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GlucoChat: Kommunikationsplattform zur Behandlung junger Patienten mit Diabetes

Die Idee kommt sicherlich nicht nur denjenigen entgegen, die einen Facharzt einige 100 Kilometer entfernt vom Wohnort haben: sichere und unkomplizierte Kommunikation in einem sozialen Netzwerk. Vor allem aus Datenschutzgründen ist das bisher nicht möglich. Vor diesem Hintergrund hat das E-Health-Unternehmen careon aus Tübingen eine neue Plattform für vertrauliche und soziale Anwendungen entwickelt.

In sogenannten virtuellen Sprechzimmern können sich die Patienten online austauschen, zum Beispiel mit Ärzten bei einer Langzeitbehandlung, mit Familienangehörigen und Freunden, wenn es um Themen geht, die man Facebook nicht anvertrauen möchte. Alle Räume sind sicher digital verschlüsselt. Dazu gibt es die Möglichkeit, dass Daten nach einer bestimmten Zeit gelöscht werden.

Datenschutzkonzept wird hohen Anforderungen des Gesundheitswesens gerecht

Beispielansicht des GlucoChat © careon

„GlucoChat ist ein Telemedizin-Projekt zur Verbesserung der Betreuung junger Diabetikerinnen und Diabetiker mit Diabetes mellitus Typ I. Es soll geprüft werden, wie Kommunikationstechnologien die herkömmliche Praxiskonsultation unterstützen sowie Qualität und Effizienz der diabetologischen Versorgung erhöhen können“, sagt Dr. Guido W. Weber, verantwortlich für das Produktmanagement bei careon.

Zentrale Komponente ist ein datenschutzkonformes soziales Netzwerk (Medical Social Network, MSN), in dem die Beteiligten vertraulich, sicher und einfach Nachrichten austauschen. Darüber hinaus soll eine Video-Chat-Lösung den Eindruck eines persönlichen Gesprächs vermitteln. Zur Sicherung der Datenqualität ist eine technische Hilfe zur strukturierten Datenerfassung (elektronische Gesundheitsakte) für den medizinischen Behandlungsprozess erforderlich. GlucoChat fügt diese Komponenten zu einem integrierten Gesamtsystem zusammen.

Ein zentraler Aspekt bei der Umsetzung des Konzeptes sind die Datenschutzrichtlinien. „Ein wichtiger Meilenstein ist die Erarbeitung des Datenschutzkonzeptes und die begonnene Abstimmung des Konzeptes mit den öffentlichen Datenschützern“, unterstreicht Weber.

Virtuelle Sprechzimmer - so einfach zu nutzen wie Social Networks

Beispielansicht des GlucoChat © careon
In virtuellen GlucoChat-Sprechzimmern können sich Arzt, Patient und Familienangehörige online austauschen. Die Kommunikation ist in den Sprechzimmern so bequem wie in einem Social Network: Sämtliche Beiträge, Dateien und Kommentare werden übersichtlich angezeigt; die aktuellen Informationen stehen chronologisch oben, der Gesprächsverlauf ist einfach und übersichtlich nachvollziehbar. „Eingerichtet wird das virtuelle Sprechzimmer vom Arzt, welcher den Patienten beziehungsweise seine Erziehungsberechtigten bei Vorliegen einer schriftlichen Einwilligungserklärung in dieses einlädt“, erklärt Weber. Und weiter: “Mit Zustimmung des Patienten können weitere Personen, zum Beispiel ein Ernährungsberater, in das Sprechzimmer eintreten.“ Im virtuellen Online-Sprechzimmer lassen sich Fragen klären, die nicht die physische Anwesenheit der jungen Patienten beim Arzt erfordern. So kann der Arzt zum Beispiel bei der Insulineinstellung schneller auf veränderte Blutwerte reagieren und muss nicht auf den nächsten Besuch des Patienten warten. Der geänderte Behandlungsplan kann mittels Datei-Upload sofort bereitgestellt werden. Der Arzt kann zudem Gesprächsverläufe im virtuellen Sprechzimmer jederzeit ausdrucken oder in einer Patientenakte elektronisch speichern. Im GlucoChat-Sprechzimmer selbst werden keine Daten länger als notwendig gespeichert. Der Patient kann das Sprechzimmer jederzeit wieder verlassen und damit auflösen.

Fazit

Bei GlucoChat handelt es sich nicht um eine klassische Telemedizinlösung, sondern um eine Kommunikationslösung. Die Integration in den Praxisalltag ist flexibel möglich, da die Kommunikation in den virtuellen Sprechzimmern zeitversetzt erfolgt. Im Gegensatz zu einer Telefonsprechstunde kann sich der Arzt zeitlich flexibel über die Plattform mit den Patienten austauschen.

Wie die Zeitplanung für den Arzt ganz konkret aussieht, ob sie sich verringert, gleich bleibt oder ob ein Mehraufwand entsteht, das ist eine der zentralen Fragen, die im Rahmen des Projektes beantwortet werden sollen. Im Rahmen des Pilotprojektes erhält der Arzt keine zusätzliche Vergütung. Perspektivisch ist es das Ziel, dass derartige Kommunikationslösungen nach der Gebührenordnung abgerechnet werden können. Wie die Patienten mit der Anonymität des Netzes umgehen und wie hoch die Kontaktintensität ist -  das ist ebenfalls noch zu evaluieren. Fest steht: GlucoChat ist als ergänzende Kommunikationslösung konzipiert; der persönliche Arztbesuch wird weiterhin erfolgen.

Ausblick

GlucoChat wird zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes am St. Marien-Hospital in Düren erprobt. In der dortigen pädiatrischen Diabetes-Ambulanz werden Jugendliche, die an Typ I erkrankt sind, nach einer initialen Schulung und der medikamentösen Einstellung auf Insulin in eine Langzeitbetreuung überführt. Das interdisziplinäre Team (Diabetologen, Diabetesberaterin, Fach-Psychologin, Kinderkrankenschwestern, Ökotrophologen und Sozialarbeiter) soll mit GlucoChat zukünftig in die Lage versetzt werden, die Kommunikation mit den jungen Patientinnen und Patienten sowie ihren Angehörigen zu intensivieren.

Das GlucoChat-Konzept eröffnet eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten im medizinischen Sektor. Die Umsetzung eines weiteren Projektes ist im Jahr 2014 an einem Universitätsklinikum in Baden-Württemberg in drei Abteilungen geplant.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/glucochat-kommunikationsplattform-zur-behandlung-junger-patienten-mit-diabetes