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Fernstudium Molekulare Biologie – aus dem Labor ins Studium

Ein berufsbegleitendes Fernstudium für Laboranten und Technische Assistenten aus dem Life-Science-Bereich wird vom Springer-Verlag in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angeboten. Dies führt zum Bachelor of Science. Das Erfolgsprogramm für ambitionierte Nicht-Akademiker wird landesweit an mehreren Standorten ausgebaut.

Dr. Benjamin Steeb und Elli Mohr vom Springer-Verlag betreuen die Studierenden beim vierjährigen Lehrgang, der die Grundlagen für den Bachelor of Science „Molekulare Biologie“ vermittelt. © Verlag Springer Spektrum

Ob BTA, MTA, CTA oder Laborant: Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem dieser Bereiche hat, kann mit den gewonnenen Kompetenzen und Erfahrungen sicherlich seinen Weg machen. Aber wer sein theoretisches Wissen ausbauen und auf ein karriereförderndes Fundament stellen möchte, kann sich neben dem Beruf mit einem Fernstudium weiterbilden. Und wenn man schon einmal dabei ist, warum dann nicht die Laufbahn um einen akademischen Titel bereichern? Ein strukturierter Weg zu beidem ist das Fernstudium Biologie des Heidelberger Springer-Verlags und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der vierjährige Lehrgang vermittelt die theoretischen Grundlagen für den Bachelor of Science „Molekulare Biologie“. Wer den Lehrgang erfolgreich abschließt, erhält ein Zertifikat und kann im Anschluss über einen Quereinstieg ins 6. Fachsemester an der Mainzer Universität den Bachelortitel erwerben. Dafür sind noch zwei zweiwöchige Präsenzkurse erforderlich, die die Universität speziell für die Fernstudierenden entwickelt hat. Die Bachelorarbeit selbst wird in der Regel berufsbegleitend beim Arbeitgeber durchgeführt.

„Begonnen hat das Ganze in Zusammenarbeit mit der Bayer AG, die ‚High Potentials’, also besonders fähigen Mitarbeitern, mit dem Fernstudium neue berufliche Perspektiven eröffnen wollte. Das Studienangebot wurde dann relativ schnell auch für externe Interessenten geöffnet. Heute unterstützt eine ganze Reihe von Life-Science-Unternehmen ihre Mitarbeiter beim Fernstudium“, sagt Dr. Benjamin Steeb, Projektmanager des Biologie-Fernstudiums beim Springer-Verlag. Von Heidelberg aus wird das Programm zwar zentral gesteuert, trotzdem haben die Studierenden kurze Wege. Die Teilnehmer sind in regionalen Gruppen von sechs bis 35 Personen organisiert, die sich alle zwei Wochen am jeweils nächstliegenden Studienort für zwei Stunden mit ihrem Tutor treffen. Hier rekapitulieren sie den bis dahin im Selbststudium erarbeiteten Lehrstoff, klären Fragen dazu, können sich mit ihren Kommilitonen austauschen und schreiben gelegentlich eine Klausur.

Akademische Betreuung inklusive

Alle zwei Wochen führt das Fernstudium die Teilnehmer der Region zusammen. Dr. Irmgard van Renten ist eine der Tutorinnen des Weiterbildungs-Angebots bei Springer. © Verlag Springer Spektrum

Der Lehrplan wurde in Kooperation mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz entwickelt, und zwar in Anlehnung an den dortigen Bachelor-Studiengang „Molekulare Biologie“. Durch ihre mehrjährige Berufsausbildung haben die Teilnehmer des Fernstudiums den „Präsenzstudierenden“ eine gehörige Portion Praxis voraus, was im Lehrkonzept berücksichtigt ist. Das Studienmaterial besteht aus 89 Studienheften, die von Fachautoren in Kooperation mit der Universität speziell für diesen Fernstudiengang erstellt wurden. Das Studienprogramm ist in 15 Module unterteilt, die jeweils mit einer Klausur unter Aufsicht des Tutors abgeschlossen werden. Die Klausuren werden von Lehrkräften der Universität gestellt und bewertet. Die Notenvergabe liegt also ganz in Händen der Universität – das gilt auch für die Bewertung der Bachelorarbeiten. Außerdem ist die Universität für die Studieninhalte und die Qualitätskontrolle des Studiengangs verantwortlich.

Das wichtigste Kriterium für die Zulassung zum Fernstudium ist die abgeschlossene Berufsausbildung mit Fachbezug. Wer Abitur hat, kann direkt nach der Berufsausbildung starten. Mit Realschulabschluss oder fachgebundener Hochschulreife werden zusätzlich mindestens zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung verlangt. Nadja Wunsch hat im März 2016 mit dem Fernstudium begonnen. Die 24-jährige Biologielaborantin hat 2015 ihre Ausbildung am Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) abgeschlossen und ist seitdem dort tätig. Sie entschloss sich zu dem Fernstudium, weil sie auf der einen Seite die angebotene feste Stelle nicht ausschlagen wollte, sie sich andererseits jedoch zum Studium hingezogen fühlte. Mit dem berufsbegleitenden Fernstudium lässt sich beides vereinen – eine ideale Lösung, fand Wunsch: „Ich will mit dem Studium meinen fachlichen Hintergrund verbessern und ich möchte sicherer werden im Umgang mit den sechs Auszubildenden, die ich am KIT betreue. In unseren Institutsseminaren verstehe ich bereits jetzt schon wesentlich mehr als vorher.“

Sie finanziert die Gesamtkosten von rund 14.500 Euro zum Teil privat und zum Teil über ein Stipendium der IHK. Ihr Rat an Studien-Aspiranten: „Man sollte sich das Studium neben dem Job unbedingt gut überlegen, weil man auf jeden Fall Freizeit opfern muss und dazu wirklich bereit sein sollte.“ Rund zehn Stunden ist laut Konzept der wöchentliche Studienaufwand. „Es können in der Lernphase auch einmal mehr werden, aber zehn bis zwölf Stunden sind auf jeden Fall realistisch“, so Wunsch. Pro Jahr melden sich rund 80 bis 100 Interessenten bei Springer an. Um ihnen eine möglichst gute Entscheidungsbasis zu geben, bietet Springer an, kostenlos an einem Tutoriumstag ins Studium hineinzuschnuppern. „Außerdem können Interessenten Studienhefte zur Probe erhalten, sodass sie besser beurteilen können, ob sie dem Ganzen gewachsen sind. Insgesamt informieren wir im Vorfeld so transparent wie nur möglich“, sagt Elli Mohr, die das Fernstudium als Assistentin bei Springer mitbetreut.

Rege Nachfrage sowohl nach Bachelor- als auch nach Masterstudiengängen

Das Feedback der Studierenden bestätigt, dass das Konzept funktioniert. „Unsere Kündigungsquote ist einstellig. In einer Umfrage waren 92 Prozent der befragten Teilnehmer zufrieden bis sehr zufrieden mit dem Fernstudium und rund 88 Prozent der Befragten würden uns weiterempfehlen“, so Mohr. Falls doch jemand aufhören möchte, sind die Bedingungen moderat. „Wenn die Teilnehmer nach einem halben Jahr merken, dass das Fernstudium doch nichts für sie ist, können sie mit dreimonatiger Frist kündigen und verlieren dabei lediglich die bis dahin bezahlten Raten“, sagt Mohr weiter. Das Studium kann auch problemlos unterbrochen werden, zum Beispiel im Zuge der Familienplanung oder wenn sich die Studierenden in angespannten beruflichen Situationen voll auf ihren Job konzentrieren wollen. Drei bis fünf Studierende sind es Mohr zufolge pro Jahr, die nach einer Pause ihr Studium wieder aufnehmen.

Da das Fernstudium immer stärker nachgefragt wird, hat sich Springer entschlossen, das Angebot auszubauen. „Wir sind generell wachstumsorientiert und erhöhen sowohl die Anzahl der Standorte als auch die der Studiengruppen und zwar im gesamten deutschsprachigen Raum“, sagt Steeb. Erstmalig wird es ab Winter 2016/2017 Studiengruppen in Freiburg und Biberach an der Riß geben und in Mannheim startet im Herbst 2016 bereits die dritte Studiengruppe. Generell gilt: Sobald in einer Region genügend Interessierte zusammenkommen, stehen die Chancen gut, dass das Springer-Team in Absprache mit der Universität eine neue Studiengruppe etabliert. Außerdem bietet der Springer-Verlag in Kooperation mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe ein Chemie-Fernstudium für Laboranten und TAs an sowie einen Zertifikatskurs für gentechnische Sicherheit. Zurzeit plant Springer auch einen Fernstudiengang mit Masterabschluss, der auf dem Bachelor-Studiengang aufbaut. „Wir stehen dazu bereits in engem Kontakt mit einer Hochschule. Die zahlreichen Anfragen von unseren Bachelor-Absolventen zeigen uns, dass es auf jeden Fall Interesse gibt“, so Steeb.

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