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Meet & Match im BioValley - Internationale Partner zusammenbringen

Gerade kleine Life-Science-Unternehmen haben kaum Zeit, um sich auf Messen um internationale Kontakte zu kümmern. Im Cluster BioValley an der Grenze zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz spielen Scouts die Kupplerrolle. Dr. Mona Boyé ist Koordinatorin des trinationalen Matchmaking-Teams des BioValley-Clusters. Sie und ihre Experten haben einen Überblick über Know-how und Wirtschaftskraft in ihren drei Regionen und führen zusammen, was zusammengehört. Besonders erfolgreich sind sogenannte Meet & Match-Events.

Das trinationale Matchmaking-Team des BioValley mit seiner Leiterin Dr. Mona Boyé (Mitte) © BioValley

Das BioValley ist eine der größten Biotech-Regionen Europas. Mit über 600 Unternehmen (zum Teil Global Playern wie Roche oder Novartis), 40 wissenschaftlichen Einrichtungen und fünf Universitäten ist die Oberrheinregion an den Grenzen zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz ein florierender Ort, wenn es um Innovationen und wirtschaftlichen Erfolg im Bereich der Life Sciences geht. Kooperationen zwischen Unternehmen, aber auch zwischen Unternehmen und Forschungspartnern, sind der Motor für neue Entwicklungen und für die Eroberung von Märkten. Auch auf internationalem Parkett. Aber Kooperationen setzen voraus, dass man den geeigneten Partner findet, zum Beispiel auf Messen. „Gerade kleine oder mittelständische Unternehmen haben oft nicht die Zeit, auf allen wichtigen Veranstaltungen ihrer Branche präsent zu sein“, sagt Dr. Mona Boyé, Koordinatorin des Teams für trinationales Matchmaking des BioValley-Clusters, das im Rahmen des Förderprogramms Interreg IV der EU gegründet wurde. Seit 2009 bietet das Team Unternehmen sowie universitären und anderen Forschungsgruppen seinen Service an. "Unser Ziel ist es, Angebot und Nachfrage zusammenführen", sagt Boyé.

Mobile Kuppler und erfolgreiche Vermittlungen

Jede der drei Länderregionen im BioValley stellt hierfür sogenannte Scouts zur Verfügung. Das sind gewissermaßen mobile Kuppler, die von Unternehmen zu Unternehmen und von Forschungsgruppe zu Forschungsgruppe reisen und inzwischen etwa 400 Akteure des BioValley-Clusters erfasst haben. Die Scouts haben einen guten Überblick über das, was in einer Firma oder in einer Universitäts-AG vorgeht und an Know-how vorhanden ist. Sie haben sich auch ein Bild davon gemacht, welche Bedürfnisse die einzelnen Akteure des BioValley haben. „Wenn ein Biopharma-Unternehmen nach einem Kooperations- oder Dienstleistungspartner sucht, dann kennen wir diesen potenziellen Partner oft schon und müssen dann nur den Kontakt weitergeben“, sagt Boyé. Das Team für trinationales Matchmaking kann aber auch seine weltweiten Kontakte in anderen Clustern und Innovationsregionen spielen lassen. Und es vertritt Unternehmen auf Biopharma- oder Medtech-Messen, auf denen es einen BioValley-Stand unterhält und die Produkte, Dienstleistungen oder Forschungsinteressen aus der BioValley-Region bewirbt.

Beispiele für erfolgreiche Vermittlungen gibt es inzwischen viele. Etwa das kleine Unternehmen BS MTI, das Katheter herstellt. „Diese Firma hatte nicht genügend Kapazitäten, einen Vertreter auf Messen zu schicken“, sagt Boyé. „Wir haben das Produkt auf den Medtech-Messen vorgestellt und einen Auftrag in Höhe von 75.000 Euro eingeworben - die Firma war begeistert.“ Die Firma Rhenovia konnte mit einem international renommierten Fabrikanten zur Industrialisierung eines innovativen Hautpatches in Kontakt treten. Rund 150 Anfragen für Kooperationen hat das BioValley Team bisher bearbeitet. Für etwa 100 davon fand sich ein Partner in der eigenen Region um Freiburg, Basel oder Straßburg. Etwa 40 Interessenten fanden einen trinationalen Partner oder einen Partner außerhalb des BioValleys. Aufträge, Vermittlung von Dienstleistungen, Forschungskooperationen oder strategischen Allianzen - alles das können Boyé und ihr Team in die Wege leiten. Die regionalen BioValley-Institutionen bieten außerdem regelmäßige Vortragsreihen von Experten an, die wichtige Beratungsrollen im finanziellen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Belangen übernehmen können. „Den größten Erfolg haben aber sogenannte Meet & Match-Events“, sagt Boyé.

Einfache Veranstaltungsidee mit Riesenerfolg

Bei den trinationalen Meet & Match-Events kommen potenzielle Kooperationspartner aus Forschung und Industrie miteinander ins Gespräch. © BioValley

Bei diesen dreimal im Jahr stattfindenden Veranstaltungen kommen Unternehmen und Forscher aus den drei Regionen zusammen, die sich mit einem bestimmten vorgegebenen Thema - wie etwa mit Biomarkern, mit Medical Imaging oder mit Antikörpertechnologie - beschäftigen. Auf fünfzig Teilnehmer sind die Events beschränkt, es wird Englisch gesprochen, und je vier Vorträge aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Frankreich vermitteln einen Überblick über die Aktivitäten im BioValley. Anschließend ist genug Zeit, um Probleme zu besprechen und gemeinsame Interessen zu entdecken. „Diese Veranstaltungen sind im Prinzip eine ganz einfache Angelegenheit“, sagt Boyé. „Aber sie haben einen Riesenerfolg, die Firmen und Forschungsgruppen sind begeistert, weil sie so genau die richtigen Leute finden, die ihnen weiterhelfen können. Inzwischen fragen die Unternehmen und Forscher von alleine bei uns an, wann das nächste für sie passende Meet & Match-Meeting ist.“ Das nächste Meet & Match findet übrigens am 20. Oktober 2011 in Karlsruhe mit dem Thema „Microfluidics/ Lab-on-a-chip“ statt.

Auch in Zukunft werden Boyé und ihre Scouts die Kupplerrolle spielen, selbst wenn die Finanzierung durch das Interreg-IV-Programm 2015 ausläuft. Sie wollen vermehrt auch globale Kontakte herstellen, zunächst zu ähnlichen Innovationsclustern in Regionen wie der EU, dann aber auch zu den USA oder Asien. Am 25. Januar 2012 wird außerdem ein Trainingsmodul mit dem Titel “Understanding global markets and culture in biotechnology - a first step towards the definition of an internationalisation strategy” stattfinden. Dieses Event ist eine Initiative von ABC Europe, einem Zusammenschluss der „erfahrensten“ Cluster im Bereich Biotech aus Europa zur Internationalisierung von Biotech Clustern, und wird vom BioValley organisiert.
Viele Unternehmen im Bereich der Life Sciences sind auf internationale Märkte angewiesen. Und auch für neue Entwicklungen ist ein internationaler Wind oft von Vorteil. Aber angesichts der Unmenge von Mitspielern im komplexen Weltgeschehen geht nichts ohne Vermittler, die den Überblick behalten und zusammenbringen können, was zusammen gehört.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/meet-match-im-biovalley-internationale-partner-zusammenbringen