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Gigant wird noch größer: Teva übernimmt ratiopharm

Am Ende ging es schneller als erwartet: Der weltgrößte Generikahersteller Teva Pharmaceuticals übernimmt den Ulmer Konkurrenten ratiopharm für rund 3,6 Milliarden Euro. Dies teilten Vertreter beider Unternehmen und mit dem Verkaufsprozess Beteiligte am 18. März in Köln mit.

Die rund 2.200 Beschäftigten an den Standorten Ulm und Blaubeuren werden es mit Freude vernehmen: Teva-Chef Shlomo Yanai kündigte nicht nur den Erhalt, sondern den Ausbau der Produktionsstätten in Ulm und Blaubeuren im Rahmen der europäischen Expansionspläne des israelischen Weltmarktführers an. Auch die Marke ratiopharm wird nach der Übernahme nicht verschwinden, sondern verstärkt eingesetzt werden.

Von Ulm will der neue ratiopharm-Eigner Teva den europäischen Markt erobern. Unser Bild zeigt das Merckle-Verwaltungsgebäude im Ulmer Donautal. © ratiopharm

Der Kauf soll bis Ende des Jahres über die Bühne gegangen sein. Kartellrechtliche Bedenken gegen die Übernahme schlossen die Teva-Vertreter aus. Teva erwartet von der Übernahme innerhalb von drei Jahren Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro.

Bis zuletzt waren noch der US-Pharmakonzern Pfizer und die isländische Acativis unter den Bietern. Der Alleinerbe der Merckle-Gruppe, Ludwig Merckle, musste Ratiopharm verkaufen, um Bankschulden zu tilgen. Die Gruppe war wegen der Wirtschaftskrise und Spekulationen mit VW-Aktien in eine finanzielle Schieflage geraten. Den drohenden Zusammenbruch hatte sein Vater, Adolf Merckle, nicht verkraftet und Anfang Januar 2009 Selbstmord begangen.

Ulm soll europäische Drehscheibe für Wachstumskurs werden

Teva-Chef Yanai verdeutlichte, dass der Konzern die Ulmer ratiopharm als „ideale Plattform“ für das Europa-Geschäft betrachtet, „allen voran Deutschland, aber auch auf wachstumsstarken Märkten wie Spanien, Italien und Frankreich." Bis 2015 will der Generika-Gigant seinen Umsatz in Europa auf 15 Milliarden Dollar verdreifacht haben. „Neben den fachlichen Fähigkeiten der Belegschaft haben uns bei ratiopharm insbesondere die Qualität und Effizienz der Produktionsanlagen auch im internationalen Vergleich beeindruckt“, so Shlomo Yanai weiter, der vor allem die europäischen Expansionspläne als ausschlaggebend für den Kauf nannte.

„Die endgültige Auswahl erwies sich als außerordentlich schwierig, aber für uns komfortabel“, sagte der mit dem Bieterprozess beauftragte Geschäftsführer der VEM, Hans-Joachim Ziems. „Bei allen Unternehmen hat sich das überaus große Interesse in nahezu gleichen Konditionen manifestiert. Dabei haben wir von vornherein Wert darauf gelegt, dass natürlich der Kaufpreis, aber auch das strategische Konzept der Integration von ratiopharm in das übernehmende Unternehmen eine zentrale Rolle spielt.“ Mit dem Verkauf ist nach Ziems Worten auch die Holding der Merckle Gruppe schuldenfrei.

Windholz: Wollen großartige Fähigkeiten voll ausschöpfen

Oliver Windholz, Geschäftsführer der ratiopharm Gruppe. © ratiopharm

Sehr zufrieden äußerte sich auch Oliver Windholz, Geschäftsführer der ratiopharm Gruppe: „Mit seiner internationalen Ausrichtung und unserer gemeinsamen Vision für Generika ist Teva der natürliche Partner für ratiopharm. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam enorme Wachstumsmöglichkeiten in allen Märkten erschließen können. Als Teil der Teva-Familie werden das Management und unsere Mitarbeiter das Wachstum unseres Unternehmens weiter vorantreiben und die großartigen Fähigkeiten, die wir bei ratiopharm haben, voll ausschöpfen."

Ludwig Merckle, Vertreter der Eigentümerfamilie von ratiopharm, sagte dazu: "Die Trennung von ratiopharm ist ein schmerzvoller Schnitt für uns als Gründerfamilie. Auch wenn dies unumgänglich war, so bin ich dennoch zuversichtlich, dass dies eine gute Lösung ist. Die beste neue Heimat für ratiopharm zu finden, war von Anfang an unser Hauptziel. Ich glaube, dass der Zusammenschluss mit dem größten Generikahersteller weltweit es ratiopharm ermöglichen wird, weiter zu wachsen und erfolgreich zu sein."

Neue Nummer Eins auf europäischem Markt

Mit der Übernahme entsteht eine neue Nummer Eins am europäischen Generikamarkt. Das Umsatzvolumen des Unternehmens in Europa steigt dadurch von etwa 3,3 Milliarden Dollar im Jahr 2009 auf ein gemeinsames Umsatzvolumen von pro forma etwa 5,2 Milliarden Dollar.

In Deutschland, dem zweitgrößten Generikamarkt der Welt mit einem geschätzten Volumen von etwa 8,8 Milliarden Dollar (inkl. Umsätzen mit Krankenhäusern und OverTheCounter-Produkten), steigt Teva auf und belegt nach der Übernahme den zweiten Platz. Auf dem deutschen Markt war Teva eher unterrepräsentiert, ratiopharm hingegen hielt 27 bis 28 Prozent Marktanteile.

Trumpf: Know-how bei Biosimilars

Aus Sicht des Käufers lesen sich die Vorteile der ratiopharm so: Das Produktportfolio von ratiopharm umfasst 500 Moleküle in über 10.000 Darreichungsformen, die alle wichtigen therapeutischen Bereiche abdecken und in 26 Ländern vermarktet werden. ratiopharm verfügt zudem über beträchtliches Know-how im Bereich Biosimilars, einschließlich mehrerer Produkte im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium sowie über ein gut eingespieltes Vertriebs- und Marketingteam.

2009 erzielte ratiopharm weltweit einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Erst jüngst veröffentlichte Geschäftszahlen für 2009 hatten Planungen und Erwartungen übertroffen. Das EBITDA in Höhe von 307 Millionen Euro hatte das Vorjahresergebnis übertroffen. Nach erfolgter Übernahme wird Teva weltweit rund 40.000 Mitarbeiter beschäftigen, rund 18.000 davon in Europa. Seine Deutschlandzentrale will das kombinierte Unternehmen in Ulm haben. Die bisherige Teva-Tochter hat ihren Sitz im Hessischen.

Quellen:
Teva Pharma, 18.03.2010 /VEM/ratiopharm, Telefonkonferenz, Köln, 18.03.2010

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/gigant-wird-noch-groesser-teva-uebernimmt-ratiopharm