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ich von Dr. Chinn eingeladen, um für ein halbes Jahr in seinem Labor in Shanghai zu arbeiten.

Fasziniert von dieser einzigartigen Möglichkeit und in Anbetracht der Tatsache, dass ich noch nie in China war, habe ich sofort zugesagt. Anschließend habe ich mich erfolgreich für das „Stipendienprogramm mit Shanghai und Jiangsu“, finanziert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, beworben und verbrachte so die Zeit von Februar bis August 2014 in Shanghai.

In Shanghai angekommen, wurde ich herzlich von meinen Gastgebern in Empfang genommen. Meine Kollegen waren sehr nett und aufgeschlossen und nicht annähernd so schüchtern wie erwartet. Glücklicherweise halfen sie mir nicht nur im Labor, sondern auch bei solch alltäglichen Dingen wie der Wohnungssuche und der polizeilichen Registrierung. Zudem zeigten sie nicht nur reges Interesse an dem Leben in Deutschland, sondern hatten auch sichtlich Spaß daran, mir sämtliche Fragen bezüglich China und insbesondere natürlich Shanghai zu beantworten - eine Tatsache die mir den Eindruck vermittelte, dass sie ebenso gespannt und aufgeregt waren wie ich.

Das „Health Institute", in dem ich gearbeitet habe, befindet sich auf einem wunderschönen, grünen Campus inmitten der früheren Französischen Konzession. Obgleich das Labor von Dr. Chinn meinem deutschen Labor in Freiburg sehr ähnlich ist, habe ich schnell festgestellt, dass ein chinesischer Laboralltag sich stark von dem mir bekannten deutschen Alltag unterscheidet. Meine chinesischen Kollegen arbeiten jeden Tag und verlassen das Labor in der Regel nicht vor dem späten Abend. Allerdings kann man durch geschickte Planung und eine effiziente Arbeitsweise ein durchaus ähnliches Arbeitspensum in der mir bekannten, westlichen Arbeitszeit bewältigen.

Typisches chinesisches Essen - mit Stäbchen. © Claus Bünnagel/pixelio.de

Dadurch hatte ich am Wochenende Zeit, Shanghai zu erkunden. Neben der Stadt selbst ist essen gehen eine der größten Attraktionen von Shanghai. So habe ich, sobald ich den Umgang mit den obligatorischen Stäbchen gemeistert hatte, zu meiner großen Verwunderung festgestellt, dass außer in den vielen Restaurants auch das Essen in der Kantine nicht nur billig, sondern ausgezeichnet war.

Dank meiner Kollegen und Freunde konnte ich mich schnell an das tägliche Leben und den starken Verkehr in Shanghai gewöhnen. Obwohl ich die Sprache nicht beherrsche und viele Einwohner von Shanghai nur wenig oder überhaupt kein Englisch sprechen, war es nicht sonderlich schwierig, sich in der Stadt zurechtzufinden. Sämtliche Straßenschilder sind in Englisch verfasst und die U-Bahnen sind selbsterklärend. Neben der U-Bahn und den Taxis bietet sich ein Fahrrad zudem als eine schnelle und einfache Lösung an, um sich innerhalb der Stadt zu bewegen. Bedingt durch viele Ausländer und die Tatsache, dass Shanghai die internationalste Stadt Chinas ist, gibt es unzählige kleine Cafés, Bars und Restaurants.

Bemerkenswert ist für mich die Tatsache, dass es sich anscheinend um einen sehr kühlen Sommer in Shanghai handelte, da viele meiner Kollegen mich wiederholt darauf hinwiesen, wie kalt es dieses Jahr doch sei (seit Juni ca. 32 bis 35 °C).

Ich möchte mich zum Abschluss bei all meinen chinesischen Kollegen und namentlich bei Dr. Chinn und Dr. Xu für diesen wundervollen Aufenthalt bedanken. Ich habe während des letzten halben Jahres viel gelernt und konnte verschiedenste Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Zudem habe ich viele Facetten des alltäglichen Lebens in Shanghai erlebt und kann diese besondere Erfahrung nur weiterempfehlen. Ebenfalls möchte ich mich bei Prof. Dr. Rolf Schmid für seinen persönlichen Einsatz bedanken. Er ist für dieses Stipendium verantwortlich und hat infolgedessen meinen Forschungsaufenthalt erst ermöglicht.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/erfahrungsbericht-sechs-monate-shanghai-und-zurueck