zum Inhalt springen
Powered by

Europäischer Forschungsrat fördert Wissenschaftler der Metropolregion Rhein-Neckar

Unter den Gewinnern der ersten Ausschreibung für die hochdotierten ERC Advanced Investigator Grants im Bereich der Lebenswissenschaften ("Life Science Domain") befinden sich zwei Heidelberger Forscher - Hilmar Bading und Ingrid Grummt.

Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) gab jetzt die Gewinner der ersten Ausschreibung für die ERC Advanced Investigator Grants im Bereich der Lebenswissenschaften („Life Science Domain“) bekannt. Für diese Ausschreibung waren bis zur Deadline am 22. April 2008 766 Anträge eingereicht worden, von denen 78 in dem sehr strengen Auswahlverfahren für eine Förderung ausgewählt worden sind. Der Begutachtungsprozess lief vom Juni bis zum September dieses Jahres und wurde von insgesamt neun Gremien aus international hoch renommierten Wissenschaftlern durchgeführt.

Grants für nukleäres Calcium und ribosomale RNA-Gene

Prof. Dr. Hilmar Bading (Foto: Universität Heidelberg)
Einer der beiden ausgewählten Heidelberger Forscher ist der Neurobiologe Prof. Dr. Hilmar Bading, Geschäftsführender Direktor am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften der Universität Heidelberg. Er erhält den ERC Advanced Grant für sein Forschungsprojekt zur „Biologie des Calciums im Zellkern: Allgemeine Anpassungsprinzipien und Strategien zur Entwicklung eines Licht-induzierten Signalverstärkers“. Bading, der vom Medical Research Council in Cambridge, UK, nach Heidelberg gekommen und mit dem höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis, dem Wolfgang Paul-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung, ausgezeichnet worden war, erforscht mit seiner Arbeitsgruppe vor allem die Wirkung von Calcium-Ionen auf die Genexpression in Nervenzellen. Bei allen adaptiven Prozessen des Gehirns - wie Lernen und Gedächtnis und das Überleben der Neuronen, aber auch chronischer Schmerz und Sucht – dient Calcium als Informationsträger und Botenstoff im Dialog zwischen der Synapse und dem Zellkern. Über Calcium-abhängige Signalketten werden Genexpressionsprogramme an- oder abgeschaltet, die für das Überleben oder Absterben von Nervenzellen verantwortlich sind.
Prof. Dr. Ingrid Grummt (Foto: DKFZ)
Die Molekularbiologin Prof. Dr. Ingrid Grummt, Leiterin der Abteilung Molekularbiologie der Zelle II am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), wird mit ihrem Projekt über die „Rolle von nicht-kodierender RNA in „sense“ und „antisense“ Orientierung bei der epigenetischen Kontrolle von ribosomalen RNA-Genen" gefördert. Grummt und ihre Mitarbeiter erforschen die Signalwege und Transkriptionsfaktoren, die im Zellkern zur Aktivierung oder Inaktivierung von Genen führen. Der Schwerpunkt liegt dabei besonders auf epigenetischen Kontrollmechanismen, das sind chemische Veränderungen an der Erbsubstanz, durch die die Genaktivität - in diesem Falle von ribosomalen RNA-Genen - gesteuert wird. Ein Ziel ihrer Arbeiten am DKFZ ist es, die Vorgänge zu verstehen, welche die kontrollierte Genaktivität außer Kraft setzen und bewirken, dass Zellen bösartig entarten oder genetische Krankheiten entstehen.

European Research Council

Prof. Dr. Fotis Kafatos, Präsident des ERC (Foto: EMBL)
Der Europäische Forschungsrat wurde 2007 gegründet und ist ein von der Europäischen Kommission über das 7. Forschungsrahmenprogramm finanzierte Institution, die jedoch - unabhängig von den allgemeinen EU-Förderungsmaßnahmen - Einzelprojekte ausschließlich nach wissenschaftlichen Qualitätskriterien fördert. Präsident des ERC ist Prof. Dr. Fotis Kafatos, der frühere langjährige Generaldirektor des Europäischen Molekularbiologischen Laboratoriums (EMBL), Generalsekretär ist Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, ehemals Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Neben den „ERC Starting Grants“ als Hilfestellung für selbstständige Forschungsprojekte junger Wissenschaftler vergibt das ERC im „Advanced Investigator Grant Program“ Förderungen von normalerweise bis zu 2,5 Mio. Euro (in Ausnahmefällen bis zu 3,5 Mio. Euro) an ausgewiesene, etablierte Forscher mit zukunftsweisenden Projekten der Grundlagenforschung für die Dauer von bis zu fünf Jahren. Antragsberechtigt sind Wissenschaftler aus allen Ländern der Europäischen Union sowie aus Assoziierten Ländern, zu denen neben den nicht zur EU gehörenden Balkan-Staaten auch Island, Norwegen, die Schweiz, Liechtenstein, die Türkei und Israel gehören.

Grants für Sozialwissenschaften und Physik

Bereits im August 2008 waren die Gewinner der „ERC Advanced Grants“ für den Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften („Social Sciences and Humanities“) bekannt gegeben worden. Dazu gehörte auch Frau Prof. Dr. Herta Flor vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, für ein Forschungsprojekt über Phantomphänomene.
Im Bereich Physikalische und Ingenieurswissenschaften („Physical Sciences and Engineering“) hatte Prof. Dr. Lorenz S. Cederbaum, Ordinarius für Theoretische Chemie und Geschäftsführender Direktor am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg, einen ERC Advanced Grant für ein Projekt im Zusammenhang mit dem von ihm entdeckten interatomaren und intermolekularen Coulombschen Elektronenzerfall („intermolecular Coulombic decay“, ICD) erhalten.

EJ – 17.10.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/europaeischer-forschungsrat-foerdert-wissenschaftler-der-metropolregion-rhein-neckar