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Immer aktiv in Sachen Biotechnologie

Die Johanna-Wittum-Schule begrüßte am Dienstag, den 17. Februar 2009 die Mitglieder des Rotary Club Pforzheim-Schlossberg als Gäste. Die Schüler und Schülerinnen der dortigen Biotechnologie-AG führten mit den Gästen ein molekularbiologisches Experiment durch.

Rotary Club-Mitglieder gespannt zu Beginn des Experiments © Sebastian Matheis

Akribisch vorbereitet und bis ins kleinste Detail durchdacht betreute jeweils ein/e Schülermentor/in zwei Teilnehmer, die aus ihren eigenen Mundschleimhautzellen DNA isolierten. Nach einigen weiteren Arbeitsschritten konnten die Rotarier und ihre Ehefrauen die eigene DNA eingeschlossen in einem Glasanhänger an einem Silberkettchen mit nach Hause nehmen. Das gesamte Praktikum wurde von den Schülern und Schülerinnen selbst moderiert und durchgeführt. Und nicht zuletzt wurde die Biotechnologie-AG auch noch tatkräftig von den Vertreterinnen der Kochabteilung des Hauswirtschaftlichen Zweigs der beruflichen Schule unterstützt, die in der Pause ein perfektes Büffet servierten. So zeigte sich auch die Schulleiterin Margarete Schäfer sehr erfreut über die Tatsache, dass sich die Johanna-Wittum-Schule über solche Aktivitäten der Biotechnologie-AG als Ganzes nach außen präsentieren kann.

Pionier in Sachen Biotechnologie an den beruflichen Schulen

Rotary Club-Präsident Kunzmann mit eigener DNA als Schmuckanhänger © Sebastian Matheis

Die Johanna-Wittum-Schule in Pforzheim war eine der vier Pionierschulen in Baden-Württemberg, die ein biotechnologisches Gymnasium zum Schuljahr 2001/2002 einführten. Treibende Kraft dieser Entwicklung war Dr. Jürgen Braun, Lehrer an der Johanna-Wittum-Schule und von Anfang an begeistert von der Biotechnologie und ihren Möglichkeiten. Dass die Schule die hervorragenden Möglichkeiten durch die umfassende Ausstattung mit S1-Labor und modernsten Geräten auch entsprechend nutzt, ist nicht zuletzt auch sein Verdienst. Immer wieder ergreift er die Gelegenheit und führt mit seiner Biotechnologie-AG Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer und Schulklassen anderer Schulen durch. Hierzu werden von den Schülerinnen und Schülern auch detaillierte Anleitungen zu einzelnen Experimenten auf CD erstellt, die für den Gebrauch an der eigenen Schule erworben werden können. Regelmäßig nimmt die AG am jährlichen Lehrerkongress des VCI in Baden-Württemberg teil und schult dort bis zu 60 Lehrkräfte im molekularbiologischen Arbeiten. Und nicht zuletzt öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie der Praktikumsabend für die beiden Rotarier-Clubs Pforzheim oder den Lions Club Pforzheim gehören zu den Aktivitäten der Biotechnologie-AG.

Internationale Aktivitäten

Die Moderatorinnen Elana Weisbrich und Simone Pietruszka im Einsatz (von links). © Sebastian Matheis

Auch auf internationaler Ebene war die Johanna-Wittum-Schule eine der ersten Schulen, die im Bereich Biotechnologie ein europaweites Comenius-Projekt initiiert hat. Seit 2006 läuft das Projekt „European challenges in modern biotechnology education“ im Verbund von acht Schulen aus sieben europäischen Ländern. Ein nächstes Projekt zum Thema Proteomics ist schon in Vorbereitung. „Eine der Herausforderungen bei der Reise nach Brünn letztes Jahr war auch die Tatsache, dass die Experimente und Diskussionen auf Englisch erfolgen mussten. Ansonsten hätte es Verständnisprobleme gegeben,“ so Simone Haag, Mitglied der Biotechnologie-AG und Teilnehmerin der Comenius-Reise im Jahr 2008.

Und auch über Europa hinaus werden demnächst die Aktivitäten der Schule reichen. So ist auf Anregung des amerikanischen Botschafters eine Schulpartnerschaft mit den USA in Vorbereitung, die für sieben Wochen einen Schüleraustausch mit einer renommierten Schule in Hartsville, South Carolina beabsichtigt. Die beteiligten Schüler werden nicht nur wie üblich am regulären Schulunterricht teilnehmen, sondern darüber hinaus an Partneruniversitäten Praktika in der Biotechnologie absolvieren.

Aufgrund des vielseitigen Angebots des biotechnologischen Gymnasiums werden aber auch neue Schüler und Schülerinnen für die Johanna-Wittum-Schule gewonnen. So entschied sich Elana Weisbrich aus Straubenhardt bewusst für diese Form des Abiturs und wechselte von einem allgemein bildenden Gymnasium auf das biotechnologische Gymnasium. „Ich habe mich schon immer für die Biologie interessiert. Und hier habe ich viel mehr Praxis, so dass ich auch eine Fahrtzeit von einer Stunde zur Schule gerne akzeptiere.“

Dass die Begeisterung der rund 30 Mitglieder der Biotechnologie-AG für ihr Fach sehr groß ist, lässt sich auch an der späteren Studienplatzwahl ablesen. „Wenn einer Medizin studiert, dann ist das schon das am weitesten entfernte Studium“, so Jürgen Braun über die bisherigen Werdegänge seiner AG-Schüler. Simone Haag, in der 13. Klasse gerade in den Vorbereitungen auf das Abitur, plant ein Studium der Biochemie oder der molekularen Medizin nach dem Sommer. Der Fotograf des Rotarierabends und ehemalige AGler, Sebastian Matheis, eigens hierzu angereist, studiert Biotechnologie an der Hochschule Villingen-Schwenningen. „Ich habe die Entscheidung nie bereut. Das Studium ist genau das, was ich mir vorgestellt habe,“ so Matheis.

Das Programm Comenius der Europäischen Union richtet sich an Schulen und Vorschulen. Unterstützt werden Schulpartnerschaften, die Mobilität von Schülern und Lehrern sowie europäische Projekte, aus denen zum Beispiel neue Lehrmethoden entwickelt werden. Koordiniert wird das Programm von der Nationalen Agentur für Comenius, Pädagogischer Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz.

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