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Götz Gresser neuer Leiter des ITV Denkendorf

Der Maschinenbauer Dr.-Ing. Götz Gresser löst Prof. Dr.-Ing. Heinrich Planck als Leiter des ITV Denkendorf ab. Die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung im Bereich Medizintechnik und Biotechnologie sind für Gresser ein wichtiger Erfolgsfaktor des Instituts und sollen auf hohem Niveau weitergedeihen.

Dr.-Ing. Götz Gresser will die erfolgreichen Entwicklungen im Bereich Biomedizin weiter vorantreiben. © ITV Denkendorf

Der neue Mann am ITV ist eigentlich ein alter Bekannter: Schon seit vielen Jahren pflegt Dr.-Ing. Götz Gresser geschäftliche Beziehungen zum ITV Denkendorf, schätzt dessen Leistungsfähigkeit und Mitarbeiter. Aus verschiedenen leitenden Positionen bei der Schweizer Rieter AG heraus betreute Gresser Forschungs- und Entwicklungskooperationen, die der Spezialist für Textilmaschinenbau mit dem ITV unterhielt. Aber seine Verbindungen in die Region reichen noch weiter zurück: Der gebürtige Stuttgarter hat an der Universität Stuttgart Maschinenbau studiert.

Nach dem Vordiplom hat er sich auf die Schwerpunkte Fabrikbetriebslehre und Textiltechnik spezialisiert. „Textil vorbelastet“ sei er nicht gewesen, sagt Gresser. Vielmehr war es ein Zufall, der ihn in diese Richtung führte: Ein Freund, der seinerseits heute als Patentanwalt für das ITV Denkendorf tätig ist, hatte ihn mit seiner Begeisterung für diese Spezialrichtung im Maschinenbau angesteckt. Begeisterung konnte ihm auch Prof. Dr.-Ing. Gerhard Egbers vermitteln, der seinerzeit nicht nur Gressers Hochschullehrer, sondern auch Leiter des ITV Denkendorf war. „Er hat stets an praktischen Beispielen gelehrt und viel Wert darauf gelegt, uns Studenten schon früh in die Forschung und Entwicklung mit einzubeziehen“, erinnert sich Gresser. Er blieb bei der Textiltechnik und ging schließlich als Doktorand ans ITV Denkendorf, wo er 1998 über Spinnereitechnologie promovierte.

Die Textilbranche aus allen Blickwinkeln kennengelernt

Da Gresser an einer akademischen Forscherkarriere zunächst nicht interessiert war, wechselte er danach zur Rieter AG, einem der größten Unternehmen im Textilmaschinenbau mit weltweit rund 5.000 Mitarbeitern. Hier konnte Gresser aus verschiedenen Perspektiven daran mitwirken, Innovationen aus der angewandten Forschung in Produkte zu überführen. „Von Anfang an trug ich technologische Verantwortung, zunächst für die Entwicklung einer neuen Karde – einer Maschine, die lose Fasern zu einem Band formt, das später zu einem Garn versponnen wird“, sagt Gresser. Dieses Projekt absolvierte er so erfolgreich, dass er bereits nach drei Jahren ins Management wechselte. In den folgenden Jahren hatte Gresser vom Business Development bis zur technischen Leitung diverse Positionen inne. „Das hatte den Vorteil, dass ich die Textilbranche in ihrer gesamten Breite und aus allen Blickwinkeln kennengelernt habe“, sagt Gresser. Besonders wichtig war es für ihn zu lernen, wie man Experten und Know-how so zusammenschweißt, dass ein neues, erfolgreiches Produkt entsteht. „Ich hatte viel Freude dran, Produkte auch selbst zu pushen und zu vermarkten. Dabei bewegte ich mich in einem großen Netzwerk, zu dem auch das ITV Denkendorf gehört“, so Gresser.

„Smarten“ Funktionstextilien gehört die Zukunft

Von der frei werdenden Position des Institutsleiters hörte er von seinem Vorgänger Planck persönlich. „Genau zum richtigen Zeitpunkt“, wie Gresser betont, denn nach seinen industriellen Erfolgen wollte er sich in der angewandten Forschung neu orientieren. Das war für ihn ein logischer Schritt. „Ein Institut, ausgerichtet nur auf die Grundlagenforschung wäre für mich nicht das Richtige gewesen. Ich suche den Bezug zum Endprodukt und zur Industrie." Seine weitreichenden unternehmerischen Kontakte dürften ihm am ITV Denkendorf zugute kommen, ebenso wie seine Erfahrungen in der Personalführung, bei der Budgetverantwortung und Internationalisierung. So vertraut ihm viele Aspekte und Tätigkeitsfelder des Instituts sind: Mit Produkten und Verfahren speziell für die Medizintechnik und Biotechnologie hatte Gresser bisher relativ wenig Berührungspunkte.

Berührungsängste kennt er jedoch nicht: „Es ist sicherlich der Bereich, in den ich mich fachlich am meisten hineinarbeiten muss. Professor Planck hat mir jedoch ein so erfolgreiches und gut organisiertes Institut hinterlassen, dass ich mir dafür auch die nötige Zeit nehmen kann.“ Ein Thema, bei dem er bereits mit medizinischen Anwendungen zu tun hatte, sind Maschinen zur Herstellung von „Nonwoven“-Produkten. Dabei ging es um nichtgewebte, textile Produkte wie Bandagen, Baumwollpads und Hygieneartikel bis hin zu Ohrenstäbchen. Auch wenn Gresser noch nicht mit allen Details und Raffinessen der Entwicklung von Medtech- und Biotechprodukten vertraut ist, eines weiß er ganz genau: „Hier liegt ein wichtiger Zukunftsbereich, speziell bei Funktionstextilien.“ Als Beispiel nennt er „Smart Textiles“, in die Sensoren eingearbeitet sind und die Vitalparameter übermitteln können. „Das ist zum Beispiel für Babykleidung interessant, aber auch für Berufskleidung, etwa bei der Feuerwehr. So könnte anhand der übermittelten Daten zur Stresssituation im Einsatzfall entschieden werden, wann ein Mitarbeiter die Gefahrenzone verlassen muss.“

Die industrielle Anwendung fest im Blick

Die Forschungs- und Produktionsflächen des ITV in Denkendorf umfassen rund 15.000 Quadratmeter. © ITV Denkendorf

Ein wichtiger Aspekt, auch und gerade bei medizinischen Anwendungen, ist die Kombination verschiedener Prozesse. Gresser verdeutlicht das anhand medizinischer Netzmaterialien: „Nach der Garnherstellung werden die gewirkt. Die Produktionsprozesse sind eng miteinander verflochten und müssen gemeinsam beherrscht werden. Das Geheimnis einer erfolgreichen Überführung von Textilprodukten in die Serienfertigung liegt insgesamt in der Beherrschung der technischen Prozesse. Und dafür haben wir hier ideale Voraussetzungen.“ Damit kommt Gresser auf seine zweite leitende Funktion in Denkendorf zu sprechen, nämlich die des Geschäftsführers der ITV Produktservice GmbH. Das Unternehmen gehört mit dem ITV unter das Dach der DITF (Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung). „Dadurch, dass wir am Standort auch über industrienahe Pilotanlagen verfügen, können wir Innovationen direkt in Produktionsprozesse integrieren“, so Gresser.

Neue Anwendungsfelder erschließen

Was bei der Medizintechnik schon so gut gelungen ist, will Gresser in Zukunft auch auf anderen Tätigkeitsfeldern des ITV Denkendorf erreichen: eine internationale Spitzenposition mit innovativen technischen Textilien. Im Bereich der Spinnerei nennt er dabei die Maschinenentwicklung zur Herstellung und Verarbeitung von Hochleistungsfasern wie Carbon- und Glasfasern. „Weltweit ist der Verbrauch von Carbon in der Fasertechnologie zurzeit zwar noch gering, das wird sich jedoch ändern. Werden Carbonfasern zum Beispiel mit Epoxidharzen stabilisiert, erlangen sie Eigenschaften wie Stahl oder Aluminium, sind dabei aber wesentlich leichter. An entsprechenden Produkten sind unter anderem die Auto- und die Luft- und Raumfahrtindustrie interessiert. Aber auch die Prothesenentwicklung – zum Beispiel Beinprothesen – in der Medizin könnte davon profitieren.“

Die spannenden Zukunftsaspekte moderner Textiltechnologien will Gresser auch dem Nachwuchs nahe bringen. Er hat parallel zu seinem Wechsel nach Denkendorf einen Ruf an die Universität Stuttgart erhalten: auf den Lehrstuhl für Textiltechnik, Faserbasierte Werkstoffe und Textilmaschinenbau. Gresser hat den Ruf bereits angenommen. Zurzeit laufen die Berufungsverhandlungen und er geht davon aus, zum Wintersemester 2013/2014 die Lehrtätigkeit aufzunehmen. „Mit den neuen Technologien sind neue Anwendungsbereiche entstanden, die man sich vor 20 Jahren noch gar nicht vorstellen konnte. Bei großen Projekten mit Automobilherstellern geht es heute eben nicht mehr nur um textile Bezüge. Welche spannenden Felder sich da auftun, möchte ich auch den Studenten vermitteln.“ Hier schließt sich der Kreis und Gresser führt weiter, womit sein früherer Mentor Egbers bei ihm so erfolgreich war: Begeisterung für die Möglichkeiten moderner Textiltechnik zu wecken.

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