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Forschungswerkstatt Bionik

16 Schülerinnen aus Nordbaden nahmen während der Pfingstferien an einem Feriencamp der PH Karlsruhe teil. Dieses Angebot ist eines von vielen im Rahmen des Programms „Schülerinnen forschen – Einblicke in Naturwissenschaft und Technik“ des Landes Baden-Württemberg und der Bundesagentur für Arbeit. An acht Standorten werden interessierten Schülerinnen in Schülerlaboren und Feriencamps spannende Einblicke in Naturwissenschaft und Technik vermittelt und ein Kontakt zu weiblichen Vorbildern hergestellt.

Sowohl vonseiten der Politiker als auch von Vertretern der Wirtschaft wird ein zunehmender Mangel an naturwissenschaftlich und technisch interessierten Jugendlichen beobachtet. Um die Studienzahlen in diesen Fächern zu erhöhen, hat die Landesregierung ein Programm aufgelegt, das sich ausschließlich an junge Mädchen richtet. „Das große Ziel ist es,“ so Dr. Cornelia Herriger, Leiterin des Projektstandortes Karlsruhe, “den Anteil der Frauen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu erhöhen.“ Das Programm „Schülerinnen forschen – Einblicke in Naturwissenschaft und Technik“ des Landes Baden-Württemberg ist im Jahr 2008 mit zunächst vier Standorten gestartet und bis Ende 2010 finanziert. Je zur Hälfte werden die 1,4 Mio. Euro für die Lernprojekte an den mittlerweile acht Standorten durch das Land und durch die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Arbeitsagentur für Arbeit bereitgestellt.

Architekturbionik

Schülerinnen des Feriencamps auf der Suche nach Vorbildern aus der Natur zum Thema Architektur. © Helliger/PH Karlsruhe

Trotz strömenden Regens ließen sich die sechzehn jungen Mädchen in Herrenwies mitten im Nordschwarzwald nicht davon abbringen, draußen in der Natur nach Vorbildern für Beispiele aus dem Bereich der Architektur zu suchen. Nachdem frühere Workshops sich mit den Bionik-Themen „Falten und Entfalten“, „Airbag unterm Käferflügel“, „Gecko, Klette & Co.“ oder „Geheimnis der Lotosblume“ befassten, ging es dieses Mal um „Architekturbionik“. Einen ganzen Nachmittag verbrachten die jungen Forscherinnen damit, die gefundenen Objekte unter dem Binokular oder Mikroskop im Detail zu betrachten und abzuzeichnen. „Zeichnen ist dabei ganz wichtig zur Dokumentation“, so Ute Wiegel, Leiterin des Feriencamps. „Zum Zeichnen braucht man Muße. Studenten an der Universität haben in der Regel hierzu gerade mal ein, zwei Stunden Zeit. Die Schülerinnen hier zeichnen deshalb ganz genau, weil sie den ganzen Nachmittag Zeit dazu haben.“

Jede Menge Erfahrung gesammelt

Ute Wiegel, Biologielehrerin, Museumspädagogin und Lehrbeauftragte für Bionik an der PH Karlsruhe, hat das Konzept für die Forschungswerkstatt Bionik der Feriencamps entwickelt. Unter dieser Überschrift werden jedes Mal neue Themen der Bionik in den Workshops bearbeitet, so dass die Schülerinnen viele Aspekte kennen lernen können. „Ich würde es mir wünschen, dass das Programm „Schülerinnen forschen“ auch nach 2010 weitergeht, damit wir von den vielen Erfahrungen, die wir angesammelt haben, jetzt auch profitieren können.“ Um die 16 Schülerinnen kümmern sich neben der Forschungscamp-Leiterin Ute Wiegel und der pädagogischen Leiterin Elena Wilhelm von der PH Karlsruhe noch drei angehende Lehrkräfte, die für ihr eigenes zukünftiges Lehrerdasein viel praktische Erfahrung sammeln. „Auch die Lehrerausbildung soll mit beeinflusst werden. Die zukünftigen Lehrer sollen für die spezielle Fragestellung „Mädchen und Naturwissenschaft“ sensibilisiert werden,“ so Cornelia Herriger.

Architektin Martina Nadansky und Feriencamp-Leiterin Ute Wiegel vor ihrer großen Sammlung an Bionik-Vorbildern aus der Natur (von links). © Göttert/BIOPRO

Gleichzeitig sollen die jungen Mädchen auch weibliche Vorbilder aus dem Bereich Naturwissenschaft und Technik kennen lernen und mit ihnen in Kontakt kommen. Zum Thema Architekturbionik hat Ute Wiegel eine erfolgreiche Architektin aus Berlin als Referentin eingeladen. Martina Nadansky ist seit Jahren von den Vorbildern aus der Natur für die Architektur begeistert und möchte dies auch den Schülerinnen vermitteln. So hat sie beispielsweise ein Buch zum Thema „Wie bauen Tiere? Wie bauen Menschen“ als Unterrichtsmaterialien für die Klassen 5 bis 7 veröffentlicht. Nachdem Ute Wiegel den Aufbau eines großen Ameisenhaufens besprochen hat, greift Martina Nadansky sofort die Inhalte auf. „Die Wandstärke des Ameisenhaufens von 40 cm ist genau die Wandstärkendicke, die wir beim Wärmedämmen von Häusern ansetzen. Ihr hättet das Wort Ameisen einfach durch das Wort Menschen ersetzen können.“

Viel Zeit für die eigenen Interessen

Und wie beurteilen die Jungforscherinnen das Feriencamp? „Es macht sehr viel Spaß. Hier sind nur die Interessierten und man kann das machen, was einen wirklich interessiert. Ohne dass am Ende gleich eine Arbeit geschrieben wird,“ so eine Schülerin des St. Dominikus-Gymnasiums in Karlsruhe. Besonders schätzt sie es, dass ausreichend Zeit für vertiefende Beschäftigung mit dem Thema zur Verfügung steht. Die Schülerin und ihre zwei Freundinnen haben von einer Bekannten von den Bionik-Feriencamps erfahren. Diese wiederum hatte in ihrer Schule eine Vorstellung der PH Karlsruhe besucht und bereits an einem früheren Workshop teilgenommen. Auch andere Schülerinnen haben durch Mund-zu-Mund-Propaganda von den Feriencamps erfahren und kommen zum Teil bereits zum zweiten oder dritten Mal.
Die begeisterten Jungforscherinnen können sich auf jeden Fall noch zwei Mal über weitere Aspekte der Bionik informieren. In den Sommer- und den Herbstferien folgen zwei weitere Feriencamps der PH Karlsruhe.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/forschungswerkstatt-bionik