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Lehrerkongress der chemischen Industrie in Baden-Württemberg

Wie man den naturwissenschaftlichen Unterricht aufregend gestalten kann, erfuhren die 300 Teilnehmer des Lehrerkongresses der chemischen Industrie in Baden-Württemberg am 14. November in Freiburg. In fünf Infoforen wurde über Experimente im Unterricht, aber auch über den Weg zu einem MINT-Beruf informiert.

Dr. Gerd Backes überreicht Joachim Lerch den Preis Dialog Schule – Chemie: Experimentieren, Begeistern, Vernetzen 2012 © Frank Eppler / Chemie-Verbände BW

Begonnen wurde der Tag mit einer Ehrung: Joachim Lerch, 1. Vorsitzender des Fördervereins Science und Technologie e.V., wurde die Auszeichnung „Dialog Schule – Chemie: Experimentieren, Begeistern, Vernetzen 2012“ verliehen. Der Förderverein Science und Technologie ist unter anderem Veranstalter der jährlich stattfindenden Science Days. Dr. Gerd Backes, Vorsitzender des Verbandes der chemischen Industrie Baden-Württemberg, lobte das jahrelange Engagement Lerchs.

Mit dem Thema Berufswege in die Chemie stellte Dr. Tobias Pacher das neue Berufsportal „Elementare Vielfalt“ vor. Auf dem Portal können sich Jugendliche über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Chemiebranche informieren. Das breite Angebot vom Biologielaboranten über Mechatroniker bis zum Koch bildet die ganze Vielfalt der Branche ab. Und, so betont Pacher, „eine duale Ausbildung ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer beruflichen Entwicklung.“ Nach einer abgeschlossenen Ausbildung ist zum Beispiel noch ein Studium möglich. In einer tagesaktuellen Ausbildungsbörse können die Jugendlichen bundesweit Ausbildungsplatzangebote suchen.

Fünf Infoforen und der Markt der Möglichkeiten

Welche Berufe man braucht, um diesen Turnschuh herzustellen, wissen die Coaches von COACHING4FUTURE. © Frank Eppler / Chemie-Verbände BW

Ein Schulungsworkshop zum ausleihbaren Experimentierset „Genetischer Fingerabdruck“ oder Experimente im BioLab erwarteten die Teilnehmer unter anderem in den Infoforen. In einem weiteren Forum informierte das Team von COACHING4FUTURE, dem gemeinnützigen Bildungsprogramm der Baden-Württemberg Stiftung, multimedial über Berufe im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Die auf die Interessen von Schülern und Jugendlichen abgestimmte Studium- und Berufsinformation und befasste sich mit Fragen wie „Wie werden wir die Welt retten?“ oder „Wie werden wir uns unterhalten?“. Dr. Janine Kettering und Christian Walczuch führten die teilnehmenden Schüler interaktiv durch den Vortrag.

Mit Filmen zu aktuellen Projekten, die das Umfeld der Schüler betreffen, wie zum Beispiel Rohstoffgewinnung durch Handyrecycling, informierten die zwei Coaches über die Möglichkeiten von MINT-Berufen. Zu jedem Projekt gibt es eine beispielhafte Auswahl der dafür benötigten Berufe, sodass die Schüler den Beruf direkt mit seinem Einsatzbereich verbinden können. Schulen können sich auf dem Portal des Bildungsnetzwerks für den Besuch eines Coaching-Teams bewerben.

Krimhild Thoma im Infoforum "Kompetenzorientierter naturwissenschaftlicher Unterricht" © Frank Eppler / Chemie-Verbände BW

Mit dem „Kompetenzorientierten naturwissenschaftlichen Unterricht“ befasste sich das Infoforum von Krimhild Thoma, Fachberaterin für „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ (NWA) des Staatlichen Schulamts Böblingen. Während sich das herkömmliche lehrplanorientierte Unterrichtsmodell vor allem auf den zu vermittelnden Unterrichtsstoff fokussiert, stehen beim kompetenzorientierten Unterricht eher die Fähigkeiten im Mittelpunkt, die ein Schüler im Unterricht erwerben soll.

Diese Fähigkeiten bewegen sich um die vier Basiskompetenzen Selbst-, Sozial-, Methoden- und Fachkompetenz. Die Referentin informierte über Werkzeuge der Unterrichtsplanung, gab Beispiele für eine themenorientierte Unterrichtsgestaltung im Fach „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ (NWA) und stellte das einjährige Kontaktstudium NWA für Lehrkräfte an Realschulen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vor. Das Fach NWA betrachtet naturwissenschaftliche Phänomene fächerübergreifend aus physikalischer, chemischer und biologischer Sicht, um Schülern die Naturwissenschaften in einem größeren Zusammenhang näherzubringen.

Gespensterschrecken und brennendes Haarspray

Prof. Dr. Peter Menzel während seines Vortrags. © Frank Eppler / Chemie-Verbände BW

In den Pausen zwischen den Foren konnten sich die Lehrer und Schüler auf dem Markt der Möglichkeiten informieren. Die BIOPRO Baden-Württemberg präsentierte unter anderem mit dem BIOPRO-Magazin aktuelles Hintergrundwissen zu den Lebenswissenschaften. Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule Riedlingen stellten das Projekt „Unsichtbare Lebenskünstler – Gespensterschrecken an unserer Schule“ aus dem NWA-Unterricht der Klasse 5 vor. Die jungen Forscher glänzten mit ihrem umfangreichen Wissen über die Insekten und erklärten den Besuchern ihr Projekt an selbstgemachten Modellen und Plakaten.

Auch einige Unternehmen, wie die Solvay Fluor GmbH, Rhodia Acetow GmbH, SMP Deutschland GmbH, Weimer Pharma GmbH und die Aug. Hedinger GmbH & Co. KG sowie die Evonik Industries AG, informierten über ihre Ausbildungsmöglichkeiten. Am Stand des Fehling Lab der Universität Stuttgart konnten die Besucher Experimente aus dem Chemielabor erleben.

Das Highlight der Veranstaltung war der Experimentalvortrag von Prof. Dr. Peter Menzel von der Universität Hohenheim „Rums! Da geht das Fondue hoch... Vom richtigen Umgang mit brennbaren Stoffen“. Professor Menzel berichtete über Unfälle mit Alltagschemikalien und zeigte eindrucksvoll, welche Verpuffungsreaktionen bei vermeintlich einfachen Experimenten mit Spiritus entstehen können. Er erklärte Brenn- und Flammpunkte und zeigte deutlich, dass Kerzen in Zusammenhang mit brennbaren Chemikalien nicht zu unterschätzen sind. Den teilnehmenden Pädagogen wurde so die Gefahr, die von brennbaren Stoffen ausgeht, noch einmal bewusst gemacht. Ebenso ließ der Experimentalvortrag wohlmöglich neue Ideen für den Unterricht entstehen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/lehrerkongress-der-chemischen-industrie-in-baden-wuerttemberg-1