zum Inhalt springen
Powered by

Gründung mit vereinten Kräften

Das Eriskircher Speziallabor für molekulare Diagnostik „DSL“ befindet sich mitten in der Gründungsphase. Beim Unternehmensaufbau begleitet und unterstützt wird das zukünftige geschäftsführende Duo Dr. Sabine Lautenschläger und Dr. Daniel Schaarschmidt unter anderem durch das BioLAGO-Netzwerk und das Pharmaunternehmen Nycomed.

Dr. Sabine Lautenschläger © privat

„Wir brauchen eigentlich noch einiges, von einer Homepage über Visitenkarten oder auch Räumlichkeiten“, sagt Unternehmensgründerin Dr. Sabine Lautenschläger. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres möchte die promovierte Chemikerin gemeinsam mit ihrem Partner Dr. Daniel Schaarschmidt in Eriskirch bei Friedrichshafen molekularbiologische Routinediagnostik anbieten - von Gentests für Tier und Mensch bis hin zum Mikroorganismen-Nachweis - , individuelle PCR-Tests entwickeln sowie Kunden im Bereich PCR, Molekularbiologie und Biotechnologie schulen und betreuen. Davor steht für die beiden Unternehmensgründer noch eine Menge Arbeit an, denn noch befinden sich die beiden in einer Vor-Phase der Planung und Organisation.

Starthilfe auf ihrem Weg haben sie indirekt oder direkt bisher auch durch die Life-Science-Gemeinde und ihre Akteure am Bodensee erfahren. So fungierte das durch das BioLAGO-Netzwerk veranstaltete „Bodensee Finanzforum“ als wichtiger Impuls für die Gestaltung der wirtschaftlichen Struktur des neuen Labors. „Was wir bereits haben, ist eine gewisse Finanzierung: Frei nach dem ersten Vortrag beim Finanzforum haben wir uns für die drei F’s – friends, fools and family entschieden“, sagt Dr. Sabine Lautenschläger. Sie und ihr Partner versuchen somit nötige Geräte so preiswert wir möglich einzukaufen, sei es gebraucht oder geschenkt. „Wir möchten möglichst kein Geld von einer Bank nehmen, sondern versuchen uns alleine zu finanzieren“, erklärt Dr. Daniel Schaarschmidt die Strategie.

Technische Ausstattung und Business Know-how

Aufbauhilfe in Sachen technischer Ausstattung haben die beiden durch Vermittlung des BioLAGO e.V. von einem der Schwergewichte in den Lebenswissenschaften am Bodensee, der Nycomed GmbH, bekommen. Aus ein paar stillgelegten Laborbeständen des Konstanzer Pharmaunternehmens haben die DSL-Gründer verschiedene Geräte wie zum Beispiel eine Tischzentrifuge, Pipetten, Schüttler oder Waagen bekommen. „Die dadurch eingesparten Kosten summieren sich in der Menge zu einem kleinen Vermögen“, freut sich Dr. Daniel Schaarschmidt.

Eine Aufteilung der Aufgaben im Zuge der Unternehmensgründung gibt es bei den beiden Partnern übrigens nicht. „Nein, wir machen alles gemeinsam“, betont Dr. Sabine Lautenschläger. Um sich ein gewisses Business Know-how anzueignen und Dienstleistungen zum kommerziellen Erfolg zu führen, bildet sich die DSL-Gründerin intensiv weiter. „Ich habe kürzlich unter anderem einen Kurs bei der IHK Ulm zum Thema Selbstständigkeit belegt“, sagt sie. Neben der Erstellung von Business-Plänen standen Themen wie Finanzierung, Buchführung und allgemeinen Organisation auf dem Plan.

Lange von Unabhängigkeit geträumt

Einen Teil der Laborausstattung von DSL steuerte die Nycomed aus ihren Beständen bei. © privat

Den Wunsch zur Selbstständigkeit hatte sie schon seit geraumer Zeit im Kopf. Wie die Chemikerin, die unter anderem an der Universität von Verona am Institut für Humangenetik tätig war, erklärt, habe sie „schon immer davon geträumt auf eigenen Füßen zu stehen“ und eine größtmögliche Unabhängigkeit zu genießen, jedoch fehlte ihr der Mut zu diesem Schritt. „Deshalb hatte ich mich in den letzten zehn Jahren auf eine halbherzige Situation eingelassen: Ich hatte ein PCR-Labor für ein anderes Labor aufgebaut und es auf der Basis von Gewinnbeteiligung betrieben“, so Dr. Sabine Lautenschläger. Das Labor lief sehr gut und konnte schon im ersten Jahr der Gründung schwarze Zahlen schreiben. In dieser Zeit hatte sie unter anderem eigene Technologien im Bereich PCR-Reaktion entwickelt. Im Nachhinein betrachtet bereut die Chemikerin ein wenig, nicht bereits viel früher den Weg in die Unabhängigkeit eingeschlagen zu haben: „Mit der heutigen Erfahrung würde ich mich gleich selbstständig machen und nicht meine Kraft darauf verwenden, für andere ein Labor zum Laufen zu bringen", so die Unternehmensgründerin.

Motiviert habe Dr. Sabine Lautenschläger, die ihre Postdoktoranden-Zeit an der Yale-Universität verbrachte, zudem der ihr zufolge vorhandene „große Entwicklungsbedarf“ im Bereich Labordiagnostik. Die aktuell gesammelten Erkenntnisse bei ihrer Unternehmensgründung möchte sie gern in ihre Dienstleistungen mit einfließen lassen. „Beratung und Hilfe beim Einrichten und Betreiben eines PCR-Labors für Medizinische Diagnostik zählen zu einem unserer Services“, so die Chemikerin.

Auf die ersten Etappen der Gründungsphase blickt Dr. Sabine Lautenschläger zufrieden zurück: „Bis jetzt ist eigentlich alles sehr glatt gegangen. Jedoch werden die größeren Herausforderungen erst kommen, denn der Kunde muss geworben werden und das ist ja bekanntlich das Schwerste“, erklärt sie. Am meisten überrascht habe sie die sehr positive Einstellung ihrer Familie, nachdem sie den Entschluss zur Selbstständigkeit gefasst hatte. „Das ist sehr wichtig, den sie müssen die ganze Sache ja mittragen: weniger Geld (nur am Anfang hoffentlich), weniger Zeit zum Haushalt oder für Ferien“, sagt die Unternehmensgründerin.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/gruendung-mit-vereinten-kraeften