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Hugo Hämmerle: An der Schaltstelle zwischen Forschung und Wirtschaft

Das NMI Reutlingen demonstriert vorbildlich, wie man Forschungsergebnisse in wirtschaftlich tragfähige Produkte und Dienstleistungen umsetzt. Seit mehr als 20 Jahren ist Prof. Dr. Hugo Hämmerle für diese Erfolgsgeschichte mit verantwortlich, seit Februar 2008 ist er der neue Institutsleiter.

Als Hämmerle 1974 seine Stelle als technischer Assistent an der Uni Hohenheim antrat, traf er dort auf einen Mentor, der seinem Werdegang eine entscheidende Wende gab. „Professor Klaus Bayreuther war ein hervorragender Pädagoge, der bereits die moderne Biologie lehrte, als die klassische Biologie noch stark an den Universitäten verankert war. Er war seiner Zeit weit voraus, sprach damals bereits von Stamm- und Progenitorzellen, auch wenn er seine Hypothesen noch nicht beweisen konnte, weil die Methoden dafür noch nicht zur Verfügung standen“, erinnert sich Hämmerle.

Bayreuther war es denn auch, der Hämmerles Potenzial erkannte, ihn förderte und ihm vorschlug, auch ohne Abitur ein Studium anzustreben. Was folgte, war gewiss kein Zuckerschlecken: Konsequent und diszipliniert bereitete sich Hämmerle auf die Begabtenprüfung zur Hochschulzugangsberechtigung vor, die er schließlich als einer von wenigen im Lande meisterte. „In diesem Jahr gab es in ganz Baden-Württemberg sieben oder acht Kandidaten, außer mir haben damals nur zwei weitere bestanden“, so Hämmerle.

Hämmerles Karriere: ein Lehrstück, unbeirrbar einen Weg zu gehen

Während seines Biologiestudiums entwickelte Hämmerle eine Vorliebe für die physikalische Chemie und generell für praktische Anwendungen des Gelernten. Nach dem Diplom wechselte Hämmerle an die Uni Tübingen und zu physiologischen Fragestellungen. Das war für ihn ein logischer Schritt, denn: „Mich hatte schon früh interessiert, wie man Physik in den Lebenswissenschaften anwenden kann. Die für die Anwendung interessantesten Fragestellungen sah ich in der Medizin“, sagt Hämmerle. Er promovierte über das Wachstum und die Differenzierung von glatten Muskelzellen im Verlauf der Plaque-Bildung bei Atherosklerose. „Wir waren eine der ersten Gruppen, die die Funktion und Bedeutung der glatten Muskelzellen bei der Plaquebildung in Zellkultur untersucht haben“, sagt Hämmerle.
Prof. Dr. Hugo Hämmerle, neuer Institutsleiter am NMI (Foto: NMI)
Quasi nebenbei baute er am Physiologischen Institut der Universität eine drittmittelfinanzierte Abteilung für Zellbiologie auf. Die dabei gesammelten Erfahrungen konnte er gleich danach wieder nutzen, als er nach der Promotion ans NMI Reutlingen wechselte und dort ebenfalls eine eigene Gruppe aufbaute. Es folgte der Aufstieg zum Abteilungsleiter und 1998 schließlich zum stellvertretenden Leiter des NMI Reutlingen. Im zunächst ober- und grenzflächentechnologisch ausgerichteten Institut etablierte Hämmerle im Laufe der Jahre die lebenswissenschaftlich ausgerichteten Forschungsgebiete. Das war nicht immer einfach. „Wir mussten die unterschiedlichen Denkweisen von Ingenieuren, Technikern und Naturwissenschaftlern vereinen. Unter anderem galt es, plakative Vorstellungen aus der Technik anzupassen und sinnvoll einzusetzen - es kann in lebenden Systemen eben nicht immer alles Eins zu Eins übertragen werden“, so Hämmerle.

Eine gemeinsame Bühne schaffen für Technik und Naturwissenschaft

Gemeinsam mit dem Institutsleiter Dr. Enzio Müller machte Hämmerle das NMI Reutlingen zu einem der deutschlandweit erfolgreichsten Institute an der Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie. Als einen der wichtigsten Bausteine dieses Erfolgs nennt Hämmerle die Entwicklung von Mikroelektroden-Arrays für die Sensorik und ihre Anwendung im Retina-Implant-Projekt, an dem das NMI Reutlingen als Projektpartner beteiligt war. Die Netzhaut-Implantate werden bei bestimmten Augenkrankheiten bereits erfolgreich beim Menschen eingesetzt und geben den Patienten einen Teil ihrer Sehfähigkeit zurück. Auch an der Entwicklung von innovativen Biochips für die Analytik sowie von Knorpelzelltransplantationen zur Heilung von Gelenkdefekten war das NMI Reutlingen unter der Regie von Müller und Hämmerle beteiligt.
Prof. Dr. Hugo Hämmerle inmitten einer Gruppe von Menschen inklusive Journalisten
Am NMI begann Hämmerles Karriere bereits 1987 mit dem Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe (Foto: NMI)
In einigen Fällen mündeten die Erfolgsprojekte in der Ausgründung einer Firma. Diese „Inkubatorfunktion“ des NMI Reutlingen liegt Hämmerle persönlich besonders am Herzen. „Mir ist der Umsetzungsgedanke der Technik in die Wirtschaft sehr wichtig und ich habe Firmenausgründungen schon immer nach Kräften unterstützt“, sagt Hämmerle. Als neuer Institutsleiter will er die Aktivitäten in diese Richtung noch steigern. Parallel dazu forciert Hämmerle den internen Ausbau des NMI. Es wird personelles Wachstum und einen Anbau mit weiteren 2.200 Quadratmetern Labor- und Bürofläche geben.

Wachstum intern und nach außen vorantreiben

Als ob diese Liste von Vorhaben nicht schon Herausforderung genug wäre, entwickelt Hämmerle auch neue Konzepte für die Lehre. Seit vier Jahren ist er Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät der Uni Tübingen. Da Hämmerle nicht nur ein Mann der Forschung, sondern eben stets auch der Wirtschaft ist, will er mehr vermitteln als reines Fachwissen. „Zurzeit plane ich, den Studenten Projekt- und Risikomanagement nahe zu bringen und zwar anhand von Beispielen aus meiner eigenen Erfahrung. Im Rahmen des Bolognaprozesses zur Erneuerung der Lehre ist die Integration solcher Kenntnisse gefragt und entspricht auch meiner eigenen Vorstellung“, sagt Hämmerle.

Die Energietankstelle für Hämmerles vielfältige Aktivitäten liegt praktischerweise direkt hinter seiner Haustür. „Wenn ich mit meinem Hund im Wald hinterm Haus joggen gehe, kann ich gut sinnieren, dort kommen mir oft die besten Ideen“, so Hämmerle. Außerdem steigt er gerne aufs Fahrrad, für ihn eine weitere gute Methode, um neue Kraft zu schöpfen. „Ich bin sogar schon mit dem Tourenrad zu meinem Sohn nach Ungarn gefahren. Generell begeistert mich das Erleben der Natur. Schließlich ist es auch die Liebe zur Natur, die mich zur Biologie gebracht hat“, betont Hämmerle.

(leh) - 15.03.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Weitere Informationen:
NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen
Prof. Dr. Hugo Hämmerle
Markwiesenstrasse 55
72770 Reutlingen
Tel.: 07121 51530-45
Fax: 07121 51530-16
E-Mail: haemmerle@nmi.de
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/hugo-haemmerle-an-der-schaltstelle-zwischen-forschung-und-wirtschaft