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GLKN-Hygieneinstitut Radolfzell: Ein Motor für die Patientensicherheit

In Zeiten, in denen die Angst vor multiresistenten Erregern einen immer breiteren Raum einnimmt, gewinnt auch die Krankenhaushygiene immer mehr an Bedeutung. Um die hygienische Sicherheit in den Kliniken auch weiterhin für Patienten und Angestellte zu gewährleisten, hat der Landkreis Konstanz nun ein neues Hygieneinstitut am Klinikum Radolfzell eingerichtet. Dieses soll die Einhaltung und kontinuierliche Verbesserung von Hygienemaßnahmen im Krankenhausverbund des Landkreises Konstanz koordinieren und weiter voranbringen.

Prof. Dr. Markus Dettenkofer leitet seit Jahresbeginn das Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Krankenhausverbunds des Landkreises Konstanz © Andrea Jagode /GLKN

Wenn wir als Fußgänger oder mit dem Auto im Straßenverkehr unterwegs sind, wird schnell klar, dass es trotz eindeutiger Regeln, die jeder von uns kennen sollte, immer wieder zu unklaren Situationen oder sogar Unfällen kommen kann. Ähnlich verhält es sich in der Krankenhaushygiene. Auch hier gibt es bindende Vorschriften. Doch wie diese in der Praxis umgesetzt werden, lässt sich nicht immer voraussehen. Und so kommt es zu Diskrepanzen zwischen dem, was gemacht werden sollte und dem, was im Krankenhausalltag wirklich umgesetzt wird. Um diesem Defizit entgegenzuwirken und so die Hygieneverhältnisse in den Kliniken dauerhaft auf hohem Niveau zu halten, wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Dettenkofer zum Jahresbeginn das Institut für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention in Radolfzell gegründet, das für alle Krankenhäuser im Verbund des Landkreises Konstanz zuständig ist. Dettenkofer und sein achtköpfiges Team leisten in den einzelnen Kliniken an den Standorten Konstanz, Singen, Radolfzell, Stühlingen und Engen in erster Linie Basisarbeit, wie zum Beispiel die Prüfung von Arbeitsweisen, das Entnehmen mikrobiologischer Abstriche, aber auch das Angebot von Schulungen zur kontinuierlichen Weiterbildung des Pflegepersonals.

„Wir stehen einerseits als Ansprechpartner und Ratgeber zur Verfügung, wann immer es zu Fragen im Bereich der Hygiene und auch Reinheit kommt. Andererseits beobachten wir mit kritischem und geschultem Blick die Krankenhausabläufe und finden gute Lösungen für die komplexen Probleme rund um die Hygienesicherheit in unseren Kliniken", erklärt der Mediziner. Der Facharzt für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene hatte zuvor die Sektion für Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg geleitet. Seit Januar 2015 ist er in Radolfzell am hier neu gegründeten Institut tätig, wo er die Verantwortung für das Hygienemanagement im gesamten Klinik-Verbund trägt. „Neben der Koordination aller Aufgaben im Team stehe ich auch mit meiner fachlichen Expertise zur Verfügung und halte den Draht zu neusten wissenschaftlichen Entwicklungen", beschreibt Dettenkofer seine Aufgaben.

Allein saubere Hände mindern schon das Risiko

Die Installation von Desinfektionsspendern und die Förderung der Händehygiene generell haben die Infektionsprävention in den Kliniken nachhaltig verbessert © Andrea Jagode / GLKN

Der Institutsleiter und sein Team müssen aber nicht nur die Einhaltung bisheriger Vorschriften überprüfen, sondern immer wieder auch neue Regelungen in den Krankenhäusern einführen. Hierbei ist viel Fachwissen und genaue Kenntnis über die einzelnen Arbeitsbereiche im Krankenhaus gefragt. Jede Abteilung hat ganz unterschiedliche Bedürfnisse, was das Einbringen der Hygienemaßnahmen in die verschiedenen Arbeitsabläufe angeht. So werden an die Chirurgie andere Anforderungen gestellt als an die internistische Abteilung: Einerseits liegt der Schwerpunkt auf sterilem Instrumentarium zur Operation, andererseits bei besonderen Risiken durch ein häufig geschwächtes Immunsystem. Aber auch auf die Patienten selbst muss eingegangen werden. „Alte Menschen haben ganz andere Bedürfnisse und Risiken als zum Beispiel Frühgeborene, weshalb wir unsere Maßnahmen gut an die jeweilige Pflegesituation anpassen müssen. Sonst besteht die Gefahr einer Infektion, die schwere Schäden für den Patienten mit sich bringen kann", beschreibt dies Dettenkofer.

Hier spielt auch das Risiko resistenter Erreger eine wichtige Rolle, von denen einige durch die Gabe von Antibiotika gar nicht oder nur schwer behandelbar sind. Um einen Ausbruch dieser zum Glück sehr selten auftretenden Hochrisikoerreger zu vermeiden, werden an den Kliniken des Verbundes mögliche Risikopatienten mittels Fragebögen bei der Aufnahme ermittelt und auf gefährliche Keime hin getestet. Werden multiresistente Bakterien nachgewiesen, wird der Patient in der Regel isoliert. „Die dafür nötigen Einzelzimmer können wir an allen Standorten des Gesundheitsverbundes einrichten", so Dettenkofer. Aber nicht immer bedarf es solch eingreifender Maßnahmen, um die Hygiene in den Klinken zu gewährleisten. Oft reicht bereits eine Sensibilisierung für das Thema und eine gute Krankenhausorganisation. „Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass durch gezielte Aktionen viel erreicht werden kann. So hat etwa die nationale Aufklärungskampagne "Aktion Saubere Hände" in Kombination mit der vermehrten Installation von Desinfektionsspendern die Hygiene in den Kliniken nachhaltig verbessert", erklärt der Facharzt.

Wissen verfügbar machen durch neue Software

Neben diesen Maßnahmen ist das Bündeln und Weitergeben hygienerelevanter Informationen eine weitere Aufgabe des Instituts. In der Vergangenheit bestand oft das Problem, dass Wissen zwar gesammelt, dann aber in den Aktenschränken 'vergessen' wurde. Dem wirkt jetzt unter anderem eine neue Software zur Erfassung, Bearbeitung und Auswertung hygienerelevanter Daten entgegen, die am Institut zum Einsatz kommt. So sind hier zum Beispiel die Resistenzdaten oder Behandlungsparameter der einzelnen Patienten abrufbar, aber auch die gesamten mikrobiologischen Daten werden hier eingespeist. In Kooperation mit den mikrobiologischen Labors und den Hygienebeauftragten vor Ort können die Daten so zeitnah analysiert werden. Daraus ergibt sich eine gute Übersicht über die aktuellen Entwicklungen der einzelnen Krankenhausbereiche. „Hier laufen die Daten aller Abteilungen zusammen, wodurch eine Verbindung der Expertisen einzelner Spezialgebiete möglich wird", erklärt Dettenkofer die Relevanz der neuen Software.

Eigene Forschung und Vergrößerung des Teams im Visier

Um dieses Wissen gezielt an die Krankenschwestern und Pfleger weiterzugeben, wird genügend Manpower benötigt. Denn im Klinikverbund des Landkreises Konstanz sind mehrere tausend Personen beschäftigt. „Wir planen deshalb, unser Team im nächsten Jahr noch zu vergrößern. Neben den Hygienefachkräften und mir soll auch eine weitere Arztstelle zur Weiterbildung geschaffen werden", erklärt der Mediziner, der sich derzeit vor allem dem weiteren Aufbau des Instituts widmet. Kooperationen zur Entwicklung von neuen hygienespezifischen Produkten sind allerdings für das kommende Jahr in Planung. „Im Moment richten wir unseren Fokus vor allem auf die Praxis, um unser Institut schnell und effektiv zu etablieren. In der Zukunft werden wir uns aber auch vermehrt mit anwendungsnahen Projekten zur Forschung befassen. Auf der Basis meiner wissenschaftlichen Verankerung im Universitätsklinikum Freiburg freue ich mich dazu auch auf die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Hochschulen" sagt Dettenkofer abschließend.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/glkn-hygieneinstitut-radolfzell-ein-motor-fuer-die-patientensicherheit