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Unternehmensporträt

mbits imaging GmbH – Mobil in der Radiologie

Sich schnell die Meinung des medizinischen Kollegen einzuholen, während der schon zu Hause sein Abendessen vorbereitet, ist nicht immer einfach, denn häufig fehlen die benötigten Daten für eine Zweitmeinung. In der Radiologie ist dies nun einfacher geworden. Dank der App mRay können Radiologen medizinische Bilder auf einem portablen Gerät sicher begutachten.

Die medizinischen Bilddaten kann der Arzt auf dem Tablet oder Smartphone anschauen. © mbits imaging GmbH

Digitale Radiografie gibt es schon seit den 1970er-Jahren. Der Primärbefund eines digitalen Röntgenbildes wird dabei an einem eigens dafür ausgewählten Befundungsmonitor (BWG) durchgeführt, stationär in der radiologischen Praxis. Dass dies im digitalen, mobilen Zeitalter auch anders gehen muss, dachten sich die Mitglieder der Abteilung für Medizinische und Biologische Informatik des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (DKFZ) unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Meinzer schon im Jahr 2010. „Damals kamen die ersten Tablets auf den Markt“, berichtet Dr. Michael Müller, der gemeinsam mit Dr. Ingmar Gergel die mbits imaging GmbH gründete. „Wir haben geschaut, wo man die mobilen Geräte im Bereich er Radiologie nutzbringend unterbringen kann.“ Dass den beiden Medizininformatikern dies mit ihrem Team gelungen ist, zeigt die Finalteilnahme mit der App mRay beim App-Circus 2016 während der conhIT in Berlin. Mit der Software mRay können Ärzte mobile radiologische Bilder betrachten, zum Beispiel bei einer Visite gemeinsam mit dem Patienten, oder auch zur Zweitmeinung einem Kollegen zur Verfügung stellen.

Mit Hilfe von Forschungstransfermitteln der Helmholtz-Gemeinschaft wagten sich die Wissenschaftler an das Thema. Nach einer Finanzierung über die „Jungen Innovatoren“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gründeten die Medizininformatiker 2011 gemeinsam mit Meinzer das mbits Steinbeis Transferzentrum für Technologie. „Das Steinbeis-Transferzentrum war sozusagen unser Sprungbrett in die Selbstständigkeit. Dabei haben wir gesehen, dass unsere Idee funktioniert, denn wir konnten schon Verträge mit Kliniken abschließen“, sagt Müller. Seit dem Jahr 2015 leiten Ingmar Gergel und Michael Müller die mbits imaging GmbH.

Wie funktioniert mRay?

In Kliniken werden die digitalen Röntgenbilder auf einer Bilddatenbank gespeichert, dem sogenannten PACS (Picture Archiving and Communication System). Der Zugang zu diesem Archivierungssystem ist standardisiert, was sich mbits zunutze macht. Das Unternehmen installiert auf einem Server des Klinikums seine Software, die sich an die Bilddatenbank anschließt. Der Arzt muss sich nun noch die Medical App auf sein Tablet laden und kann von diesem Zeitpunkt an Bilder an sein Mobilgerät oder das eines anderen Arztes mit der App schicken und auch in diesem Archiv suchen. Die App macht natürlich nur dort Sinn, wo der Arzt keinen Zugriff auf seinen Desktop-Computer hat. Das ist laut Michael Müller besonders bei den Hintergrunddiensten interessant, also wenn der Arzt nicht in Klinik ist. „Ein klassischer Fall ist es, wenn der Oberarzt daheim sitzt und der Assistenzarzt einen unklaren Befund in der Klinik hat. Er schickt daher das radiologische Bild auf das mobile Gerät des Oberarztes, und dieser kann eine Zweitmeinung geben“, erklärt der Medizininformatiker.

Verschlüsselte Übertragung

mRay überträgt und speichert die Daten verschlüsselt. © mbits imaging GmbH

Dabei werden die Bilder sicher und schnell aus dem Archiv übertragen. „Die sichere Übertragung haben wir gemeinsam mit Datenschützern und Radiologen am DKFZ erarbeitet“, berichtet Müller. Die Daten werden in einem mehrstufigen System abgesichert und sind durchgehend verschlüsselt. Innerhalb des Klinikums liegen die Bilddaten in einem abgesicherten System vor, dort werden sie verschlüsselt und im Anschluss übertragen. Auf dem Endgerät angekommen werden sie dort ebenfalls verschlüsselt abgelegt. Die Bilder werden nur entschlüsselt, wenn der Nutzer sich mit seiner individuellen Autorisierung einloggt. „Hierbei handelt es sich um eine klassische asymmetrische Verschlüsselung“, so Müller.

Mehr als nur Bildbetrachtung

Mobile Geräte werden hauptsächlich in der Kommunikation verwendet, sei es zum Telefonieren oder um sich Nachrichten zu schreiben. Die Entwickler von mRay haben daher in der neusten Version eine Kommunikationsplattform in das System integriert. Hier können die eingeloggten Ärzte sowohl Nachrichten, in Form von Text oder Audio, als auch einzelne oder mehrere radiologische Bilder austauschen. Dazu gehören auch Bildausschnitte und die dazugehörigen Parameter. Interessant wird die Idee besonders dann, wenn sich Ärzte verschiedener Fachdisziplinen miteinander verknüpfen. „Ein Chirurg will sich in der Regel nicht einen ganzen CT-Datensatz ansehen, sondern ihm reicht ein Ausschnitt, den er vom Radiologen vorgefiltert bekommt. Genau dafür bietet sich das Ganze an“, sagt Müller.

mRay ist als Medizinprodukt der Klasse IIb zugelassen. Für die Zulassung konnte das Unternehmen in der Gründungsphase auf das etablierte Qualitätsmanagement des DKFZ zurückgreifen. Die mbits imaging GmbH arbeitet damit auf höchstem technischen Stand sowie innerhalb der regulatorischen Rahmenbedingungen. Hier unterscheiden sich die Anforderungen für eine mobile App kaum von einer Software für einen Desktop-Computer. Die Zertifizierung findet durch den TÜV Süd statt. „Viele verbinden mit einer mobilen App etwas Unsicheres, aber schlussendlich ist es nur eine Anwendungssoftware, die auf einem mobilen Endgerät läuft und damit nicht per se schlechter, als wenn sie auf einem Desktop-Computer läuft“, erklärt Müller.

Medizinisches Tablet

Bisher konnte mRay jedoch noch nicht für einen primären Befund genutzt werden, da die gängigen Tablets nicht den Ansprüchen der Röntgenverordnung genügen. Dabei spielen Helligkeit, Kontrast, Geometrie der Darstellung und auch die Pixeldichte eine Rolle. Die mbits imaging GmbH hat daher eine Kooperation mit der IMAGE Information Systems Europe GmbH aus Rostock gestartet. Das durch die Partnerfirma entwickelte Tablet mit dem Name „MED-TAB“ kann nach der deutschen Norm abgenommen werden und erweitert, laut Müller, den Aktionsradius der Software enorm. Deutlich wird dies insbesondere in der Teleradiologie. „Man braucht keinen Radiologen mehr vor Ort, sondern kann die Befundung mit dem portablen Gerät abnehmen“, so Müller. Damit können wir quasi als Erste in Deutschland eine Primärbefundung auf einem Tablet-Computer anbieten.“

Navigationssoftware für den OP

  • Die Navigationssoftware SurgeryPad wird im OP eingesetzt. © mbits imaging GmbH
  • Mit Hilfe der Software SurgeryPad führt der Arzt die Operation durch. © mbits imaging GmbH
  • Die Navigationssoftware SurgeryPad setzt auf augmented reality. © mbits imaging GmbH

Noch auf dem Weg zur Zulassung befindet sich die Navigationssoftware SurgeryPad aus dem Hause mbits. Das „Navi“ soll dem Arzt einen genauen Einblick in den Patienten vor der OP geben. Damit die Software zum Einsatz kommen kann, erstellen die Forscher zunächst mithilfe von röntgendichten Hautmarkern einen CT-Datensatz des Patienten. Auf Basis des Datensatzes kann die Software eine individuelle dreidimensionale Anatomie des Patienten berechnen, die mit Hilfe von augmented reality (erweiterter Realität) während der OP mittels Tablet über dem Körper des Patienten eingeblendet wird. Dank der Referenzpunkte, die ebenfalls in der 3D-Struktur zu sehen sind, ist die Darstellung millimetergenau. „Der Arzt sieht im Prinzip bevor er mit der OP beginnt, wo der Tumor oder der Nierenstein ist, und weiß, wo die kritischen Strukturen sind, die nicht verletzt werden dürfen“, erklärt Müller. Die im Forschungskontext schon sehr erfolgreiche Software wartet jetzt auf ihre Zulassung. Da die Zulassungsvoraussetzungen hier etwas höher sind als für eine Stand-alone-Software, sind natürlich auch die finanziellen Anforderungen höher. „Wir hatten einen Prototyp, denn das System war schon in der klinischen Studie, mit der Urologie der SLK Kliniken in Heilbronn. Vonseiten der Software sind wir daher relativ weit, und wir sind gerade dabei, auch die finanziellen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt Müller.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/mbits-imaging-gmbh-mobil-in-der-radiologie