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Medizinischer Nutzen im Fokus - Nycomed auf neuem Kurs

Eine „Botschafter“-Strategie für doppelte Innovationskraft - mit einem frischen Forschungs- und Entwicklungskonzept setzt das forschende Pharmaunternehmen Nycomed bei der Entwicklung aussichtsreicher Wirkstoffe und klinischer Produkte in Zukunft verstärkt auf Einlizenzierung und eine intensivierte Zusammenarbeit mit externen Partnern. Von der Neuausrichtung sollen insbesondere Patienten profitieren.

Dr. Monika Baudler-Klein, Leiterin des Globalen Pipeline Sourcing Teams von Nycomed © Nycomed

Das Kernstück der neuen Firmenphilosophie des Arzneimittelherstellers Nycomed bildet eine Verlagerung des Schwerpunktes von der intern stattfindenden Entwicklung hin zur Auffüllung des Produkt-Portfolios aus externen Quellen, von der sich das Unternehmen eine höhere Flexibilität verspricht. Künftig sollen so nur noch rund 20 Prozent der klinischen Projekte der internen Forschung entstammen. „Unser Ziel ist es, jährlich mindestens drei Entwicklungsprojekte aus Einlizenzierungen vor allem in fortgeschrittenen klinischen Phasen in die Produkt-Pipeline zu integrieren, während die eigene Forschungsabteilung ein bis zwei Produktkandidaten beisteuert“, erklärt Prof. Paul-Georg Germann, Leiter der Abteilung Forschung und Proof of Concept Entwicklung bei Nycomed. Insbesondere soll die Lücke, die Ende 2009 durch Ablauf des Patentschutzes für den Umsatzrenner Pantoprazol entsteht, geschlossen werden.

Transformation in eine Scouting-Organisation

Eine wichtige Säule des Nycomed-Modells ist dabei ein Tandem aus den Abteilungen „Pipeline-Sourcing“ und „Business Development“, die in enger Kooperation Hand in Hand agieren. Das mit Wissenschaftlern und Medizinern besetzte Pipeline-Sourcing-Team, verteilt auf die Standorte in Konstanz, Taastrup (Dänemark) und Florham Park (USA), soll durch aktives Scouting innovative Ideen sowie vielversprechende Präparate aufspüren und hinsichtlich medizinischem Potenzial, Risiko sowie technischer Machbarkeit evaluieren, während das Business Development Kontakte zu Geschäftspartnern koordiniert und die wirtschaftlichen Aspekte von Produktkandidaten bewertet.

"Die starke Verzahnung dieser beiden Bereiche ist uns wichtig, wobei wir den medizinischen Nutzen der Lizenz-Opportunitäten klar in den Vordergrund stellen“, betont Dr. Monika Baudler-Klein, Leiterin des Globalen Pipeline Sourcing Teams. Insgesamt 300-400 Projektideen soll die 25-köpfige, 2007 neu etablierte Pipeline-Sourcing Gruppe, jährlich ausfindig machen, davon bis zu 120 in technischer und medizinischer Hinsicht näher prüfen und schließlich 10 bis 20 einer vertieften Evaluation bzw. Due Diligence unterziehen, um mindestens drei neue Entwicklungsprojekte pro Jahr in den internen Entwicklungsprozess implementieren zu können.

Flächendeckende Projektsuche durch Aufbau von Netzwerken

Das Fischen nach neuen Projekten und therapeutischen Konzepten soll dabei mit Hilfe eines „Ambassador“-Konzepts erfolgen, das sich als eine Art Schneeball-System charakterisieren lässt. So sollen Kontakte zu potenziellen Partnern aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Biotech-Firmen oder Pharmaunternehmen über ein internationales Netz von Nycomed-Mitarbeitern geknüpft werden, die neben ihrer wissenschaftlichen oder medizinischen Haupttätigkeit selbst als Botschafter oder Scouts für Pipeline Sourcing aktiv werden. „Unser Ziel ist es, Nycomed in eine scoutende Organisation zu verwandeln, in der jeder Mitarbeiter seine persönlichen Netzwerke nutzt, um neue Produktideen für unsere Firma zu erschließen. Der entscheidende Vorteil hierbei ist, dass wir so trotz eines im Vergleich zu großen Pharmaunternehmen relativ kleinen Sourcing-Teams ein breites Spektrum innovativer Regionen abdecken können und recht früh Informationen zu laufenden Entwicklungsprojekten bekommen,“ sagt Dr. Monika Baudler-Klein. Durch den Aufbau dieses lebendigen Netzwerks soll so der Zugang zu weltweiter Innovation deutlich gesteigert werden.

Fast „marktreife“ und patientenfreundliche Produkte im Visier

In den Labors von Nycomed setzt man auf die Entwicklung patientenfreundlicher Präparate. © Nycomed

Den Schwerpunkt setzen will Nycomed generell auf Einlizenzierung von Projekten in späteren klinischen Phasen. „Unsere Konzentration liegt auf Produkten, die in wenigen Jahren am Markt sein können“, betont Dr. Monika Baudler-Klein. Wie die Wissenschaftlerin erklärt, sei dieser Schritt „durch die hohen Absterberaten von Projekten in frühen Phasen“ begründet, die unter anderem auf die schwierige Übertragbarkeit von präklinischen Daten auf den Menschen sowie die hohen Anforderungen an Wirksamkeit und Sicherheit in der klinischen Praxis zurückzuführen sind. “Die Wahrscheinlichkeit, ein potenzielles Target zu identifizieren, liegen in der in frühen Phasen bei zirka 1: 20.000, während sie in der 2. Phase bereits 40 Prozent betragen und sich in Phase III auf 60 Prozent erhöhen“, sagt Prof. Paul-Georg Germann. Dennoch werde man auch weiterhin vielversprechende Projekte in frühen Entwicklungsstufen realisieren, sei es durch die Einlizenzierung validierter Targets oder hochwirksamer Leitstrukturen.

Als weiterer Eckpfeiler von Nycomeds neuem F&E-Konzept dient eine stärkere Hinwendung von großen Blockbuster-Projekten zu kleineren Produkten und zur intensiveren Suche nach Marktnischen. „Diese Umorientierung ist dadurch motiviert, dass insbesondere große pharmazeutische Produkte eine Vielzahl von behördlichen Hürden nehmen müssen, bis sie am Markt zugelassen werden können. Die damit verbundenen Kosten für die Zulassung neuer Medikamente sind deshalb in der Vergangenheit enorm gestiegen. Ein Fokus auf medizinische Nischen, in denen weniger umfassende klinische Entwicklungsprogramme ausreichen, macht daher sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich Sinn“, erklärt Dr. Monika Baudler-Klein. Eine große Bedeutung kommt im neuen Modell darüber hinaus dem medizinischen Nutzen zu. „Wir wollen ausschließlich Projekte vorantreiben und Präparate entwickeln, die für den Patienten wertvoll sind und gleichzeitig von den Krankenkassen bezahlt werden können“, so Prof. Paul-Georg Germann. Verfolgen möchte Nycomed seine neue Forschungs- und Entwicklungsstrategie in den therapeutischen Kernfeldern Gastroenterologie, Atemwegserkrankungen, Entzündungen, Schmerztherapie sowie Osteoporose, ist aber auch offen für attraktive Entwicklungsansätze in anderen Therapiegebieten.

Umsetzung des neuen Konzepts bereits im Gange

Ein aktuelles Beispiel für die Umsetzung der neuen Nycomed-Strategie stellt das momentan in Phase III befindliche Therapeutikum Teduglutide dar, ein externes Produkt mit hohem medizinischem Nutzen abseits der großen Blockbuster-Indikationen. Das Analogon des natürlich vorkommenden glukonartigen Hormon Peptid 2 (GLP-2) dient der Behandlung des seltenen Kurzdarmsyndroms, von dem weltweit rund 30.000 Menschen betroffen sind. Das Medikament wird nach einer Lizenzvereinbarung mit dem amerikanischen biopharmazeutischen Unternehmen NPS Pharmaceuticals weiterentwickelt und soll durch tägliche Injektionen für ein signifikantes Wachstum der Darmauskleidung sorgen.

„Der hohe medizinische Nutzen besteht unter anderem darin, dass das Präparat für eine verbesserte Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeiten sorgt und Betroffenen die Chance eröffnet, komplett auf eine künstliche Ernährung verzichten zu können“, erklärt Dr. Monika Baudler-Klein. „Dies stellt nicht nur für Patienten, die sonst durch eine unzureichende Nährstoffaufnahme stark an Gewicht verlieren und mittels einer Sonde ernährt werden müssen, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität dar, sondern bedeutet auch eine spürbare Entlastung der Gesundheitssysteme.“

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